Richtig abnabeln

Babys Nabelschnur – alles was ihr wissen müsst

Vom Durchschneiden der Nabelschnur bis zum richtigen Reinigen des Bauchnabels beim Baby stellen Eltern sich viele Fragen. Wir haben mit einer Hebamme gesprochen, die euch verrät, wie es geht.

"Wünschen Eltern sich, ihr Baby selbst abzunabeln, ist es wichtig, das mit dem geburtshilflichen Team zu kommunizieren", so Hebamme Kerstin Lüking aus Berlin. Viele Hebammen bieten dieses den Vätern oder Co-Müttern nach der Geburt ganz selbstverständlich an. Manche Mütter möchten das sogar selbst durchführen.

Nabelschnur durchtrennen tut nicht weh

Angst muss man davor nicht haben, in der Regel durchtrennt die Hebamme die Nabelschnur. Sie setzt zunächst eine Plastik-Nabelklemme etwa zwei Zentimeter oberhalb der Haut an. Mit kleinem Abstand befestigt sie dann eine Metallklemme. Zwischen diesen beiden Klemmen wird die Nabelschnur mit einer speziellen Nabelschere durchtrennt. "Das fühlt sich für Laien oft merkwürdig an. Fast so, als würde man Knorpel vom Hähnchen durchtrennen", sagt Kerstin Lüking. Keine Sorge: Das Kind hat dabei keine Schmerzen! Die etwa daumendicke Nabelschnur ist 50 bis 100 Zentimeter lang und enthält in der Regel zwei Arterien und eine Nabelvene – sie ist aber frei von Nerven.

Bei Haus- oder Geburtshausgeburten lässt man sich eher Zeit mit der Abnabelung. "Man wartet dann, bis die Gefäße in der Nabelschnur zusammenfallen und kein Puls mehr sicht- bzw. tastbar ist", erklärt die Hebamme. "In der Klinik kann es schon mal ‚husch, husch‘ gehen, weil das Personal möglicherweise unter Zeitdruck steht." Zudem möchte man eine relativ zeitnahe pH-Wert-Messung durchführen, was diesen Prozess beschleunigt. Außerdem kommt es in Kliniken häufiger zu Situationen, in denen ein schnelles Handeln notwendig ist, zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt. Auch dies ist ein möglicher Grund, dass dort nicht immer auf den Wunsch der langsamen Abnabelung eingegangen werden kann.

Nabelschnur auspulsieren lassen oder nicht?

"Die Vorteile am Ausbluten der Nabelschnur sind unter anderem, dass das Baby noch eine große Ladung an Erythrozyten (roten Blutkörperchen), Immun- und Stammzellen erhält", sagt Kerstin Lüking. "Man möchte damit zum Beispiel einem Eisenmangel vorbeugen und natürlich noch ein gutes Päckchen für das Immunsystem mitgeben." Bei Müttern mit bestehender Gestationsdiabetes lässt man die Nabelschnur häufig nicht auspulsieren. So ist es auch bei der sogenannten Polyglobulie: "Das bedeutet, dass das Kind durch zu viel Eisen und einen erhöhten Anteil an festen Blutzellen eine Blutverdickung bekommen kann, was wiederum eine starke Belastung für die Nieren und das Herz darstellt", so die Hebamme. Durch die vielen Erythrozyten ist das Risiko für eine Neugeborenen-Gelbsucht leicht erhöht. Beim Abbau der roten Blutkörperchen entsteht als Abfallprodukt Bilirubin, was dann zu einer Gelbfärbung der Haut führt.

Stammzellen einlagern oder spenden

Wer Nabelschnurblut spenden oder Stammzellen einlagern möchte, sollte früh abnabeln, denn sonst bekommt man nicht mehr ausreichend Blut aus der Nabelschnur.

