Entscheidungshilfe

Nabelschnurblut einlagern oder spenden?

Aus dem Nabelschnurblut eines Säuglings können wertvolle Stammzellen gewonnen werden. Was Eltern über das Einlagern und Spenden von Nabelschnurblut wissen sollten.

Entnahme des Nabelschnurbluts: Kurz und schmerzlos

Der Arzt oder die Hebamme klemmt die Nabelschnur nach der Geburt zügig ab und entnimmt das Blut. Für Mutter und Kind ist das völlig schmerzfrei. "Die Entnahme des Nabelschnurbluts muss die Geburt nicht stören. Der ganze Vorgang dauert ein, zwei Minuten, und wenn’s richtig gemacht wird, bekommt die Mutter nichts davon mit", erklärt der Stammzell-Experte Dr. Mathias Schmidt. Die Geburtshelfer können die Nabelschnur sogar auspulsieren lassen, bevor sie das Baby abnabeln, und das Blut abzapfen. Die Mutter hat durch die Blutentnahme den kleinen Vorteil, dass sich die Plazenta anschließend besser löst. Dem Kind schadet die Entnahme nicht. Allerdings hatten Kinder, deren Nabelschnur erst später abgeklemmt wurde, in den ersten Lebensmonaten bessere Eisenwerte im Blut. Weil Frühgeborene und Mehrlinge besonders stark zu Blutarmut neigen, raten Experten dazu, deren Nabelschnur möglichst spät zu durchtrennen.

Stammzelltransplantation

Stammzellen sind quasi die Ursprungszellen aller anderen Blutzellen. Da sie sich besonders gut teilen und dadurch selbst erneuern, können sie helfen, funktionsgestörte Zellen, Organe und Gewebe wiederherzustellen. Ihre Funktion im Organismus ist noch nicht festgelegt. Daher sind sie vielseitig einsetzbar. Bei Krankheiten des blutbildenden Systems wie zum Beispiel Leukämie kommt für einige Patienten nach einer Chemotherapie eine Knochenmark- oder Blutstammzellspende infrage. Hierfür eignet sich nicht das eigene Stammzellblut, da dieses in der Regel bereits den Erbgutfehler in sich trägt, der zu dem Krebsleiden führte.

Die Forschung geht immer weiter, und noch weiß man nicht, welche Krankheiten möglicherweise durch den Einsatz von Stammzellen später einmal geheilt werden können. Zurzeit arbeiten Forscher daran, mit Stammzellen aus Nabelschnurblut künstliche Herzklappen zu züchten.

Nabelschnurblut einlagern? Oder spenden?

Eltern haben zwei Möglichkeiten, das Nabelschnurblut ihres Kindes einlagern zu lassen. Bei einer 

  • öffentlichen Blutbank wird das Blut auf Abruf für fremde Empfänger aufbewahrt – so wie Spenderorgane.
  • privaten Nabelschnur-Blutbank wird das Blut aufbewahrt für den Fall, dass der Spender selbst oder nahe Verwandte wie z. B. Geschwister irgendwann später erkranken und Stammzellen benötigen. Die private Einlagerung ist auch mit Spenden-Option möglich. Benötigt ein Patient irgendwo auf der Welt die Zellen, könnt ihr das Blut spenden und erhaltet euer Geld zurück.

Nabelschnurblut einlagern: Die Kosten

Werdende Eltern schließen mit einer Nabelschnurblutbank einen Vertrag ab. Die Kosten für Aufbereitung und Lagerung tragen sie selbst, dafür steht das Blut ausschließlich dem eigenen Kind zur Verfügung.

  • Deutsche Stammzellenbank: ab 1.890 Euro für 18 Jahre
  • Eticur: 2.500 Euro für 25 Jahre, 400 Euro für weitere 10 Jahre
  • Vita 34: einmalig 1.990 Euro und 48,20 Euro pro Jahr oder beispielsweise 2.595 Euro für 25 Jahre

Stammzellen spenden

Das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland listet öffentliche Nabelschnurblutbanken auf, bei denen man kostenlos und anonym Nabelschnurblut bzw. Stammzellen spenden kann, das weltweit Kranken zur Verfügung steht: www.zkrd.de/de/nabelschnur blut/oeffentliche_nabelschnurblutbanken.php

In diesem Fall kann man selbst nicht mehr auf die Stammzellen des eigenen Kindes zugreifen. 

Unser Nabelschnurblut-Experte

Dr. Oliver Heine, Chefarzt Gynäkologie & Geburtshilfe in der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek

 

Diese Mütter haben Stammzellen eingelagert

Tanja Szewczenko, Eiskunstläuferin, hat für ihre Tochter (5) Nabelschnurblut bei Seracell eingelagert 

Warum haben Sie Stammzellen eingelagert?

Wir haben uns lange mit dem Thema Stammzelleinlagerung beschäftigt und sehen durch die Forschung große Chancen, verschiedene Erkrankungen zu heilen. Es ist ein gutes Gefühl, für unsere Tochter etwas sehr Wertvolles in Reserve zu halten, das ihr vielleicht einmal von großem Nutzen sein könnte.

Hat bei der Entnahme alles geklappt? 

Die Entnahme war völlig komplikationslos. Wir haben das Köfferchen zur Geburt mit ins Krankenhaus genommen. Die Ärzte wussten, was zu tun war.

 

Monica Ivancan Model, Moderatorin und Schauspielerin, hat für ihre beiden Kinder Nabelschnurblut bei Eticur eingelagert 

Warum haben Sie Stammzellen
eingelagert?

Da ich im Fall der Fälle gerüstet sein und später kein schlechtes Gewissen haben möchte, wenn ich es nicht gemacht habe. Für mich gab es keine Gründe, die dagegensprachen. Ich finde, Nabelschnurbluteinlagerung ist ein Muss. Es ist wirklich ein kleiner Aufwand, den man betreibt, um es für den Fall der Fälle parat zu haben. Aber eben auch ein kleiner Aufwand mit einer eventuell riesigen Wirkung, wenn man es mal braucht. Ansonsten kann man sich ja auch später noch dafür entscheiden, Stammzellen zu spenden.

Hat bei der Entnahme alles geklappt? 

Alles lief reibungslos. Wir haben das Entnahmeset mitgebracht. Es stand immer neben unserer Krankenhaustasche und hat dort quasi nur auf seinen Einsatz gewartet.

 

Jeanette Götz
aus Naumburg hat für ihre drei Kinder Nabelschnurblut bei Vita 34 eingelagert 

Warum haben Sie Stammzellen eingelagert?

Ich bin adoptiert und habe meinen leiblichen Vater nie kennengelernt. Er ist an Leukämie und Kehlkopfkrebs gestorben. Da wollten wir für unsere Kinder vorbeugen. Mein Mann und ich sind beide in der Pflege tätig und wissen, wie schwierig es ist, Spender zu finden. Die Medizin entwickelt sich immer weiter. Vielleicht kann man irgendwann auch Diabetes und andere Krankheiten mit Stammzellen heilen.

Hat bei der Entnahme alles geklappt? 

Ja, das lief immer reibungslos. Das Päckchen mit dem Material hatten wir bereits zu Hause liegen und haben es zur Geburt mit ins Krankenhaus genommen. Mit dem Klinikteam war das abgesprochen. Nach der Geburt und der Entnahme hat mein Mann ein Telefonat getätigt, und kurze Zeit darauf hat der Kurier das Paket abgeholt. Danach bekamen wir schnell eine Rückmeldung, dass das Blut untersucht wurde.

 

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