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Studie zu Impfschutz

Ist mein Kind vor Meningokokken geschützt?

Eine aktuelle Studie zeigt: Viele Eltern kennen den Impfstatus ihrer eigenen Kinder nicht genau. Unserer Autorin Silke ging es ähnlich. Hier schreibt sie, warum sie das geändert hat – und sich künftig ausgiebig informiert.

Wir schreiben das Jahr 1951. Ein Baby wird von seinem Vater zum Kinderarzt gebracht. Es hat hohes Fieber, wirkt benommen und verkrampft immer wieder. So starke Grippe-Symptome hatten die Eltern bislang weder bei diesem Kind noch bei der älteren Schwester erlebt. Der ohnehin schon völlig aufgelöste Vater ist entsetzt: Ausgerechnet heute ist der Arzt des Dorfes nicht da. Der Arzt, den er seit Jahren kennt und dem er vertraut. Ein junger Kollege aus der Stadt vertritt ihn. Dem Vater gefällt nicht, dass jemand Fremdes sein Baby anfasst – doch was bleibt ihm übrig? Der junge Mediziner untersucht das Baby und diagnostiziert eine lebensgefährliche Meningokokken-Infektion. Gerade noch rechtzeitig, um sie mit Penicillin zu behandeln.

Glück im Unglück

Ob der alteingesessene, kurz vor der Pension stehende Dorfarzt, der ausgerechnet heute im Urlaub war, die Symptome richtig gedeutet hätte, weiß man nicht. Denn sie gleichen sehr denen einer Grippe und sind gerade bei Kindern schwer als Anzeichen einer Meningokokken-Infektion zu interpretieren. Eins aber ist sicher: Das Penicillin, mit dem der junge Arzt das Baby behandelt hat, gehörte 1951 noch nicht zu den Medikamenten, die jeder Mediziner mit Selbstverständnis einsetzte. Der junge Kollege aus der Stadt setzte es bereits ein – der Dorfarzt nicht. Wäre an diesem Tag er in der Praxis gewesen und nicht der junge Vertretungsarzt, wäre das Kind nicht mit diesem Antibiotikum behandelt worden. Und es hätte die Infektion nicht überlebt. 

Nur eine Geschichte aus dem Internet?

Tragisch-schöne Geschichten wie diese entdeckt man im Internet immer wieder. Meist sind sie für Soziale Medien als kleines Video aufbereitet, mit Textzeilen, die über emotionale Fotos gelegt werden. Anekdoten aus dem Leben von Unbekannten, die so schicksalhaft, so unwahrscheinlich klingen, dass man sich nicht sicher ist, ob sie wahr sind.

Die Geschichte über ein Baby, dessen Leben im Jahr 1951 von einem jungen Vertretungsarzt gerettet wurde, ist keines dieser Facebook-Videos. Es ist die Geschichte meines Vaters. Er erkrankte im Alter von 18 Monaten an einer Meningokokken-Infektion. Hätte der junge Arzt damals nicht das Penicillin in das medizinisch rückständige Dorfleben mitgebracht, würde es meinen Vater, meine Schwester und mich als auch unsere Kinder heute nicht geben.

Sind meine Kinder besser geschützt?

Kennt man diese Geschichte, ist es leicht nachvollziehbar, dass ich meine Kinder gegen Meningokokken habe impfen lassen. Und damit bin ich heute natürlich nicht allein, schließlich empfiehlt mittlerweile sogar die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Meningokokken-Impfung. Und auf die Empfehlung der STIKO vertrauen hierzulande die meisten Eltern – genau wie ich. Doch genau da liegt der Knackpunkt, der mich persönlich wirklich sprachlos gemacht hat: Denn die von der STIKO empfohlene Impfung allein schützt gar nicht bestmöglich gegen die Bakterien.

Welche Meningokokken-Impfungen gibt es?

Meningokokken sind Bakterien, die über Tröpfcheninfektion (also zum Beispiel durch Sprechen, Husten, Küssen) übertragen werden. Es gibt verschiedene Meningokokken-Typen: Typ B ist mit knapp 60 Prozent für die meisten Fälle in Deutschland verantwortlich – gefolgt von C, W, Y und A. Die von der STIKO empfohlene Impfung schützt allerdings nur vor dem Typ C. Neben dieser Meningokokken-C-Impfung gibt es eine Kombinationsimpfung gegen die Typen ACWY sowie eine Impfung gegen Typ B. Beide kann man beim Kinderarzt erfragen – doch dafür muss man sie natürlich kennen. 

Nur 28 Prozent der Eltern kennen diese Typen

Mit meinem früheren Unwissen bin ich nicht allein: Eine aktuelle internationale Studie zeigt, dass nur 28 Prozent der befragten Eltern in Deutschland wissen, dass es verschiedene Meningokokken-Typen gibt – und daher auch verschiedene Impfungen. Viele glauben, die Kinder seien durch die von der STIKO empfohlene Standardimpfung bestmöglich gegen die Bakterien geschützt. Doch das stimmt nicht. Mein Tipp deshalb: Informiert euch frühzeitig über mögliche Impfungen für einen bestmöglichen Schutz gegen Meningokokken.

Babys und Kleinkinder haben das höchste Erkrankungsrisiko, da ihr Immunsystems noch nicht ausgereift ist. Mit knapp 300 Fällen pro Jahr sind Meningokokken-Erkrankungen in Deutschland selten, können aber innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich verlaufen und zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) und zu einer Blutvergiftung führen. Bis zu zehn Prozent der Erkrankten versterben trotz intensivmedizinischer Behandlung. Das Fortschreiten der Erkrankung kann nur mit der rechtzeitigen Gabe eines Antibiotikums aufgehalten werden. 

An welchem Typ mein Vater 1951 erkrankte, weiß er nicht – schließlich war er damals erst 18 Monate alt. Sicher ist: Er war gegen keinen einzigen der Bakterien-Typen geimpft. Und ist erleichtert, dass ich seine Enkelkinder heute besser schützen kann.

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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