Wohin mit den Stinkebomben?

Windeln entsorgen: Biotonne oder Restmüll?

Windeln gehören in den Müll, das ist klar. Aber dürfen Öko-Windeln in die Bio-Tonne? Und wohin mit den Feuchttüchern? Ein paar Einblicke in die Entsorgung von Windelmüll ...

Wer ein Baby oder Kleinkind hat, weiß, wie schnell sich dreckige Windeln anhäufen. Geht man davon aus, dass ein Kind in den ersten drei Lebensjahren pro Tag durchschnittlich viermal gewickelt wird, macht das 1460 Windeln pro Jahr. Für Deutschland bedeutet das: Allein die 778090 Babys, die 2019 geboren wurden, haben zusammen rund 1,13 Milliarden Windeln verbraucht. Ein Wahnsinns-Müllberg! "Ein Baby produziert im Durchschnitt eine Tonne Windelmüll, bis es trocken wird", erklärt Dr. Katharina Marquardt, Leiterin der Wissenschaftskommunikation bei Procter & Gamble und Pampers. "Der Großteil, ca. 80 Prozent davon, sind die natürlichen Ausscheidungen des Kindes, ca. 20 Prozent entfallen auf das eigentliche Windelmaterial." Schätzungen zufolge bestehen bis zu zehn Prozent des Hausmülls in Deutschland aus Windeln.

In welche Tonne kommen Windeln?

Einwegwindeln bestehen zu einem großen Teil aus Plastik und einem Saugkörper aus Zellstoffmaterial, der häufig mit einem Superabsorber angereichert ist. Dieser Kunststoff ist in der Lage, ein Vielfaches seines Eigengewichts an Flüssigkeit aufzusaugen und in ein Gel umzuwandeln. Das Besondere: Bei Druck wird die Flüssigkeit nicht wieder abgegeben – das Baby hat also im besten Fall einen schön trockenen Po. Da Plastik und das angereicherte Zellstoffmaterial biologisch nicht abbaubar sind, gehören Wegwerfwindeln in die Restmülltonne. Auch wegen des Inhalts, denn menschliche Ausscheidungen dürfen in Deutschland nicht anders entsorgt werden. "Gebrauchte Windeln werden dann mit dem restlichen Müll aus der schwarzen Tonne verbrannt und die Energie daraus zum Heizen genutzt", erklärt Dr. Marquardt. "Auch Babyfeuchttücher gehören in den Restmüll. Sie sind nicht dafür ausgelegt, in der Toilette hinuntergespült zu werden, da es zu Verstopfungen kommen kann. Die meisten Feuchttücher sind nicht biologisch abbaubar und sollten demnach auch nicht achtlos in die Umwelt geworfen werden."

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Dürfen Öko-Windeln in den Biomüll?

Öko-Windeln klingen nachhaltig – es sind aber auch Wegwerfprodukte. Sie haben zwar häufig einen höheren Anteil an biologisch abbaubaren Bestandteilen oder wurden aus nachhaltig gewonnenen Ressourcen hergestellt. Da sie aber nicht vollständig "grün" sind, dürfen sie nicht in die Biotonne geworfen werden, sondern gehören ebenfalls in die Restmülltonne. Bei der Entsorgung bieten sie daher keinen Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Windeln. Dennoch ist ihre Öko-Bilanz durch den Einsatz recycelter Rohmaterialen besser. Eine einheitliche Definition für "Bio"-Windeln gibt es nicht. Dr. Marquardt: "Als Öko-Windel wird leider alles Mögliche bezeichnet und angeboten."

Windel-Recycling: ein Pilotprojekt in Italien

Seit Oktober 2017 werden im norditalienischen Treviso Babywindeln und andere Hygieneprodukte wiederaufbereitet. Aus einer Tonne Windeln können mit der von Pampers patentierten Technologie rund 150 Kilogramm Zellulose, 75 Kilogramm Kunststoff und 75 Kilogramm absorbierendes Polymer gewonnen werden. Es lassen sich nahezu 100 Prozent der eingesetzten Rohstoffe einer trockenen Windel zurückgewinnen. Aus den Stoffen des Recyclingprozesses können verschiedene Produkte hergestellt werden, wie z. B. Schulbänke oder Wäscheklammern. Die Anlage ist darauf ausgelegt, 10.000 Tonnen benutzte Windeln pro Jahr zu recyceln. Das entspricht in etwa dem Müllaufkommen an Hygieneprodukten, das im Schnitt pro einer Million Einwohner im Jahr anfällt. Bis 2023 plant Pampers den Bau weiterer Recyclinganlagen in fünf weiteren Städten.

Um gebrauchte Windeln zu beschaffen, läuft in Amsterdam seit Januar 2019 ein weiteres Projekt: Zwölf "Smart Bins" wurden in der Nähe von Kindertagesstätten und Drogeriemärkten aufgestellt. Eltern können sich über eine App registrieren und so ihren Windelmüll zum Recyceln abgeben. Seit Beginn wurden schon über 40 Tonnen Abfall gesammelt, was mehr als 200.000 Windeln entspricht.

Autorin: Jana Kalla

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