Babyspeck

Dickes Baby: Süße Speckröllchen oder gefährliches Übergewicht?

Müssen sich Eltern Sorgen machen, wenn die Speckröllchen ihres Babys überhandnehmen? Oder dürfen sie sich an ihrem Wonneproppen freuen? Können Babys überhaupt zu dick sein?

Ist mein Baby zu dick?

Was für niedliche Pausbäckchen. Zu goldig, die Knubbel-Knie. Und erst die süßen Speckbeinchen. Kein Mensch käme auf die Idee, bei so einem Wonneproppen an Übergewicht zu denken. Oder doch? Wenn der Wonneproppen aussieht wie ein Sumoringer? Etwa auf Diät setzen? 

Entwarnung: Speckröllchen bei Babys sind ganz normal, von der Natur vorgesehen und machen Sinn: Isoliert das Fettgewebe doch den Körper vor Kälte, schützt die Knochen und liefert Energie. Außerdem wachsen Babys rasant. Nach vier bis fünf Monaten haben sie ihr Geburtsgewicht verdoppelt, mit 18 Monaten sind sie etwa dreimal so schwer. Da kann sich schon mal die eine oder andere Speckrolle abzeichnen. 

Dickes Baby = dickes Kind?

Eltern können beruhigt sein: Der Kinderarzt hat ein Auge aufs Gewicht. Bei den U-Untersuchungen wird gewogen und gemessen und das Gewicht in die Tabellen im Untersuchungsheft eingetragen. Das sind die sogenannten Perzentilenkurven. Besonders speckige Babys liegen in den Kurven ganz oben. Ob sich der Babyspeck von allein wieder verwächst, kann man leider pauschal nicht beantworten. Ein Faktor sind wie immer die Gene. Sind Mama oder Papa übergewichtig, wird es der Nachwuchs mit einer größeren Wahrscheinlichkeit auch. Aber umgekehrt kann auch ein Kind mit normalgewichtigen Eltern später moppelig werden, wenn es falsch isst und sich wenig bewegt. Denn die ersten Lebensjahre sind ein wichtiges Zeitfenster. Wie sich ein kleiner Mensch jetzt ernährt, hat großen Einfluss auf sein späteres Leben. Ob er einen gesunden Lebensstil entwickelt, dünn oder dick ist. 

Richtwerte zur Gewichtszunahme

In den ersten Tagen nach der Geburt verlieren Stillkinder meist etwas an Gewicht. Die Abnahme sollte jedoch nicht mehr als sieben Prozent des Geburtsgewichts betragen. Dies kontrollieren dann aber Kinderarzt oder betreuende Hebamme. 

Nach einiger Zeit schießt die Milch ein, und das Baby sollte wieder an Gewicht zunehmen. Rund 14 Tage nach der Geburt muss es sein Geburtsgewicht wieder annähernd erreicht haben. In den ersten zwei Monaten nimmt es dann im Schnitt zwischen 170 und 330 Gramm pro Woche zu, im dritten bis vierten Monat zwischen 110 und 330 Gramm, im fünften und sechsten Monat 70 bis 140 Gramm und dann bis zum zwölften Monat rund 40 bis 110 Gramm pro Woche. So hat es in den meisten Fällen bis zu seinem ersten Geburtstag das Geburtsgewicht verdreifacht. 

Merken weder Kinderarzt noch Hebamme etwas zum Gewicht des Kindes an und ist dieses gesund, wächst, entwickelt sich altersgemäß, bewegt sich gerne und hat Appetit, dann könnt ihr euch relativ sicher sein, dass es genug Milch bekommt und das Gewicht in Ordnung ist. 

