Erkenntnisse

"Ich habe mein Baby-Tagebuch nicht weiter geschrieben und bereue es nicht (mehr)!"

Voller Euphorie hat unsere Autorin in der Schwangerschaft angefangen, in ihr Baby-Tagebuch zu schreiben. Hier ein paar Zeilen, dort ein paar Zeilen. Doch kurz nach der Geburt war Schluss. Ein schlechtes Gewissen hat sie nun allerdings nicht mehr.

Eine schwangere Frau schreibt in ihr Baby-Tagebuch und zeigt ihr Ultraschallbild.© iStock/anilakkus
Das Schreiben eines Baby-Tagebuches hält Erinnerungen fest – doch man muss eben am Ball bleiben.

Ich hatte es mir fest vorgenommen: Immer wenn etwas Wichtiges passierte, wollte ich es in meinem Baby-Tagebuch festhalten. Mit Babybauch setzte ich mich das erste Mal hin und schrieb hingebungsvoll ein paar liebevolle Zeilen hinein. Sogar mit Ultraschallbildern. Die Motivation war groß. Auch nach der Geburt hatte ich noch Feuer im Po. Meilensteine (große oder kleine) gab es ja viele. Aber: Ich merkte schnell, dass die Zeit für so etwas als frischgebackene Mama eher rar ist. Kuscheln, Füttern oder Spazierengehen regierten mein neues Leben. Und in den wenigen freien Minuten, nun, da hing ich an der Milchmaschine und pumpte ab. Einmal zückte ich währenddessen den Stift, doch alles woran ich denken konnte, waren Kühe, Euter und Melkmaschinen …

Baby-Tagebuch schreiben: Eine romantische Vorstellung

Es hat schon etwas Romantisches an sich, das Festhalten aller kleinen und großen Meilensteine. In Schriftform. Eigentlich bin ich auch der Typ dafür. Schon als Teenie stand ich drauf, jeden Tag in mein persönliches Tagebuch zu schreiben. Über den neusten Schul-Tratsch oder meine Liebeleien. Und als ich dann schwanger war, malte ich mir aus, dass ich meinem Sohn eines Tages ein prall gefülltes Tagebuch überreichen würde. Dann könnte er alles ganz genau nachlesen – und ich könnte ihn sogar an meinen Gedanken teilhaben lassen. Schöne Vorstellung. Aber: Pustekuchen.

Zwischen Schummeleien und Schlussstrich

Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich mir eine laaaange Liste schrieb. Mit allen verpassten Meilensteinen, die ich nachtragen wollte. Das war ungefähr, als Mini ein Jahr alt war. Der erste Zahn, der erste Brei, und, und, und. Ich suchte sogar ein paar Bilder raus, die ich dazukleben wollte. Doch zum Ausdrucken bin ich nie gekommen. In der Drogerie habe ich im Windelwahn immer wieder den Gang zum Automaten verschwitzt. Irgendwann vergaß ich die Liste. Oder verdrängte sie eher. Schade drum, aber war halt so.

Von Scham war plötzlich keine Spur mehr

Akzeptanz ist eine Kunst. Und ein Prozess. Es hat etwas gedauert, bis ich mit dem verpassten Tagebuch-Schreiben im Reinen war. Ja, bis ich akzeptieren konnte, dass ich eben nicht eine dieser Super-Moms bin, die neben dem herausfordernden Alltag mit Baby noch daran denkt, lange Texte ins Tagebuch zu schreiben. Und dazu sogar auch noch Bilder einklebt. Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn mein Sohn ein ruhiges, dauerschlafendes Baby gewesen wäre, das nicht phasenweise tagtäglich Stunden durchgeschrien hat. Ich nahm es so an. Manchmal läuft es eben anders, als man es sich vorstellt. Gerade mit Kind. 

Meilensteinkarten und Fotobücher als Ersatz

Ich fand Alternativen und switchte vom Wort zum Bild. Ich schoss super viele Fotos von Mini, das hatten wir eh schon immer gern getan. Seit der Geburt. Mein Mann mit seiner Spiegelreflexkamera und ich mit meinem Smartphone. Ich besorgte auch diese niedlichen Meilensteinkarten und hier fiel es mir viel einfacher, zwischendurch mal ein paar Momente festzuhalten. Ja, okay, auch hier habe ich ein bisschen geschummelt. Ich drückte Mini zum Beispiel die "Ich habe meinen ersten Zahn"-Karte in die Hand, als er schon vier hatte. Oder die "Mein erster Frühling"-Karte als schon Sommer war. Aber das ist doch nicht so schlimm. Ich wette, es geht da draußen beinahe allen Mamas so, oder? Alles in allem fanden wir aber unsere Strategie. Aus den vielen Bildern lassen wir uns seither regelmäßig Bücher drucken. Die sind richtig dick. Und erzählen auch Geschichten. Vielleicht sogar präziser als so manche Zeile es hinbekommen hätte.

Weitere Ideen für Tagebuch-Muffel

Wer nicht so auf Tagebucheinträge steht und es im Trubel des Baby-Alltags auch einfach nicht auf die Reihe bekommt, der kann sich auch zum Beispiel an diesen Ideen versuchen: 

  1. E-Mail-Account einrichten: Schreibt eurem Baby/Kind regelmäßig kleine Nachrichten an seine eigene Mail-Adresse. Wenn es alt genug ist, bekommt es dann die Zugangsdaten.
  2. One Line A Day: Eine Zeile pro Tag? Das klingt doch schon viel machbarer, was? Mit diesem schönen Erinnerungs-Tagebuch bringt es auch gleich viel mehr Spaß.
  3. Kind mit einspannen: Setzt euch zum Beispiel immer am Geburtstag zusammen mit eurem Mini hin und lasst das letzte Jahr Revue passieren. Eine schöne Tradition, die selbst auch Erinnerungswert hat.
  4. Fotobücher und Meilensteinkarten: Holt euch ein schönes Fotobuch zum Selbstgestalten (wie in guten alten Zeiten) und klebt zusammen die schönsten Baby- und Kinderfotos ein.
  5. Erinnerungsboxen: Manchmal sind es auch eher die Gegenstände, die einen in Erinnerungen schwelgen lassen. Hebt hier und da kleine Dinge auf (zum Beispiel die ersten Socken oder Schühchen) und packt sie in eine schöne Erinnerungsbox. Zum Beispiel eine Holzkiste oder eine Box mit vorgefertigten Beuteln und Umschlägen für zum Beispiel die erste (gelassene) Haarsträhne. 
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