1. April 2018

Bewährungsprobe für die Partnerschaft

So meistern Paare die ersten Wochen mit Baby

Bewährungsprobe für die Partnerschaft
© BananaStock

Durch das Baby verändert sich die Beziehung. Bis aus dem Paar mit Kind eine harmonische kleine Familie wird, kann es eine Weile dauern. So meistern Paare die ersten Wochen mit Baby.

Nach der Geburt steht Ihr Leben plötzlich auf dem Kopf. Sie sind vielleicht erstaunt, wie viel Zeit und Energie die Versorgung Ihres Kindes verlangt. Über die ersten Woche mit Baby erfahren junge Eltern vor der Geburt wenig, weiß die Diplom-Psychologin Barbara Reichle von der Universität Trier.

Manches geht verloren

Es gibt Einschnitte in vielen Bereichen – auch finanziell, betont die Expertin. In den meisten Fällen geben die Mütter zumindest vorübergehend ihre Berufstätigkeit auf. Damit stellen sie Bedürfnisse zurück, die damit verbunden waren, etwa finanzielle Unabhängigkeit vom Partner, Anerkennung für berufliche Leistungen und Erfolge, Kontakt zu Arbeitskollegen.

Es gibt eine ganze Reihe typischer Umstellungen, die junge Eltern erst einmal bewältigen müssen: Sie können sich nicht mehr spontan verabreden. Ob Theater oder Essengehen, ohne genaue Planung läuft nichts. Und wenn dann der Babysitter ausfällt oder das Kind krank wird, müssen sie die Verabredung auch noch kurzfristig absagen.

Verständnis für andere Sichtweisen

Die Interessen von Eltern und kinderlosen Freunden gehen weit auseinander. Das isoliert Paare mit kleinen Kindern leicht. Tipp: Freundschaften funktionieren dann gut, wenn beide Seiten an sich arbeiten. Wenn die einen Verständnis für die Freunde mit Kind aufbringen, sollten diese andererseits nicht pausenlos über ihr Baby reden.

Rücksicht aufeinander nehmen

Die Partnerschaft kommt in den ersten Monaten mit dem Baby oft zu kurz. An gemeinsame Unternehmungen ist vorerst kaum zu denken. Da genügt oft ein falsches Wort und jeder fühlt sich unverstanden. „Das Baby bekommt alle Zärtlichkeit der Welt und ich bleibe auf der Strecke“, beklagen sich junge Väter häufig. Viele Mutter dagegen fühlen sich von der Außenwelt abgeschnitten, beneiden ihren Mann um seine Freiheit. Paare müssen über solche Probleme miteinander reden. Und beide dabei nicht nur die eigene Belastung sehen.

Die Entwicklungspsychologin Dr. Gabriele Gloger-Tippelt vom Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Düsseldorf weiß, dass viel davon abhängt, wie vertraut zwei Menschen sind: Je länger und intensiver Paare sich kennen, desto mehr Erfahrung haben sie darin, Konflikte zu bewältigen. Sie haben Fragen der Arbeitsteilung in Beruf und Haushalt geklärt und sich bereits vor der Geburt ihres Kindes mit ihrer weiteren Lebensplanung auseinandergesetzt. Trotzdem bleibt viel seelische Feinarbeit. Vielleicht fühlen Sie sich als Mutter in eine Situation gedrängt, in die Sie sich sonst nie begeben hätten. Viele Frauen belastet die Abhängigkeit vom Partner. Und so sehr sie ihr Baby lieben, sie vermissen anregende Kontakte mit Erwachsenen. Männer widerum fühlen sich mitunter in der Rolle des Ernährers unsicher und fürchten, der Verantwortung für die Familie nicht gewachsen zu sein. In dieser Situation braucht jeder Partner die Rücksicht des anderen.

Es ist Sprechzeit

Erwarten Sie nicht, dass Ihr Partner Ihnen alle Gedanken und Gefühle von den Augen abliest. Gerade glückliche Paare zeichnen sich dadurch aus, dass sie einander häufig ihre Gedanken und Empfindungen mitteilen. Das ist besonders in Umbruchsituationen wichtig: Je mehr man sich austauscht, desto besser kann man sich aufeinander abstimmen und Enttäuschungen vermeiden, sagt Barbara Reichle. Lassen Sie Ihren Partner wissen, was in Ihnen vorgeht und worüber Sie sich Gedanken machen. Planen Sie regelmäßige feste Zeiten für Gespräche ein. Auch beim Spazierengehen mit dem Baby können junge Eltern zum Beispiel wunderbar reden.

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