Danach ist man immer schlauer

Warum ihr die Hälfte eurer Erstausstattung niemals brauchen werdet

Süße Knöpfchen auf dem Rücken, ein Chanel-Kostüm in Größe 56, das am Body befestigte mit Mini-Tütü – ja, es gibt richtig süße Babysachen. Doch viele davon werdet ihr eurem Nachwuchs bestenfalls einmal anziehen: zum Neugeborenen-Shooting. Warum das so ist – und wie man es schafft, so ein Baby anzuziehen ohne es zu zerbrechen, weiß unsere Autorin Silke Schröckert:

Ja, ich weiß: Ein Body mit integriertem Mini-Tüllrock sieht einfach zum Niederknien niedlich aus. Und auch diese süße Latzhose aus reiner Wolle und die Mini-Bluse mit Knopfleiste am Rücken sind wahre Erstausstattungs-Must-haves. Also, zumindest für den Moment der Geschenkübergabe. Wenn werdende Großeltern, Tanten in spe oder aufgeregte Freundinnen stolz ihren wertvollen Beitrag für die Babygarderobe überreichen. Oder wenn du selbst mit dicker Babybauchkugel auf Shopping-Tour gehst, um schon einmal den Schrank im Kinderzimmer zu füllen. Und wer weiß: Vielleicht werden die modischen Outfits sogar beim Neugeborenen-Shooting für die Ewigkeit festgehalten?

Unser Buchtipp zum Weiterlesen

Lust auf viele weitere herrlich ehrliche Anekdoten von der Schwangerschaft bis zur Schulzeit? Mit "101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen" hat Silke Schröckert einen Mutmacher für alle Eltern geschrieben. Als Mutter von zwei Kindern weiß sie nur zu gut, dass "normal" sowohl in der Schwanger- als auch in der Elternschaft ein dehnbarer Begriff ist.

Mit eigenen Erlebnissen aus ihrem Alltag und Beiträgen von zehn Gastautoren und -autorinnen erzählt sie euch nicht, wie das Familienleben sein sollte, sondern wie es wirklich ist. Das ist mal zum Brüllen komisch, mal emotional und ernst, dabei aber immer ehrlich.

"101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen: obwohl sie so wichtig, witzig und wunderbar wohltuend sind!"* von Silke Schröckert ist ab dem 1. Oktober im Handel erhältlich.

Doch jetzt kommt die traurige Wahrheit: Das wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der einzige Einsatz der schicken Baby-Fashion bleiben. Alles, was nicht bei 60 Grad waschbar ist, wirst du ganz intuitiv aussortieren, sobald du das erste Mal miterlebt hast, was so alles aus einem Baby rauskommt – ohne Rücksicht auf anspruchsvolle Materialien oder Markennamen.

Als nächstes wirst du realisieren, dass dein Kind fast rund um die Uhr auf dem Rücken liegt oder sowieso komplett vor aller Augen verdeckt in der Trage hängt. Und dass Knöpfe, Schleifchen und anderer Zierrat deshalb auf einem Baby nichts verloren haben – erst recht nicht auf seiner Rückseite. Und mal im Ernst: Wenn wir zu Hause auf der Couch chillen, streifen wir uns ja auch nicht den Ballerinarock aus Tüll und die Rüschenbluse mit  Knopfleiste über. Warum sollte ein Baby sich darin wohlfühlen?

Natürlich darf die Freude über das süße Baby-Outfit riesig sein! (Mein persönliches Geschenke-Highlight war ein echtes Chanel-Kostüm (kreisch!!) in Größe 56, das meine Tochter immerhin zwölf ganze Minuten anhatte, bevor ihr die Milchspucke hochkam.) Aber wenn dir jemand zur Geburt ein unspektakuläres Fünfer-Set dunkler Bodys schenkt, das sogar die Kochwäsche überlebt (und das muss es), dann denk daran: Diese Person weiß wirklich, was du in den nächsten Wochen brauchen wirst. Und verdient für ihr vermeintlich langweiliges Geburtsgeschenk das dickste Dankeschön von allen.

Und wie zieht man das jetzt an?

Irgendwo ist sicher auch dir schon dieser Spruch begegnet: "Ein Baby anzuziehen fühlt sich so an, als probiere man, einen Oktopus in ein Einkaufsnetz zu stopfen, ohne dass einer der acht Arme heraushängt." Das ist natürlich Quatsch. Wobei … Der Teil mit den acht Armen kommt einem schon real vor. Und der mit dem Einkaufsnetz auch. Und ja, beweglich und manchmal glitschig wie ein Oktopus ist so ein kleiner Mini-Mensch auf jeden Fall. Aber eben auch deutlich zerbrechlicher – zumindest in der Vorstellung der frischgebackenen Eltern. Statt Gliedmaßen irgendwo "hineinzustopfen" wirst vermutlich auch du die ersten Tage und Wochen die Ärmchen und Beinchen darum behutsam wie rohe Eier behandeln. Und erst das kleine Köpfchen! Wenn du das erste Mal über die sooo weiche Kopfhaut gestreichelt hast, wird dir die Öffnung in Bodys und anderen Textilien mindestens so übertrieben beengt vorkommen wie der Geburtskanal.

Wirklich wichtig bei der Auswahl geeigneter Babykleidung ist also nicht nur die Waschbar-, sondern auch die leichte Anziehbarkeit. Mein absoluter Favorit, den ich viel zu spät entdeckt habe: Wickelbodys. Die haben vorn auf der Brust Druckknöpfe, sodass du dich um das quälende Köpfchen-irgendwo-hindurch-Bugsieren komplett drücken kannst. Damit hören zumindest schon mal gefühlte fünf von acht Baby-Oktopus-Ärmchen auf dein Kommando. (Der Rest ist einfach Übung, versprochen!).

Über die Autorin

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. "101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen"* (16,95 Euro, Junior Medien, z. B. via Amazon) ist ihr erstes Buch.

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