Von Vorbeugung bis Hautpflege und richtiger Kleidung

Sanfte Hilfe bei Neurodermitis

Eine gute Pflege, richtige Kleidung, feuchte Verbände: Eltern können eine Menge tun, um den lästigen Juckreiz ihres Kindes zu lindern. Das rät der Kinderarzt.

Bei Kindern mit Neurodermitis – auch atopisches Ekzem genannt – arbeitet das Immunsystem anders als normal. Die kleinen Patienten reagieren extrem empfindlich, ihre Abwehr schießt sozusagen über das Ziel hinaus. Bestimmte Auslöser, etwa Infekte, können dann schon für einen Schub sorgen. Da die Schutzfunktion der Haut gestört ist, trocknet sie leicht aus und wird empfindlich. Am schlimmsten ist der Juckreiz - vor allem nachts. Die Kleinen kratzen sich dann oft die Haut blutig.
 
Prof. Dr. Peter Hans Höger, Leiter der Abteilungen Pädiatrie und Pädiatrische Dermatologie am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg, setzt in der Behandlung von Neurodermitis-Kindern auf drei Säulen:
  1. Die Suche nach den Auslösern der Schübe.
  2. Eine gute Basistherapie durch individuell abgestimmte Hautpflege.
  3. Die Behandlung von Entzündungen.
 
Bei manchen Kindern begünstigt schwül-warmes Wetter einen Schub, bei anderen nass-kaltes. Jede Haut reagiert anders. Manchmal kommen auch Erkältungskrankheiten, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Blütenpollen – und bei älteren Kindern Stress – als Auslöser infrage. Wichtig ist, dass Eltern genau beobachten, wann ihr Kind einen Schub bekommt und was ihn ausgelöst haben könnte. Das hilft dem Kinderarzt, wenn er einen Behandlungsplan erstellt.

Der richtige Umgang mit Kortison

Bei der Pflege gilt: Haut, die stark juckt und nässt, braucht viel Wasser und wenig Fett. Trockene Haut benötigt hingegen viel Fett und wenig Wasser. Das genaue Wasser-Fett-Verhältnis kann nur der Kinder- oder der Hautarzt einschätzen. Auf dieser Grundlage stellt der Apotheker dann das Pflegemittel her, sagt Prof. Höger. Damit lassen sich Kortisonpräparate oft vermeiden. Es wäre aber ein Fehler, Kindern bei übermäßig starkem Juckreiz kein Kortison zu geben, sagt Prof. Höger. Wichtig: Kortisonpräparate sollten nur einmal täglich aufgetragen werden. Sie gehören nicht ins Gesicht. Und die tägliche Anwendung sollte auf zwei Wochen begrenzt werden. Anschließend ist es sinnvoll, noch ein bis zwei Wochen die Präparate jeden zweiten Abend aufzutragen.

Stillen ist die beste Vorbeugung

Auch wenn Neurodermitis sich vererbt, können Eltern einiges tun, um ihr Kind zu schützen. Die beste Vorbeugung: das Baby sechs Monate lang ausschließlich stillen oder ihm – falls du nicht stillen kannst oder möchtest - hypoallergene Flaschennahrung gibst. Die Neurodermitis kann dann zwar trotzdem ausbrechen, aber oft in schwächerer Form. Beikost sollte behutsam eingeführt werden – am besten nur ein neues Nahrungsmittel alle ein bis zwei Wochen. Schädlich ist vor allem, wenn Eltern rauchen. Der Tabakqualm erhöht das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, um ein Vielfaches.

Das hilf gegen den Juckreiz

Falls dein Kind schon Neurodermitis hat, kannst du seine Beschwerden lindern:

  • Nachts trägt dein Kind am besten leichte Schlafanzüge aus Seide oder Baumwolle. Sie verhindern starkes Schwitzen, das den Juckreiz fördert.
  • Für Babys und Kleinkinder gibt es Neurodermitis-Overalls, bei denen Handschuhe eingearbeitet sind. Sie sorgen dafür, dass ein Baby sich die Haut nicht aufkratzt.- Verwende am besten antiallergisches Bettzeug und milbendichte Bezüge für die Matratze. Die Kuscheltiere sollten regelmäßig gewaschen und in den Trockner gesteckt werden.
  • Bei der Kleidung ist es wichtig, dass die Reste von Waschmittel vollständig ausgespült werden. Auch ein Weichspüler ist ratsam.
  • Gegen den Juckreiz helfen feuchte Verbände. Sie kühlen und tragen zu schneller Linderung bei. So geht‘s: Nach dem Auftragen der Pflegecreme wird ein feuchter Verband angelegt. Darüber kommen dann ein trockener Verband und der Schlafanzug.
  • Den quälenden Juckreiz tagsüber lindern Eispacks aus dem Kühlschrank, die aber nicht direkt auf die Haut gelegt werden sollten. Alternativ kannst du auch durch Pflegecreme kühlen, die vorher ebenfalls im Kühlschrank gelegen hat.
  • Gut bewährt haben sich insbesondere bei nässenden Ekzemen kalte Umschläge mit schwarzem oder grünem Tee oder Stiefmütterchentee. Das geht so: Tränke ein Leinentuch mit dem Tee, drücke es leicht aus und lege es auf die Haut. Das Ganze wird mit einem Tuch abgedeckt.
  • Auch Ablenkung ist wichtig, wenn dein Kind sich ständig kratzen möchte. Vielleicht lassen sich die Juckgespenster mit Zaubersprüchen und mit einigen Beschwörungsformeln verscheuchen?

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