Bauchnabel knoten wird kaum noch gemacht

Heutzutage wird die Nabelschnur kaum noch wirklich geknotet. Einige Hausgeburts- bzw. Geburtshaushebammen tun das allerdings noch. Übrigens: Ärzte oder Hebammen haben keinen Einfluss auf einen späteren "Innie" oder "Outie". Hebamme Kerstin Lüking erklärt: "Das spätere Aussehen des Bauchnabels hängt eher damit zusammen, wie die Nabelschnur am Körper angewachsen ist." Manchmal ist jedoch auch ein Nabelgranulom oder ein Nabelbruch der Grund für einen "Outie", das lässt sich aber behandeln.

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Der Nabelschnurrest fällt von alleine ab

Der Nabelschnurrest fällt zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten ab. Kerstin Lüking berichtet dazu: "Ich habe Kinder betreut, denen nach zwei Tagen der Rest abgefallen ist, manch andere hatten ihn nach acht Wochen immer noch." Die Bandbreite ist also groß. In der Regel fallen aber dünne Nabelschnüre schneller ab als dicke. Oftmals kündigt sich das Abfallen schon durch einen sichtbaren Prozess und auch auffallenden Geruch an. Der Bauchnabel beim Baby wird schmierig, leicht feucht und stinkt etwas faulig. "Ich sage immer: nach ‚toter Maus‘", ergänzt die Hebamme. Mama und Papa müssen sich deshalb keine Sorgen machen. Wichtig ist, dass Eltern den Bauchnabel des Babys sauber halten. "Das kann mit Kochsalzlösung, Muttermilch oder auch einem Schleimhaut-Desinfektionsmittel erfolgen", erklärt Kerstin Lüking.

Einfach ein Wattestäbchen benetzen und den Bauchnabel damit reinigen. Es gibt auch spezielles Puder aus der Apotheke, das den Abheilungsprozess beschleunigt. "Ich empfehle eine ‚trockene‘ Nabelpflege: Der Nabel wird zwar gereinigt, aber er ist frei von Nabelkompressen, die häufig verwendet werden. Somit kann viel Luft an den Nabel gelangen", sagt die Hebamme. Die störende Nabelklemme kann schon nach zwei bis drei Tagen mit einer speziellen Schere entfernt werden. Das erleichtert den Eltern die Pflege, und die Klemme drückt dem Baby nicht in die Bauchhaut.

Achtung: Bitte nicht am Nabel ziehen. Dadurch kann es möglicherweise zu Blutungen kommen. Hängt der Nabel noch an einem "seidenen Fädchen", dreht die Hebamme ihn vielleicht ab. Auch nach der Ablösung des Nabelschnurrests kann am Bauchnabel beim Baby eine blutige Kruste entstehen. Einige Tage sind noch leichte Blutungen oder Sekretabgang möglich. Keine Angst, das ist in Ordnung. Kommt es aber trotz Hygiene und Pflege zu einer Entzündung, also einer starken Rötung um den Nabelring, sollte man auf jeden Fall den Kinderarzt aufsuchen. Dieser verordnet bei Bedarf eine antibiotische Salbe oder Puder.

Wann steht das erste Bad an?

Kerstin Lüking: "Wir baden die Babys häufig erst dann, wenn der Nabel abgefallen ist. In vielen anderen Kulturen ist dies aber nicht der Fall. Ich finde, es sollte jeder so machen, wie er es möchte und wie seine Kultur und Tradition es ihm übermittelt hat."

Nabelschnur aufbewahren

Kerstin Lükings Tipp als Hebamme und Mama: "Bewahrt den Rest der Nabelschnur in einem kleinen Stoffsäckchen auf. Meine Kinder bekommen ihn zum Auszug aus dem Elternhaus als kleines Symbol der endgültigen Abnabelung."

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Unsere Expertin

Kerstin Lüking

... ist siebenfache Mama und Hebamme in Berlin. Die 47-Jährige hat schon mehr als 3500 Familien betreut. Ihr Buch "Ich werde Mama! Der perfekte Schwangerschaftsbegleiter"* (14,99 Euro) ist im EMF-Verlag erschienen.

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