Babyspeck

Babys brauchen ihren Babyspeck – er isoliert den Körper, schützt die Knochen und liefert wichtige Energie. Doch Speck ist nicht gleich Speck. Es gibt zwei Formen des Fettgewebes – braunes und weißes. Das braune entwickeln Babys schon im Bauch. Dies ist der Babyspeck, der fast komplett schmilzt, sobald sie sich mehr bewegen. Das weiße Fettgewebe hingegen ist das, das auch wir Erwachsene haben. Hier werden die Fettzellen größer und kleiner, aber schmelzen erst nach einer langen Hungerzeit oder durch ausdauernden Sport. In der Stillzeit wird vor allem das braune Fettgewebe gefüttert. Bei Flaschennahrung (vor allem Milchpulver mit Stärke und Glukose) wird auch das weiße Fettgewebe gefüttert, was bei falscher Anwendung Übergewicht mitverursachen kann.

Übergewicht durch Stillen?

Kann ein gestillter Säugling zu dick sein? Die Hamburger Hebamme und ­Mutter Miriam Wolff sieht diese Sorge in den meisten Fällen als ­unbegründet. Ein Kind, das nach der Empfehlung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) die ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt wird, hat meist Normalgewicht. "Babys können nicht zu viel gestillt werden. Die ­Muttermilch passt sich immer genau den Bedürfnissen des Säuglings an. Ein Baby kann sich an der Brust daher nicht ­überfressen." Und: Langes Stillen senkt das Risiko für Übergewicht im Erwachsenenalter, das haben viele Studien bewiesen.  

Stillkinder können also nicht überfüttert werden. Aber was ist mit Babys, die nicht gestillt werden? Bei Fläschchenmilch wird es schon schwerer, es nicht zu gut zu meinen und zu viel füttern. Eltern sollten dann verstärkt auf die Signale ihres Babys achten. "Das Fläschchen gibt es genau wie die Brust nach Bedarf", sagt Kristina Köhler vom Kompetenzzentrum für Ernährung in Kulmbach. "Also nicht nach Stundenplan, sondern nur dann, wenn das Kind Hunger hat."

Breizeit: Welche Mengen sind richtig?

Auch bei den ersten Babybreien füttern Eltern gerne eine Extraportion. Spätestens dann, wenn der Nachbarssohn begeistert ein Gläschen nach dem anderen leer schaufelt, der eigene Nachwuchs nach drei Löffeln aber schon genug hat. Welche Mengen gleichaltrige Kinder essen, ist allerdings ganz unterschiedlich. Die Portionsangaben in den Rezepten oder auf den Gläschen sind nur Richtwerte. Eltern sollten sich dadurch nicht verunsichern lassen. "Ist das Baby aktiv und zufrieden, können Eltern sicher sein, dass ihr Kind genug Nahrung bekommt", sagt Ernährungswissenschaftlerin Köhler. Auch schlanke Kleinkinder sind gesund. Vielleicht waren Mama oder Papa ebenfalls zart als Kind und haben die Veranlagung weitergegeben. Wenn Kinder aber stark abnehmen, muss der Kinderarzt um Rat gefragt werden.

Auch in der Beikostzeit sollten Eltern auf die Selbstregulationskraft ihres Babys vertrauen. "Die Kinder nie zum Essen drängen oder mit Tricks animieren", sagt Kristina Köhler. "Sonst verlieren sie ihr natürliches Gefühl für Hunger und Sättigung." Wenn sich Kinder das Gespür für echten Hunger bewahren, reagieren sie später auf Langeweile oder Stress nicht mit Appetit auf Schokolade. Gut also, wenn Eltern die Signale der Kinder richtig deuten: Wenn Baby den Kopf wegdreht oder die Lippen zusammenpresst, heißt das: "Ich hab genug."

