Oh bei der U

Wenn die U-Untersuchung auffällig verläuft ...

Wenn das Kind bei der Vorsorgeuntersuchung nicht so abschneidet wie im Untersuchungsheft vorgesehen, verunsichert das viele Eltern. Aber ist eine Abweichung von der Norm tatsächlich immer ein Grund, sich Sorgen zu machen? Wir haben mit einer Kinderärztin darüber gesprochen.

Starten wir mit einer guten Nachricht: Die meisten Abweichungen, die der Kinderarzt bei der U-Untersuchung notiert, sind temporärer Natur. "Die kann man in der Regel mit ein bisschen Förderung gut in den Griff bekommen", sagt die Kinderärztin Dr. Sabine Hussack – und will Eltern damit die Sorge nehmen, dass ein außerplanmäßiger Eintrag ins U-Heft direkt massive Konsequenzen haben muss. In den meisten Fällen, so sagt sie, sind die Auffälligkeiten an diesem einen Termin nicht schwerwiegend.

Was, wenn bei der U-Untersuchung nicht alles in Ordnung ist?

Dennoch: Wenn wir mal keine Notiz à la "alles in Ordnung" im U-Heft finden, wächst die Besorgnis. Was bedeutet es, wenn das Gewicht nicht im durchschnitttlichen Perzentilenbereich liegt? Wann müssen wir aktiv werden? Dr. Hussack beruhigt: "Das Gewicht ist immer ein Thema, oft haben Eltern Angst, dass ihr Kind zu leicht oder zu schwer ist. Gerade bei leichten Kinder frage ich immer, wie es bei den Eltern war. Denn es gibt auch eine genetische Grundvoraussetzung. Wenn das Kind in den Perzentilen parallel läuft, also z. B. konstant auf der 10 ist, dann ist das okay. Solange das Kind zufrieden ist, gut schläft und die Grundfunktionen zufriedenstellend sind, kann da nicht viel im Argen sein."

Gleiches gilt für die Größe. Manche Kinder sind von Hause aus eher groß oder klein, weil die Eltern es auch sind. Eine schwerwiegende Erkrankung steckt in aller Regel nicht dahinter. Und wenn, reicht ein Blick in der U-Untersuchung oft gar nicht aus. Meist kennen Kinderarzt und Familie sich aber seit der Geburt der Kleinen. So lässt sich gut einschätzen, wann Handlungsbedarf besteht.

Wieso das Protokoll wichtig ist

Natürlich werden Auffälligkeiten bei der U-Untersuchung protokolliert – dies dient aber auch dazu, die Kinder anschließend Unterstützung geben zu können. Zum Beispiel bei motorischen Entwicklungsverzögerungen durch Physiotherapie, bei sprachlichen Verzögerungen durch Logopädie. Selbst dabei gibt es oft Uneinigkeit, ob nicht zu früh an vermeintlichen Auffälligkeiten "herumoptimiert" wird, die mit der Zeit von allein verschwinden. Denn während viele Eltern das Lispeln ihrer Kinder vielleicht nervös macht, sagen manche Logopäden, dass vor dem Zahnwechsel eigentlich kein Handlungsbedarf bestünde. Dieses Beispiel soll auch verdeutlichen, dass wenig, was in den U-Untersuchungen auffällig ist, permanenter Natur ist. Oft gibt es bei einer Auffälligkeit einen weiteren Termin ein paar Wochen später, um zu überprüfen, ob sich alles gegeben hat – oder tatsächlich weitere Schritte erforderlich sind.

"Viele Kinder haben das Potenzial aufzuholen", sagt Dr. Hussack, "Auch wenn sie vielleicht aktuell noch Defizite haben. Ein Klassiker: Das Kind dreht sich zu einer Vorsorgeuntersuchung nicht. Das macht den Eltern Kopfzerbrechen. Oft ist es aber so, dass die Familie wenige Tage später bei mir anruft und sagt: 'Jetzt hat es doch geklappt.' Eltern machen sich schnell Sorgen, dabei ist es eben ein Meilenstein der einfach noch nicht dran war." Hier helfen Gelassenheit und Vertrauen in den Kinderarzt. "Es gibt viele Kleinigkeiten, die für uns Ärzte wirklich Kleinigkeiten sind, die den Eltern aber trotzdem Sorgen bereiten", so Hussack. Hilfreich sei, sich bewusst zu machen, dass jedes Kind sein eigenes Entwicklungstempo und seine eigene Dynamik hat, Vergleiche nicht zielführend sind.

Wann ist eine U-Untersuchung auffällig?

Wann aber wird denn nun ein Kreuz gesetzt, wann ist eine U-Untersuchung auffällig? Die Kinderärztin sagt, sie setze "dann ein Kreuz, wenn es um motorische Entwicklungen geht und da größere Defizite sind. Bei ein, zwei Sachen, ist das kein Problem. Wenn ich aber merke, es ist ein globaleres Thema, dann vermerke ich das und beruhige gleichzeitig die Eltern. Denn es kann ja viele Ursachen haben, wieso es motorisch gerade etwas schwieriger ist. Vielleicht ist das Kind gerade mit anderen Sachen beschäftigt, die wir von außen gar nicht sehen können. Man kann ja auch erst mal eine Physiotherapie machen, so als kleinen Anstupser, um dem Kind eine Hilfestellung zu geben.“

Ein weiterer Klassiker ist die sprachliche Entwicklung, wenn Kinder bei der U7 eine bestimmte Anzahl Worte sprechen sollten und da hinterherhängen. "Wenn man dann aber nachfragt, stellt sich oft raus, dass ein Elternteil auch eher spät gesprochen hat. Und heute sprechen sie super. Daran zu erinnern, entlastet Eltern auch. Unsere Erfahrung zeigt: Logopädische Probleme sieht man immer erst im Verlauf von ein paar Jahren." Manchmal kann auch ein Hörtest hilfreich sein, denn Kinder, die nicht gut hören, haben Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung.

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