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Darum tragen Mamas ihre Kinder fast immer auf der linken Seite

Mal Hand aufs Herz: Tragt ihr euer Kind auch auf der linken Seite? Dann geht es euch wie unserer Autorin und vielen anderen Mamas, wie Studien zeigen. Die Gründe sind dabei nicht so offensichtlich, wie man vermuten möchte.

Mindestens zwei von drei Müttern tragen ihre Babys oder Kleinkinder auf dem linken Arm. Das sagt eine Studie. Und ich bin der beste Beweis dafür.

Mein Sohn ist heute genau drei Jahre, einen Monat und 19 Tage alt und ich schwöre, dass ich ihn noch nie auf der rechten Seite getragen habe. Genau deshalb saß ich kürzlich beim Orthopäden, der mir eine schiefe Hüfte und ein blockiertes Gelenk attestierte. Wenn ich mit Kind auf dem Arm laufe oder stehe, schiebe ich automatisch meine linke Hüfte nach oben, damit der mittlerweile 16 Kilo schwere Sohn es bequemer zu sitzen hat. 

Aber zurück zur Studie: Ich habe ja immer gedacht, dass man automatisch eine präferierte Seite beim Tragen des Kindes hat – je nachdem, ob man Rechts- oder Linkshänder ist. In meinem Fall wäre das nämlich ziemlich logisch. Als Rechtshänderin trage ich meinen Sohn links, sodass ich die rechte Hand immer frei habe. Das mag gewisserweise zwar stimmen, es gibt aber noch ganz andere Gründe. 

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Die Seitenvorliebe beim Tragen von Babys wurde schon in vielen Studien untersucht. Biopsychologe Julian Packheiser von der Ruhr-Universität Bochum hat die Daten aus 40 Studien, die zwischen 1960 und 2016 gemacht wurden, ausgewertet. Er kommt zu dem Ergebnis, dass – je nach Studie – durchschnittlich zwischen 66 und 72 Prozent der weiblichen Versuchspersonen ihr Baby immer auf dem linken Arm tragen. Besonders interessant dabei: Auch Linkshänder zeigten mit 61 Prozent die Tendenz, ihr Kind vorzugsweise links zu tragen, was der gängigen Theorie, die dominate Hand solle frei bleiben, widerspricht.  

Zusammen mit anderen Wissenschaftlern geht Packheiser davon aus , dass die Vorliebe des Linkstragens mit der Gehirnstruktur zusammenhängt. Wird das Baby auf dem linken Arm getragen, wird die rechte Gehirnhälfte verstärkt angesprochen, die wiederum für Emotionen und Konzentration zuständig ist. Linksträger seien somit besser in der Lage, die Bedürfnisse des Babys zu erfassen und darauf zu reagieren. Vermutlich ein uralter Instinkt, der die Eltern-Kind-Bindung stärkt. 

Damit nicht genug: Auch Kinder sollen beim Tragen die linke Seite bevorzugen, da sie so näher am Herzen der Mutter (oder des Vaters) sind und der Herzschlag einen beruhigenden Effekt auf die Kleinen hat. 

Genau daran werde ich denken, wenn ich das nächste Mal das 16-Kilo-Bündel mit schiefer Hüfte durch die Gegend schleppe. Denn das Gefühl, dass mein Sohn sich auf diese Weise auf meinem Arm sicher und geborgen fühlt, macht doch jeden Schmerz wieder wett. 

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist Chefredakteurin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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