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Ab dem ersten Zähnchen

Dem Baby richtig Zähne putzen: So geht's!

Kinderzahnärztin Dr. Nelly Schulz-Weidner über die richtige Putztechnik, Nuckelflaschenkaries und Süßigkeiten-Verbote.

Warum heißen Milchzähne eigentlich "Milchzähne"?

Dr. Nelly Schulz-Weidner: Weil sie – wie Milch – eine weiße, leicht bläuliche Farbe haben. 

Wie oft steht Zähneputzen auf dem Programm?

Ab dem ersten Milchzahn putzt man einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta. Sobald das Kind zwei Jahre alt ist, zweimal pro Tag – morgens und abends. Und zwar mit einer speziellen Kinderzahnbürste.  

Dann brauchen Kinder also spezielles Putz-Equipment?

Ja. Kinderzahnbürsten sind kürzer, haben einen kleineren Borstenkopf und abgerundete Borsten. Die abgerundeten Enden des Borstenkopfs verhindern, dass sich die Kleinen verletzen. Spezielle Kinderzahncremes sind ebenfalls ein Muss, da sie weniger Fluorid enthalten als Pasten für Erwachsene. 

Und wie schrubbt man die Beißerchen richtig?

Geputzt wird nach der sogenannten KAI-Methode: Erst die Kauflächen, dann die Außen- und zum Schluss die Innenflächen.   

Klingt kompliziert – ist es das auch?

Anfangs geht es gar nicht darum, dass das Kind die Putztechnik perfekt beherrscht. Sondern darum, dass es sich ans Zähneputzen gewöhnt und die motorische Umsetzung lernt. Wichtig: Eltern sollten bei ihren Kindern solange nachputzen, bis ihre Sprösslinge die Schreibschrift flüssig beherrschen. 

Oft lässt der Nachwuchs die Putzprozedur höchst ungern über sich ergehen. Wie kann man das für beide Seiten einfacher gestalten?

Stimmt. Es kommen immer wieder Mütter und Väter zu mir, die von täglichen Kämpfen am Waschbecken berichten. Ich kann in diesem Fall nur raten: dranbleiben! Und es immer wieder versuchen. Hilfreich ist es, wenn Mütter und Väter Zähneputzen als Ritual gestalten. Sie können dabei zum Beispiel eine Geschichte erzählen oder dem Kind zur Ablenkung etwas in die Hand geben. Manchmal wirkt auch ein kleiner Ortswechsel Wunder.

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Muss man sofort zur Zahnbürste greifen, nachdem die lieben Kleinen Schokolade gegessen haben? Oder soll man Süßigkeiten generell verbieten?

Ich halte nichts davon, Süßigkeiten vollständig zu verbieten. Abends sollten die Zähne in jedem Fall vor dem Schlafengehen gründlich geputzt werden, damit der Speichel in der Nacht die Zähne regenerieren und reparieren kann. Für zwischendurch sind Kinderzahnpflegekaugummis mit Xylit empfehlenswert.

Kariesbakterien sind der Feind von Milchzähnen. Aber: Wie genau entsteht Karies?

Der Zucker ist der Treibstoff für die Bakterien – ähnlich wie Benzin für ein Auto. Wenn wir also Süßigkeiten essen, werden die Kariesbakterien durch die Zuckerzufuhr in ihrer Aktivität und dem Wachstum gefördert. Die Stoffwechselprodukte der Kariesbakterien greifen so die Zahnhartsubstanz an, und die Karies wächst in die Tiefe.

Empfehlen Sie Eltern, eine Zahnzusatzversicherung für ihre Sprösslinge abzuschließen?

Ich habe für meine Kinder keine abgeschlossen, weil ich der Meinung bin, dass man durch Prophylaxe und Prävention viel erreichen kann. Wenn Eltern rechtzeitig damit beginnen, ist Karies vermeidbar. Für Kinder mit Fehlstrukturierungen und erblichen Strukturveränderungen ist eine Zahnzusatzversicherung wegen der anfallenden Kosten für eine Restaurierung empfehlenswert.

Wenn Kinder ausgelassen herumtoben, kann schon mal ein Zahn abbrechen. Was ist in diesem Fall zu tun?

Unbedingt zum Zahnarzt gehen! Und das abgebrochene Stück Milchzahn bestenfalls mitnehmen. Denn: Ein Trauma eines Milchzahns kann Folgen für das bleibende Gebiss haben. Ist nur der Zahnschmelz verletzt, muss der Zahnarzt gegebenenfalls bloß die scharfe Kante glätten. Ist das tiefer liegende Dentin beschädigt, ist dessen Versiegelung mit Kunststoff erforderlich. 

Warum ist eine gründliche Pflege der Milchzähne unabdingbar?

Weil Milchzähne Platzhalter für die bleibenden Zähne sind. Nur wenn man sie stets gut pflegt, haben die „Zweiten“ die Chance, gesund aus dem Kiefer zu wachsen. Und nicht zuletzt sind sie selbstverständlich wichtig fürs Sprechen und die Ästhetik. 

Haben Sie noch einen Zahnputz-Tipp?

Ich stelle fest, dass Babys und Kleinkinder häufig Fruchtsaft, manchmal sogar Limonaden bekommen. Durch diese „Zuckerbomben“ haben Kariesbakterien ein leichtes Spiel. Eltern sollten ihren Kindern lieber Trinkflaschen mit Wasser anbieten. Nachmittags darf es dann auch mal eine Saftschorle aus dem Becher  oder etwas Süßes sein.

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