Ein Papa berichtet

Wickeln ist auch Männersache!

Von wegen schief gewickelt! Jeder zweite Vater wechselt mehrmals pro Tag die Windeln. Was für Außenstehende nach harter, (stinkiger) Arbeit klingt, birgt doch viel Potential für Papa-Kind-Momente. Ein Erfahrungsbericht vom Wickeltisch.

An meine erste Windel kann ich mich noch lebhaft erinnern. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Neben mir stand eine sichtlich amüsierte Krankenschwester. Mein Sohn war zu diesem Zeitpunkt erst ein paar Stunden alt. Sein kleiner Körper wirkt so zerbrechlich, viel zu winzig für meine großen Hände. Trotz gutem Zureden und hilfreichen Tipps brauchte ich wohl eine Viertelstunde für mein erstes Windelwechseln. Zum Glück stellte sich schon nach wenigen Tagen so etwas wie Routine ein.

Arbeitsteilung: Mama stillt, Papa wickelt

An den Wickelweltrekord von 26 Sekunden – aufgestellt bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf – komme ich bis heute nicht heran. Aber nach knapp drei Jahren sitzt jeder Handgriff, mein Sohn trägt nur noch nachts eine Windel. Grundstein für meine Routine war eine simple Arbeitsteilung in den ersten Lebensmonaten: Mama stillt, Papa wickelt. Das passte sehr gut, denn Säuglinge erledigen anfangs ihr Geschäft meistens kurz nach dem oder auch beim Stillen. Mindestens alle vier Stunden ist deshalb eine neue Windel fällig, so die Theorie. In der Praxis sind auch mal zehn Windeln pro Tag keine Seltenheit. Zum Glück nimmt die Befüllungsfrequenz schon nach ein paar Monaten ab.

Was erstmal nach viel Arbeit klingt, hat aber auch schöne Seiten. Immerhin ist das Wickeln für Babys und ihre Eltern weit mehr als nur notwendige Hygiene. Gerade in den ersten Wochen gehört das Windelwechseln zu den schönsten Momenten. Das Baby liegt nackt und frei unter der Wärmelampe, kann mit seinen Füßen und Händen spielen und den Worten oder einem Lied seiner Eltern lauschen. Es spürt die Streicheleinheiten und die elterliche Zuwendung und reagiert darauf mit großer Freude – es strampelt und brabbelt nur so vor sich hin. Unsere Hebamme sagt einmal ganz treffend: "Wickeln ist eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen!“

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Auch ein Baby hat mal schlechte Laune

Ein positiver Nebeneffekt: Frische Luft am Po tut der Haut gut und ist neben sorgsamer Hygiene und einer guten Po-Creme das beste Mittel gegen schmerzhafte Hautentzündungen wie die Windeldermatitis. Deshalb sollte man sich gerade anfangs viel Zeit zum Wickeln nehmen. Doch auch dann ist natürlich nicht jede Wickeleinheit ein Moment voller Harmonie. Bei uns wirkte eine Spieluhr und Vorsingen Wunder bei schlechter Baby-Laune. Auch ein bisschen Baby-Massage tut gut. Die Handgriffe dafür lernt Man(n) bei der Hebamme und in Babymassage-Kursen. Die gibt übrigens auch schon für Väter.

Sich früh beim Wickeln einzubringen, hatte für mich auch noch anderen Aspekt: Es half mir, meine Rolle als Vater zu finden. Das mag vielleicht komisch klingen. Aber ich konnte mich einbringen, meine Frau entlasten und hatte meinen Moment mit dem Kind. Außerdem ist das Wickeln am Anfang noch wirklich angenehm. Der strampelige Protest ist gering, und der Windelinhalt riecht noch erträglich. Richtig stinkig wird es erst beim Beikoststart und der ersten Fleischmahlzeit. Dann ändert sich übrigens auch die Häufigkeit. Zwischen drei bis zehn Windeln pro Tag sind möglich.

Eltern wickeln drei Wochen lang – am Stück

Doch auch hier kann ich nach drei Jahren Erfahrung beruhigen: Man wächst mit seinen Aufgaben. Schon bald kann einen nichts mehr schocken, und der Windelinhalt, seine Konsistenz und der Geruch werden selbstverständlicher Teil des täglichen Elterntalks. An solchen Stuhlgesprächen können sich übrigens immer mehr Väter beteiligen. Laut einer Umfrage von Windel-Hersteller Pampers wechselt jeder zweite Papa mehrmals pro Tag die Windeln. Für 83 Prozent gehört es, neben Spielen und ins Bett bringen, zu den regelmäßigen Aufgaben. Das ist auch gut so – immerhin müssen bis zum Trockenwerden rund 6.000 Windeln gewechselt werden. Braucht man dafür im Durchschnitt fünf Minuten, verbringen wir so in den ersten Lebensjahren unserer Kinder gut drei Wochen am Wickeltisch. Eine Arbeit, die getrost auf vier Schultern verteilt werden sollte.

Wer Meister werden will, muss machen

Eine Wickelanleitung erspare ich mir an dieser Stelle. Am besten lernt man die Handgriffe und die nötige Pflege von der Hebamme und den Schwestern im Krankenhaus. Die Übungen mit einer Puppe im Geburtsvorbereitungskurs sind nur bedingt hilfreich. Sie mag schwer wie ein Baby sein, sie strampelt aber genauso wenig wie sie einem in hohen Bogen anpinkelt.

Ausprobieren gilt übrigens auch für die Suche nach der richtigen Marke für Windeln, Po-Creme oder Feuchttücher. Hier sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen und nicht zu schnell auf andere Eltern oder Mama- oder Papablogs hören. Wir haben uns vor der Geburt drei Windelpakete von drei unterschiedlichen Marken gekauft und einfach mal ausprobiert. Unserer Lieblingsmarke sind wir bis heute treu geblieben – genau wie den Feuchttüchern und der Windelcreme.

Einen weiteren, sehr wertvollen Tipp bekamen wir von einem der Handwerker, die die Möbel für Kinderzimmer aufbauten. "Habt alles, was man zum Wickeln braucht, griffbereit – Feuchttücher, Windeln, Wechselsachen für Pipi-Unfälle, Popo-Creme. Auch Babys können sich schnell drehen und vom Wickeltisch fallen." Tatsächlich ist das einer der häufigsten Unfälle im Säuglingsalter. Und was soll ich sagen: Rat befolgt, mein Kind fiel bis heute nicht einmal vom Wickeltisch. Auch Väter brauchen kleine Triumphe.

Autor: Birk Grüling

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