Babyspeck vs. Übergewicht

Ist mein Baby zu dick?

Die einen wiegen bei der Geburt gerade fünf Pfund oder noch weniger, andere acht. Manchmal weckt der Babyspeck bei den Eltern Misstrauen: Wächst da etwa ein Dickerchen heran? Immerhin zählt Übergewicht heute zu den häufigsten Kinderkrankheiten.

"Meine Tochter Yoko war so unglaublich zart und so klein, dass alle Strampler viel zu groß waren. Ich werde nie vergessen, wie ich mit der Hebamme zusammen auf jedes einzelne Gramm achtete." Janni Hönscheid (29), Profi-Surferin und Zweifachmama, zeigt auf ihrem Instagram-Profil völlig offen Bilder aus ihrem Familienalltag mit Sohn Emil-Ocean (2) und eben Tochter Yoko (bald 1). In einem ihrer letzten Posts reagiert sie auf ein Thema, das sie sehr beschäftigt – das aktuelle Gewicht von Yoko. Die Kleine wird im Netz immer wieder als dick und zu pummelig bezeichnet. Doch Janni lässt das nicht unkommentiert: "So, wie du bist, bist du genau richtig… Kaum sind die Kinder auf der Welt, wird man verrückt gemacht, dass etwas nicht stimmt, dass man vielleicht nicht in der 'Norm-Kurve' liegt. Dass man irgendwas falsch macht." Aber diesen Schuh zieht sich die Mutter nicht an. Im Gegenteil, sie freut sich über das aktuelle Gewicht ihrer Tochter, denn es gab auch schon andere Zeiten. Noch immer hat sie die Worte ihrer Hebamme im Kopf, dass sie aufpassen muss, dass Yoko auch genug trinkt. "Nun muss ich jedes Mal schmunzeln, wenn jemand sagt, dass man schauen muss, dass sie nicht zu viel wiegt."

Kann ein gestillter Säugling zu dick sein?

Glücklicherweise kann Janni Hönscheid über die Kommentare zum Gewicht ihrer Tochter lächeln. Doch diese Selbstsicherheit haben nicht alle Mütter und Väter. Vor allem stillende Mütter sind häufig unsicher, ob ihr Baby an der Brust die richtige Menge Muttermilch bekommt. Die Hamburger Hebamme und ­Mutter Miriam Wolff sieht diese Sorge in den meisten Fällen als ­unbegründet. Ein Kind, das nach der Empfehlung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) die ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt wird, hat meist Normalgewicht. "Babys können nicht zu viel gestillt werden. Die ­Muttermilch passt sich immer genau den Bedürfnissen des Säuglings an. Ein Baby kann sich an der Brust daher nicht ­überfressen." Es muss nur darauf geachtet werden, dass das Kind genug Muttermilch bekommt. Hier gibt es neben der ­Kontrolle durch den Kinderarzt und die Hebamme auch Zeichen, auf die die Mutter selbst achten kann.

Zeichen, dass dein Kind genug Muttermilch bekommt:

  1. Entspannt sein: Ein sattes Kind wendet sich – sofern es nicht eingeschlafen ist – meist selbst von der Brust ab, ist rosig und zufrieden. Es zeigt keine Hungerzeichen mehr wie die Faust in den Mund stecken, die Lippen ablecken oder den Kopf suchend hin- und herbewegen. 
  2. Schlucken beim Stillen: Sobald die Kleinen den Milchspendereflex ausgelöst haben, wird das Schlucken langsamer, und die Schluckgeräusche können deutlich wahrgenommen werden. Zudem lässt sich der Schluckvorgang am Unterkiefer beobachten. Wenn viel Milch aus der Brust kommt, wird das Baby häufiger schlucken als zum Ende hin. Ebenso braucht ein Neugeborenes länger zum Trinken als ein älteres Baby, das schon stärker saugen kann. 
  3. Urin in der Windel: Eine volle Windel ist ein gutes Zeichen. Doch keine Sorge, wenn diese in den ersten Tagen nach der Geburt nur einige Tröpfchen abbekommt. Denn vor dem Milcheinschuss kommt aus der Brust lediglich etwas Vormilch. 
  4. Stuhlgang: In den ersten zwei Wochen ist das "Geschäft" in der Windel aussagekräftiger als der Urin. Nach Ausscheiden des Kindspechs (Mekonium) am ersten Tag wird der Stuhl an Tag zwei bis drei weicher und verändert seine Farbe von schwarzgrün zu gelbgrün. Ab dem vierten Tag sollte der Säugling mindestens drei Stuhlgänge pro Tag haben. Größere Mengen sind ein gutes Zeichen. Ist es zu wenig, sprecht mit der Hebamme oder dem Kinderarzt. 
    Ab einem Alter von drei Monaten pendelt sich eine Stuhlhäufigkeit von ein bis zwei pro Tag ein. Und wird dann individuell immer unterschiedlicher, vor allem nach der Einführung von Beikost. 
  5. Volle Brust: Nicht nur das Baby, auch die Brüste geben deutliche Zeichen, wann es wieder Zeit zum Stillen ist. Nachdem der Milcheinschuss (um den dritten Tag nach der Geburt) abgeklungen ist, fühlen sich die Brüste nach dem Stillen weich und leer an. Kurz vor dem Stillen fühlt sich vor allem die Brust, die angelegt werden soll, hart und voll an. Zeit also für eine Stillmahlzeit, sofern das Kind Hunger hat. 