Viel Abwechslung, wenig Zucker

In der Breizeit lernt ein Baby neue Lebensmittel kennen – und mag sie oder auch nicht. Es gewöhnt sich an feste Mahlzeiten und entdeckt, wie viel Spaß das Essen am Familientisch macht. Traditionell geht es mit Möhrenbrei los, es spricht aber nichts dagegen, mit Pastinaken, Fenchel oder Zucchini zu starten. Die schmecken ebenso mild – und machen weniger Flecken. Und wenn das Kind lieber an Brotrinden und Bananenstückchen lutscht, statt Obstpüree zu löffeln, ist das kein Drama. Entscheidender ist: "Wer den Brei selber kocht, sollte ihn nicht zuckern oder salzen", rät Kristina Köhler. Auch Gekauftes wie Babytees, Fertig-Getreidebrei oder Milchbreie aus dem Gläschen sollten nicht zu süß oder aromatisiert sein. "Kinder gewöhnen sich schnell an den intensiven Geschmack, ihnen das wieder abzugewöhnen ist schwierig", erklärt die Expertin. 

Der Babyspeck schmilzt

Mit Einführung der Beikost verlieren Kinder etwas Gewicht, denn so üppig sind die Breimahlzeiten anfangs noch nicht. Dazu kommt, dass die Kleinen immer beweglicher werden: Robben und Krabbeln kosten Energie. Ab dem ersten Geburtstag, wenn die Kinder anfangen zu laufen, verschwindet der Babyspeck allmählich bis spätestens zum dritten Geburtstag. Und wenn er es nicht tut? Wenn Dreijährige immer noch wie kleine Michelin-Männchen aussehen? Dann ist die Gefahr leider groß, dass sie als Erwachsene immer noch übergewichtig sind. Das hat eine groß angelegte Studie der Uni Leipzig ergeben, in der Daten von über 50.000 Kindern ausgewertet wurden. 

Aber Eltern können einiges dafür tun, dass es nicht so weit kommt. Denn sie legen das Fundament für das Essverhalten ihrer Kinder. Besonders gut klappt das in den ersten zwei, drei Lebensjahren. Denn dann werden die Geschmacksvorlieben geprägt, ob jemand Obst oder Süßigkeiten mag. Wer sich jetzt gesund ernährt, wird das später beibehalten. Gut, wenn Mütter und Väter Vorbild sind – und vielleicht nicht ganz so optimale Essgewohnheiten ändern. Denn was die Großen essen, wollen die Kleinen – allein schon aus Neugier – auch probieren. Gibt’s bei den Großen zum Beispiel oft Nachtisch oder Süßes, wird Baby das ebenfalls essen wollen. Und umgekehrt: Sind die Mahlzeiten der Eltern vitaminreich und ausgewogen, schauen sich das auch die Kinder ab. Und das ist gut so, denn noch eine Regel sollten Eltern beachten: so oft wie möglich am Familientisch zusammen zu essen. Denn gemeinsam schmeckt’s am besten.

Übergewicht vorbeugen: 7 Ernährungsregeln für Kleinkinder

  1. Hunger?: Baby weint oder ist unruhig. Nicht immer sofort füttern, es kann auch einfach nur aus Langeweile oder Müdigkeit quengeln. Oder eine volle Windel haben. 
  2. Ablenkung unerwünscht: Spielzeug, Handy oder der TV im Hintergrund stören beim Essen. 
  3. Rhythmus ist besser: Ab dem Breialter langsam an regelmäßige Mahlzeiten herantasten.
  4. Ohne Snacks geht’s auch: Hier ein Kinderkeks, da eine Dinkelstange. Lieber nicht! Wer ständig isst, weiß gar nicht mehr, was echter Hunger ist. 
  5. Wasser oder Tee gegen den Durst: Keine zuckerhaltigen Getränke, pure Fruchtsäfte oder Milch zu trinken geben.
  6. Reine Gewohnheitssache: Essen gibt’s am Esstisch. Nicht auf dem Spielplatz, im Buggy, im Auto oder vor dem Fernseher. 
  7. Essen nicht als Lockmittel: Wenn der Nachwuchs die Möhrensticks aufisst, gibt’s hinterher noch Pudding. Essen nie als Belohnung einsetzten, erst recht nicht, um vorher etwas Gesundes zu essen. 

Autorin: Angela Murr und Stephanie Kruse 

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