Spannende Einblicke

Ab wann können Babys sehen und Farben erkennen?

Der Himmel ist blau, die Sonne ist gelb, Pflanzen sind grün – und das Leben ist bunt! Mit Kindern umso mehr. Wann die Kleinen welche Farben bevorzugen und wieso das so ist, lest ihr hier.

Was sehen Babys?

"Auch wenn sich der Mythos hartnäckig hält: Babys sind nicht farbenblind! Auch nicht direkt nach der Geburt", sagt die britische Forscherin Dr. Anna Franklin. Babys haben sogar direkt nach der Geburt ihre erste Lieblingsfarbe, und zwar alle die gleiche: Rot! Das haben Forscher des britischen "Sussex Baby Lab" um Dr. Franklin herausgefunden. Der Grund: Die Farbe Rot kennen die Kleinen bereits aus der Zeit im Mutterleib, denn dort scheint das Licht durch die durchblutete Bauchwand wie durch einen dunkelroten Vorhang. Deshalb wickeln viele Hebammen Neugeborene auch in rote statt in weiße Handtücher; die Farbe soll beruhigend wirken.

Die Farbe Blau können Neugeborene am schwersten erkennen. Das liegt daran, dass Blau eine kurzwellige Farbe ist und im Auge von sogenannten S-Zapfen entschlüsselt werden muss. Das muss das Babyauge erst mal trainieren. Und: Von den drei Zapfen-Arten im menschlichen Auge haben wir von den sogenannten Blau-Zapfen am wenigsten. Können Babys Blau mit etwa vier Monaten aber gut sehen, mögen sie die Farbe sehr.

Ab wann können Babys Farben sehen?

Mit drei bis vier Monaten kann ein Baby Farben gut erkennen. Neben dem starken Rot-Ton lieben die Minis jetzt auch knalliges Orange und strahlendes Lila. Laut der "Sussex Baby Lab"-Studie interessieren sich nur ein Drittel der Säuglinge für Grün und nur ein Viertel für Gelb. Das ist von der Natur so eingerichtet, denn Kinderaugen haben eine sehr hohe Reizschwelle, um nicht überfordert zu werden. Das bedeutet: Nur was grell und kontrastreich ist, wird am Anfang des Lebens wirklich wahrgenommen. Das Farbspektrum bildet sich mit den Jahren weiter aus. Zarte Pastelltöne können übrigens erst Jugendliche genauso gut unterscheiden wie Erwachsene.

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Rosa ist auch eine Jungenfarbe

Auch wenn die Konsumgüterindustrie es hartnäckig ignoriert: Viele kleine Jungs mögen Rosa gern. Dafür soll es zwei Gründe geben. Zum einen ähnelt Rosa der Baby-Lieblingsfarbe Rot, und die Kinder assoziieren damit Nähe und Schutz. Zum anderen wirkt der sanfte Pastellton beruhigend, unaufdringlich und besänftigend. Allerdings endet die Vorliebe der Jungs meist im Alter von etwa vier Jahren. Dann setzt der gesellschaftliche Farb-Kodex ein, und Rosa wird von den Kita-Kindern als Mädchenfarbe abgestempelt. Schade eigentlich!

Kinder sehen besser Farben als Formen

Bis zum vierten Lebensjahr nehmen Kinder Farben deutlich intensiver wahr als Formen. Das ist vor allem in ihren Zeichnungen gut zu erkennen: Die sind in den ersten Lebensjahren ja oft eher bunt als formschön. Auch Erwachsene sehen übrigens Farben und Formen nicht als Einheit. So wird zum Beispiel ein roter Ball erst nur als rot und als rund wahrgenommen, bis das Gehirn das Gesehene zusammenfügt und als roten Ball identifiziert.

Wann können Kinder Farben erkennen und benennen?

Generell gilt: Ab einem Alter von etwa drei Jahren kennen die meisten Kinder die Grundfarben Rot, Grün, Blau und Gelb gut. Ob sie sie auch benennen können, hängt stark von der individuellen Sprachentwicklung ab. Während einige das schon mit zwei Jahren tun, haben andere mit vier Jahren noch kleine Probleme.

Experten-Bild

Unsere Expertin

Dr. Anna Franklin

... st Psychologin an der Universität von Sussex (England). In ihrem "Baby Lab" untersuchte sie die Farbvorlieben von mehr als 250 Babys und kleinen Kindern. Die Wissenschaftlerin ließ die Kinder Farben betrachten, filmte die Gesichter dabei und analysierte ihr Verhalten.

Autorin: Merle von Kuczkowski

 

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