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Spielend lernen

Babys in Bewegung

Entwicklungspsychologe Professor Malte Mienert erklärt, warum Babys von Geburt an einen natürlichen Bewegungs- und Entdeckungsdrang haben.

Junge Familie: Warum haben Babys diesen natürlichen Entdeckungsdrang?

Malte Mienert: Bei Erwachsenen würden wir ihn als 'Versuch- und Irrtumlernen' bezeichnen. Bei Babys ist es weit mehr als nur das, da sie kein Vorwissen und keine gespeicherten Erfahrungen mit diesen Situationen haben. Das sich BewegenAusprobieren ist somit die früheste aller Lernformen, auf der alles spätere Lernen aufbaut.

 

Was lernen Babys dabei?

Kleine Abenteurer entdecken die Welt intuitiv. Das Spielen ist ihre Art, die Welt um sich herum kennenzulernen und zu verstehen, wie Dinge funktionieren. Im Spiel und in Bewegung werden zentrale Fähigkeiten gefestigt, die zu Babys gesunder Entwicklung beitragen. Dazu gehören beispielsweise die Ausbildung von Selbstvertrauen, die Förderung von Kreativität und Denkfähigkeit sowie das Lernen von Verantwortung für sich selbst und für andere. Zusätzlich werden grundlegende Fähigkeiten wie die Raum-Lage-Wahrnehmung, das Gleichgewichtsempfinden und die Körperwahrnehmung erst in Bewegung und im Spiel ausgeprägt. 

 

Können Eltern das Kind besonders fördern?

Ein Baby hat von sich aus Spaß an der Bewegung und am Spiel. Von zu starker Animation der Kinder zum Mitmachen ist aber abzuraten. Das könnte Druck aufbauen und den Stress der Kinder in der unbekannten Umgebung erhöhen. Lieber beobachten und die Kinder von selbst Kontakt aufnehmen lassen. Kinder sind kleine Persönlichkeiten, und sie lernen frühzeitig, für sich die richtige Balance zwischen aktiver Neugierde und beschützter Zurückhaltung zu finden.

 

Welche Rolle übernehmen Eltern sonst bei den Entdeckungsreisen?

Eltern sind Mitspieler, Zuschauer, Ansprechpartner und Bezugspunkt für ihre Kleinen. Sie strahlen Sicherheit für ihre Babys aus. Zudem können Eltern ihre Lieblinge gezielt unterstützen, indem sie ihnen Spiel- und Bewegungsfreiheit ermöglichen – sie beispielsweise auf einer Decke auf dem Boden spielen lassen. Die eigenen vier Wände sollten bereits früh für die Entdeckungsreisen der Kleinen vorbereitet werden. Gefährliche Gegenstände und persönliche Lieblingsstücke sollten nicht nur außer Reichweite, sondern besonders auch außer Sichtweite aufbewahrt werden. 

 

Gibt es Equipment für Babys, um den Spieldrang zu fördern?

Kinder suchen sich im Spiel von ganz allein Anregungen, die ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechen. Dabei ergeben sich abwechslungsreiche und spannende Spielideen meist schon im täglichen Leben – egal ob Kochtopf oder leere Schachtel, Kinder haben ein natürliches Interesse an echten Sachen. Zeug zum Spielen ist für kleine Entdecker häufig interessanter als Spielzeug. Besonderen Spaß haben die Kleinen an spiegelnden Oberflächen. Große Papierbögen zum Rascheln und Knautschen, Bälle - all das ist leicht für Babys zu handhaben und macht Spaß ohne Verletzungsrisiko.

 

Warum ist eine gut sitzende Windel dabei so wichtig?

Kleine Abenteurer brauchen beim Robben, Krabbeln und Kriechen Bewegungsfreiheit – sitzt eine Windel nicht gut, haben Babys das Gefühl, dass ein Fremdkörper mitbewegt werden muss. Das auch die Laune des Kindes. Die Windel sollte wie eine zweite Haut sitzen und sich allen Spielbewegungen der Kleinen anpassen, sodass sie sich voll auf ihre Umwelt konzentrieren können.

 

Unser Experte

Professor Dr. Malte Mienert ist Experte für frühkindliche Entwicklung. 2007 erhielt Mienert den Berninghausen-Preis für ausgezeichnete Lehre und Innovation. Heute ist er Professor für Hochschulbildung an der European New University in Kerkrade (NL) und Dekan der Fakultät für Human und Sozialwissenschaften.

 

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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