Sicher unterwegs

Kindersitz gebraucht kaufen: ja oder nein?

Ihr wollt einen gebrauchten Kindersitz kaufen? Dann achtet unbedingt auf das Ablaufdatum. Woran ihr Alter und Haltbarkeit erkennt, haben wir hier zusammengestellt.

Ein Kindersitz ist nicht allein für den Transport von A nach B gedacht, sondern hauptsächlich dafür, euer Kind im (hoffentlich nie eintretenden) Fall eines Unfalls optimal zu schützen. Fakt ist: Die meisten der Sitze, die auf dem Gebrauchtmarkt angeboten werden, können das einfach leider nicht mehr. Für mich als Opa ist schon die Vorstellung, dass mein Enkel auch nur leicht verletzt wird, schlimmer als die Vorstellung, dass ich selbst schwer verletzt werde. Deshalb ist es natürlich unheimlich wichtig, das Kind bestmöglich abzusichern.

Kindersitz gebraucht kaufen: worauf achten?

Das wesentliche Thema ist hierbei Materialermüdung. Denn ein Kindersitz besteht größtenteils aus Kunststoff wie Styropor. Im Winter steht er bei Minusgraden im Auto, im Sommer ist er der Hitze und der Sonne ausgesetzt. Der Wagen wird aufgeheizt wie eine Sauna. Ergo ist das Material unglaublichen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Mit der Zeit wird deshalb das Material porös, rissig und instabil. Bei einem Unfall wirken enorme Kräfte auf das Auto und den Sitz ein, der ihnen ja standhalten muss. Wenn der Sitz aber schon alt und porös ist, gibt er der Krafteinwirkung viel leichter nach, zerbricht, und die volle Kraft des Crashs trifft den kleinen Fahrgast.

Hersteller geben als Lebensdauer eines Sitzes meist fünf bis zehn Jahre an – orientiert euch also am Produktionsdatum, das ist irgendwo am Sitz vermerkt, häufig etwas versteckt oder als kleine Prägung im Kunststoff verarbeitet. In vielen Fällen steht es auf dem Aufkleber gemeinsam mit oder neben dem Prüfsiegel. Jeder Kindersitz muss über dieses Siegel verfügen, es enthält weitere Infos über die Gültigkeit des Sitzes. Die Kindersitze mit den alten Normen ECE-R 44/01 und 44/02 dürfen seit April 2008 nicht mehr verwendet werden. Beginnt also die Prüfnummer auf dem Siegel mit "01" oder "02", ist dieser Sitz gesetzlich nicht mehr zugelassen.

Gebrauchte Kindersitze unbedingt auf Mängel untersuchen

Bei meinen Bummeln über den Flohmarkt habe ich schon viele Sitze entdeckt, an denen Polster oder andere wesentliche Zubehörteile wie Gurtpolster fehlen. Die gehören aber zu einem zugelassenen Kindersitz-Modell – fehlen sie, sind die Gebrauchtangebote eigentlich nicht mehr legal. Also nehmt die Sitze genau unter die Lupe: Überprüft, ob der Sitz vollständig ist, die Gurte und einzelnen Bauteile funktionieren, die Polsterungen keine Brüche aufweisen und die Bedienungsanleitung vorhanden ist.

Am sichersten fährt euer Kind natürlich immer in einem optimal passenden Sitz. Und das dürfte im Zweifel ein fabrikneuer sein, den ihr mit dem Kind im Geschäft ausprobiert habt. Unser Tipp: Finanziert euch den Neukauf im Zweifelsfall durch eine Ratenzahlung – immer mehr Shops bieten das an. Denn: Es soll doch nicht am Finanziellen scheitern, wenn ihr euer Kind bestmöglich abgesichert fahren lassen möchtet.

Die Checkliste für gebrauchte Sitze

Auf der sicheren Seite seid ihr, wenn ihr gebrauchte Kindersitze nur Freunden oder guten Bekannten abkauft, weil ihr so die tatsächliche Nutzung besser abfragen und einschätzen könnt. Achtet außerdem auf folgende Punkte:

  • Der Sitzkörper (Bezug zum Check abnehmen!) darf keine Risse, Verformungen oder Bruchstellen aufweisen (entstehen bei Unfällen).

  • Gurte dürfen keine Risse, deutliche Quetschspuren oder Ausfaserungen an den Rändern haben.

  • Bei sitzeigenen Hosenträgergurten müssen die Gurtpolster noch vorhanden sein.

  • Die Gurtversteller dürfen sich auch bei sehr starkem Einrucken nicht verändern.

  • Das Gurtschloss sowie die Verriegelungssysteme müssen funktionstüchtig einrasten und öffnen, dürfen keine Absplitterungen aufweisen.

  • Der Sitz sollte nicht von einer Rückrufaktion betroffen sein.

Außerdem ist auch bei gebrauchten Sitzen eine Einbauprobe mit Kind und eigenem Fahrzeug zu empfehlen. So kann der Sitz auf seine Funktionalität getestet werden und euer Kind vorab probesitzen. In der Anleitung des Sitzes wie auch im Handbuch des Fahrzeugs stehen, ob der Sitz zum Fahrzeug passt.

Auf diese Prüfplaketten vom ADAC sollten ihr achten:

Autor: Christian Personn

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