Hübsch oder Körperverletzung?

Ist es okay kleinen Kindern Ohrlöcher zu stechen?

Die einen finden es total süß, wenn Babys Ohrstecker tragen. Die anderen sehen darin eine Körperverletzung. Ab wann dürfen Eltern ihrem Kind überhaupt Ohrlöcher stechen lassen?

Hilary Duff teilt regelmäßig ihr Familienleben mit ihren Instagram-Fans. In der Regel sind sich ihre User einig, dass die Schnappschüsse vom achtjährigen Luca Cruz Comrie und der mittlerweile eineinhalbjährigen Banks Violet Bair einfach süß sind und kommentieren die Bilder mit vielen Herzchen und netten Mitteilungen. Im Juli 2019 kam jedoch Bewegung in die Community der Schauspielerin und Sängerin. Der Grund: Auf einem Post, der Hilary mit ihrer Tochter auf dem Arm zeigt, ist zu sehen, dass die Ohrläppchen der kleinen Banks gepierct sind. Zu diesem Zeitpunkt war das Mädchen acht Monate alt. Ähnliche Diskussionen ergaben sich auch unter einem Bild von Sarah Harrison, deren Tochter Mia Rose mit vier Monaten Ohrringe bekam.

Körperverletzung oder Schmuck?

Die einen meinen, es sei genau richtig, Kindern so früh wie möglich Ohrlöcher stechen zu lassen, weil sie den Schmerz erstens nicht richtig mitbekämen und zweitens auch schnell wieder vergessen würden. In bestimmten Kulturkreisen ist das sogar gang und gäbe. Die anderen finden es schrecklich, weil den Kindern die Entscheidung genommen werde, ob sie überhaupt gepierct werden wollen – und sprechen von Körperverletzung. Letztlich würde es sich um einem unnötigen Eingriff handeln, der die Risiken einer Entzündung oder Unverträglichkeit mitbringe, und rein ästhetischen Ursprungs sei. 

Ohrlöcher stechen bei Kindern: Nur mit Einverständniserklärung

Ist es überhaupt legal, den Nachwuchs so früh piercen zu lassen? Ja, denn per Gesetz ist es nicht verboten, kleinen Kindern oder gar Babys Ohrlöcher stechen zu lassen. Ganz gleich, ob die Kids wenige Wochen, sechs Monate oder ein Jahr alt sind: Eltern können frei entscheiden, ob und wann ihre Sprösslinge Ohrringe bekommen sollen. Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte bestätigt, dass es aus medizinischer Sicht keine Rolle spielt, wie alt das Baby oder Kind beim Ohrlochstechen ist. Allerdings gibt es Anbieter, die selber ein Mindestalter setzen. Oftmals müssen die Kinder mindestens sechs bis sieben Jahre alt sein. Und ganz wichtig: In jedem Fall müssen die Erziehungsberechtigten bei Minderjährigen immer eine schriftliche Einverständniserklärung abgeben.

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Ohrlöcher stechen oder schießen?

Letztlich bleibt es also den Eltern überlassen, wann und auch wie sie ihren Kindern Ohrlöcher machen lassen. Beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Juwelier, in Apotheken oder Piercingstudios können Eltern schon Babys Ohrlöcher entweder stechen oder schießen lassen. Beim Stechen wird das Ohrläppchen gereinigt und mit einer sterilen Nadel durchstochen, der Schmuck wird anschließend eingesetzt und verschlossen. Schneller geht es mit einer Pistole, die mit Druck den medizinischen, antiallergischen Schmuck direkt durch das weiche Gewebe schießt. Das Gerät verschließt den Stecker auf der Rückseite in diesem Zuge gleich mit. Diese Methode wird in den meisten Fällen angewendet. Zu beachten ist hierbei, dass das Gerät einen kleinen Knall erzeugt, wodurch sich Babys und Kinder erschrecken können und reflexartig ihren Kopf wegziehen können.

Wichtig ist in jeden Fall, die Pflege der durchstochenen Ohren zu beachten. Das Ohrloch muss täglich gereinigt werden, schwimmen ist für Kinder in den ersten Wochen tabu, genauso wie das Haarewaschen in den ersten drei Tagen. 

Die Kosten für das Stechen oder Schießen decken sich und liegen etwa bei 20 bis 50 Euro.

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