Richtwerte zur Gewichtszunahme

In den ersten Tagen nach der Geburt verlieren Stillkinder meist etwas an Gewicht. Die Abnahme sollte jedoch nicht mehr als sieben Prozent des Geburtsgewichts betragen. Dies kontrolliert aber meist der Kinderarzt oder die betreuende Hebamme. 

Nach einiger Zeit schießt die Milch ein, und das Baby sollte wieder an Gewicht zunehmen. Rund 14 Tage nach der Geburt muss es sein Geburtsgewicht wieder annähernd erreicht haben. In den ersten zwei Monaten nimmt es dann im Schnitt zwischen 170 und 330 Gramm pro Woche zu, im dritten bis vierten Monat zwischen 110 und 330 Gramm, im fünften und sechsten Monat 70 bis 140 Gramm und dann bis zum zwölften Monat rund 40 bis 110 Gramm pro Woche. So hat es in den meisten Fällen bis zu seinem ersten Geburtstag das Geburtsgewicht verdreifacht. 

Merken weder Kinderarzt noch Hebamme etwas zum Gewicht des Kindes an und ist dieses gesund, wächst, entwickelt sich altersgemäß, bewegt sich gerne und hat Appetit, dann könnt ihr euch relativ sicher sein, dass es genug Milch bekommt und das Gewicht in Ordnung ist. 

Stillen nach Bedarf

Zu bestimmten Tageszeiten möchte das Kind häufiger oder länger an die Brust als zu anderen. So wollen ­Säuglinge am Anfang vor allem nachts vermehrt an die Brust. Dies ist kein Zeichen dafür, dass sie tagsüber zu wenig Milch erhalten haben, sondern entspricht dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. "Babys trinken häufig nachts, da zu dieser Tageszeit die Hormone, die für die Milchbildung zuständig sind, vermehrt ­ausgeschüttet werden. Steht also ein neuer Schub an, für welchen das Kind mehr Milch benötigt, regt es mit dem nächtlichen Trinken die Milchbildung an", so Hebamme Miriam Wolff. 

"Es müssen zudem keine regelmäßigen Zeitabstände zwischen den Stillmahlzeiten eingehalten werden. Und es kann sein, dass mal nur zwei Minuten an der Brust getrunken wird, aber eben auch mal 20 Minuten." Wichtig ist nur, dass die Nahrungsaufnahme auch zu einer Gewichtszunahme führt. Hierfür gibt es Richtwerte, an denen man sich orientieren kann.  

Leben & erziehen Abo + Geschenk

Dein Begleiter von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Alltag mit Kindern. Jetzt mit 25% Rabatt testen!

Babyspeck

Babys brauchen ihren Babyspeck – er isoliert den Körper, schützt die Knochen und liefert wichtige Energie. Doch Speck ist nicht gleich Speck. Es gibt zwei Formen des Fettgewebes – braunes und weißes. Das braune entwickeln Babys schon im Bauch. Dies ist der Babyspeck, der fast komplett schmilzt, sobald sie sich mehr bewegen. Das weiße Fettgewebe hingegen ist das, das auch wir Erwachsene haben. Hier werden die Fettzellen größer und kleiner, aber schmelzen erst nach einer langen Hungerzeit oder durch ausdauernden Sport. In der Stillzeit wird vor allem das braune Fettgewebe gefüttert. Bei Flaschennahrung (vor allem Milchpulver mit Stärke und Glukose) wird auch das weiße Fettgewebe gefüttert, was bei falscher Anwendung Übergewicht mitverursachen kann.

Übergewicht vorbeugen

"Zarte Pölsterchen bei Neugeborenen haben nichts mit Übergewicht zu tun", beruhigt die Kinderärztin Dr. Sylvia Schuster aus Düsseldorf. Babys brauchen sie als Schutz gegen Kälte und als Energiereserven. Erst wenn die Kleinen zu laufen beginnen, werden diese Vorräte abgebaut. Der Babyspeck muss also nicht runter – er verschwindet von ganz alleine, je mehr das Kind sich bewegt. 

Trotzdem können Eltern etwas dafür tun, dass ihre Kinder später nicht dick werden. Dr. Schuster rät:

  • Möglichst vier bis sechs Monate voll stillen. Studien zeigen: Gestillte Kinder werden später seltener dick.
  • Fläschchen und Beikost genau nach Anweisung zubereiten, nicht andicken.
  • Den Kindern möglichst viel Freiheit zum Rollen, Robben und Krabbeln lassen.

Mit dem Body-Mass-Index von Kindern im ersten Lebensjahr können Eltern zudem herausfinden, ob sich ihr Kleines gesund entwickelt. Darüber hinaus, so Dr. Schuster, überprüfen Eltern am besten jetzt schon ihre Ernährung und ihre Lebensweise und stellen sie um – falls nötig. Wenn Mama und Papa nämlich selbst zu süß oder zu fett essen und sich zu wenig bewegen, wird das spätestens nach dem ersten Geburtstag auch auf den Nachwuchs abfärben. Aus dem Babyspeck kann dann schnell echtes Fett werden.

Autorin: Stephanie Kruse 

Teile diesen Artikel: