Dein Leben-und-erziehen.de-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Baby-led Weaning

Fingerfood statt Babybrei

Beim Baby-led Weaning wählen Babys selbst, was sie sich in den Mund stecken. Statt Brei gibt es von Anfang an Fingerfood für die Kleinen.

Baby Charlotte greift mit ihren Patschhändchen nach einem Stück gekochter Karotte und schiebt es sich zielsicher in den Mund. Emsig schmatzend kaut das zehn Monate alte Mädchen darauf herum – und hat sichtlich Spaß dabei. „Seitdem sich Charlotte selbst bedient, ist das Essen kein Problem mehr“, sagt Mutter Katharina Friebe. „Als ich sie vorher mit dem Löffel gefüttert habe, war das jedes Mal ein Drama. Charlotte hat den Kopf weggedreht und wenn dann doch mal Brei in ihrem Mund gelandet ist, hat sie ihn wieder ausgespuckt.“

Dabei ist die 34-Jährige zufällig auf das „Baby-led Weaning“ gestoßen – das heißt: eigentlich war es Töchterchen Charlotte. „Wir saßen gemeinsam beim Mittagessen, als Charlotte nach den Spaghetti auf meinem Teller griff. Ich hielt sie ihr hin, sie nahm sich ein paar Nudeln und steckte sie sich zu meiner Verblüffung in den Mund.“ Seither entscheidet Charlotte ganz allein, was sie isst.

Das Baby bestimmt, was es isst

Genau nach diesem Grundsatz funktioniert Baby-led Weaning (kurz BLW), was übersetzt so viel heißt wie „vom Baby gesteuerte Umgewöhnung auf feste Nahrung“. Eigentlich ist BLW kein neuer Trend. Viele Eltern praktizieren es, aber es gab lange Zeit keinen Begriff dafür. Die Vorteile gegenüber herkömmlicher Beikost: Es gibt keinen  komplizierten Zeitplan, wann welcher Brei auf den Tisch kommt und keine Machtkämpfe mit dem Löffel. Zudem stärkt BLW die Eigenständigkeit und das Selbstvertrauen des Kindes, weil es seinen Empfindungen folgen kann.

Anfangs geht’s dem Nachwuchs allerdings weniger um Nahrungsaufnahme, als darum, die Lebensmittel zu erforschen. Erst ab etwa dem achten Lebensmonat erkennt das Kind, dass Nahrung auch satt macht. Damit es sich seiner ersten „Essens-Expedition“ ausgiebig widmen kann, sollte es nicht hungrig sein. Babys sollten vier bis sechs Monate ausschließlich gestillt werden bzw. Milchersatz bekommen. Danach, und wenn das Kleine nach Dingen greift und sie sich in den Mund steckt, kauende Bewegungen macht und allein beziehungsweise leicht gestützt sitzen kann, können Mama und Papa die erste feste Kost in Form von Fingerfood servieren. Dazu bekommt das Baby weiterhin Muttermilch beziehungsweise Milchnahrung, wann immer es mag. Die ist gerade am Anfang des Baby-led Weanings auch noch sehr wichtig, damit kein Nährstoffmangel entsteht. Schließlich essen die Kinder zu Beginn nur sehr wenig.  

Von der Hand in den Mund – so geht’s

Essen ist Genuss – das sollten Eltern ihrem Kind von Anfang an durch gemeinsame Familienmahlzeiten mit auf den Weg geben. Damit der Nachwuchs eine möglichst breite Palette an Geschmacksrichtungen und Konsistenzen kennenlernt, sollten Mama und Papa ihm abwechslungsreiche Kost anbieten und die Nahrung so portionieren, dass es das Baby gut greifen kann. Für den Anfang sind Brokkoli, Karotten und Kartoffeln gut geeignet. Einfach kurz kochen, abkühlen lassen und dem Baby anbieten. Sticks aus geschnittenem Hartkäse (zum Beispiel Emmentaler oder Cheddar), Frikadellen, Reiswaffeln mit Dips (beispielsweise Hummus und Joghurt), Nudeln und Früchte bringen Abwechslung in die breifreie Beikost.  Im Grunde kann der Nachwuchs das Gleiche essen wie die anderen Familienmitglieder, sofern die Speisen kein Salz enthalten und zuckerfrei sind (Fruchtzucker ist natürlich eine Ausnahme). Nüsse, Fisch mit Gräten, Fast Food und industriell hergestellte Nahrungsmittel sind ebenfalls tabu. Zu Beginn sollte man auch auf kleine Lebensmittel wie Mais oder Erbsen verzichten. Den Pinzettengriff lernt dein Baby erst später. Zu Beginn kann es nur mit der Faust greifen.

Wenn Babys Händchen sauber sind und das Kleine sicher, das heißt senkrecht auf dem Schoß von Mama oder Papa oder im Hochstuhl, sitzt, geht‘s ans Servieren: Am besten auf dem Tablett des Hochstuhls oder direkt auf dem Tisch, sodass das Baby eigenständig an die Snacks rankommt. Ein Nachteil, über den sich viele Eltern beim Baby-led Weaning beklagen: Dreck! Wenn Babys nicht gefüttert werden, sondern selber alles probieren dürfen, bleiben Kleckerattacken natürlich aus!

Manche Kinder sind direkt mit Feuereifer dabei, verlieren dann das Interesse; andere brauchen lange, bis sie überhaupt etwas anrühren – jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Eltern sollten ihm die Zeit geben, die es braucht. Irgendwann werden sie feststellen, dass ihr Baby wie die kleine Charlotte beim Essen zunehmend geschickter wird und Karotte und Co. dort landen, wo sie hingehören: im Bauch.

Einfache Baby-led Weaning Rezepte

Wenn sich das Baby nach und nach an feste Nahrung gewöhnt hat, kannst du dazu übergehen, ihm auch anspruchsvolleres Essen aus mehreren Zutaten anzubieten. Dafür musst du nicht stundenlang kochen, es gibt auch ganz einfache Rezepte. Im Video findest du viele tolle Vorschläge. Wie wäre es zum zum Beispiel mit einer Frühstücks-Pizza, Hirse-Bällchen oder Bananen-Keksen? 

Buch-Tipp zum Baby-led Weaning

 

Gill Rapley / Tracey Murkett: „Baby-led Weaning. Das Grundlagenbuch. Der stressfreie Beikostweg", Kösel 2013, 19,99 Euro.

Profilbild

Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

Teile diesen Artikel: