14. März 2019

Spielen, toben, alleine unterwegs sein

Kinder dürfen laut sein!

Beim Spielen und Toben
© Mark Bowden/iStockphoto.com

Spielplätze sind zum Spielen da! Und wo Kinder toben, geht es auch mal etwas lauter zu. Kein Problem, sagen deutsche Gerichte.

Endlich können die Kinder wieder draußen spielen, sich nach Herzenslust austoben und das schöne Wetter genießen. Da macht es auch nichts, wenn das Versteckspiel mal etwas lauter wird. Denn: Deutsche Richter zeigen für spielende Kinder häufig mehr Verständnis als mancher Nachbar. In ihren Augen gehören Toben und Springen nämlich zu den elementarsten Bedürfnissen eines Kindes. „Die dabei entstehenden Geräusche sind allen anderen Menschen zuzumuten“, so das Oberverwaltungsgericht Münster (Az. 11 A 1288/95).

Spielen ist nicht nur auf dem Spielplatz erlaubt!

Und wo sollen Kinder spielen, wenn es keinen Spielplatz in der Nähe gibt? Dann dürfen sie auf Hinter- und Garagenhöfe ausweichen, entschieden die Landesrichter in München (Az. 1 T 14 129/88) und in Berlin (Az. 61 S 288/1985).
Das Landgericht Wuppertal befand sogar, dass Kinder selbst dann im Garagenhof spielen dürfen, wenn der Vermieter es untersagt hat (Az. 16 S 25/08).

Kindern kann man übrigens auch nicht verbieten, Ball zu spielen. Landet der dabei im Garten des Nachbarn, dürfen die Kinder ihn dort holen, so ein Urteil des Münchner Landgerichts II (Az. 5 O 5454/03).

Mehr Jubel auf dem Sportplatz

Auf Fußballplätzen und Sportanlagen darf es auch abends und an Sonn- und Feiertagen (nachmittags) wieder lauter werden. Dann also, wenn Training ist oder Spiele und Wettkämpfe stattfinden. Diese Regelung wurde vergangenes Jahr vom Bundesrat genehmigt. Damit will die Politk erreichen, dass Kinder und Erwachsene Sport weiterhin in Wohngebieten ausüben können und Veranstaltungen nicht wegen zu hoher Lärm-Grenzwerte abgesagt werden müssen.

Alleine zum Spielplatz?

„Kann mein Fünfjähriger alleine zum Spielplatz gegenüber oder muss ich immer dabei sein?“, wollte eine Mutter wissen.
Dipl.-Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs von der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE) antwortet:
„Nein, Sie müssen nicht immer dabei sein. Ich finde es sogar wichtig für die Entwicklung Ihres Sohnes, dass Sie ihm die Chance geben, allein etwas zu unternehmen. Versuchen Sie es ruhig, zum Ausprobieren ist es ideal, wenn der Spielplatz nahe liegt und Sie nach etwa einer halben Stunde nachkommen. Bestimmt ist Ihr Sohn stolz, wenn er allein vorgehen darf.
Ein Fünfjähriger kann meiner Meinung nach auch ohne Begleitung zu einem Freund gehen, wenn der in der Nähe wohnt. Unser Ziel als Eltern ist es ja, dass die Kinder selbstständig werden. Dafür brauchen sie Freiräume und dürfen nicht immer in Watte gepackt werden.“

Und was sagt das Gesetz?

Gesetzlich ist nicht geregelt, ab welchem Alter Kinder alleine unterwegs sein dürfen. Wenn Eltern das ihrem Kind zutrauen und es für reif genug halten, verletzten sie ihre Aufsichtspflicht nicht.

Ein Kommentar

  1. Gudrun Kaufmann sagt:

    Das klingt alles sehr gut und kinderfreundlich. Aber ich finde, dass nicht nur Kinder Rechte haben sollen. Ich habe früher in einer Wohnanlage gewohnt, hinter der zwischen Bäumen viel Platz zum Spielen war. An Sommerabenden würde dort oft Bus gegen 21Uhr unter lautem Gebrüll Fußball gespielt, was meinen Vater, der einen sehr anstrengenden Job hatte, schier verzweifeln ließ , weil er sich auf das abendliche Ausspannen auf dem Balkon den ganzen Tag gefreut hatte. Es ist für Kinder, die den ganzen Nachmittag draußen getobt haben, durchaus zumutbar, gegen Abend etwas ruhiger zu spielen . Nun wohne ich in einer Reihenhaussiedlung und habe meine Kinder, die viel Zeit mit Freunden in unserem Garten verbrachten, immer dazu angehalten , ein bisschen leiser zu sein , wenn ich sah, dass auf den benachbarten Terrassen zu Abend gegessen oder ausgeruht wurde. Die Kinder haben das verstandenund sind nun rücksichtsvolle junge Erwachsene und Eltern, die in Mietwohnungen leben und mit ihren Nachbarn gut auskommen,

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