Alle Untersuchungen im Überblick

U-Untersuchungen: Früh erkennen, schnell behandeln

Die Untersuchungen U1 bis U9 dienen dazu, die Gesundheit und Entwicklung von Kindern in regelmäßigen, festgelegten Abständen zu überprüfen. So können Ärzte Auffälligkeiten früher erkennen und behandeln.

Bei den Früherkennungsuntersuchungen kann der Arzt feststellen, ob sich ein Kind gesund und altersgemäß entwickelt. Die Untersuchungen finden in festgelegten Zeiträumen statt, die unbedingt eingehalten werden sollten. Denn die Erkennung und Behandlung einiger Erkrankungen ist oftmals nur in einer bestimmten Altersspanne Erfolg versprechend. Gleiches gilt für die körperliche, geistige und seelische Entwicklung des Kindes: Die Untersuchungstermine sind so festgelegt, dass der Arzt wichtige Entwicklungsschritte, die in der Regel in bestimmten Zeitspannen erfolgen, gut beurteilen und eventuelle Verzögerungen besser feststellen kann.

Nach der Geburt erhalten Eltern für die anstehenden Vorsorgeuntersuchungen das Kinderuntersuchungsheft, auch "Gelbes Heft" genannt, das 2016 komplett überarbeitet wurde. Darin werden die Ergebnisse aller U1- bis U9-Untersuchungen dokumentiert. 

Sind U-Untersuchungen verpflichtend?

Eine Pflicht zur Teilnahme gibt es nicht – außer in diesen drei Bundesländern: 

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Hessen

Dennoch ist das Einhalten der Früherkennungsuntersuchungen U1–U9 empfehlenswert für alle Kinder. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nutzen fast alle Eltern in den ersten beiden Lebensjahren die Möglichkeit der Gesundheitsprophylaxe. Danach sinken die Teilnahmezahlen jedoch drastisch. Die U8 und die U9 werden nur noch von 63 Prozent wahrgenommen. Werden die Termine nicht wahrgenommen, werden das Jugendamt und das Gesundheitsamt informiert. So sollen Vernachlässigungen und Misshandlungen von Kindern frühzeitig verhindert werden. 

Werden die U-Untersuchungen in den vorgegebenen Zeitspannen durchgeführt, übernimmt die Krankenkasse alle Kosten. 

APGAR-Test

Schon gleich nach der Geburt erwartet das Baby die erste medizinische Untersuchung. Es wird gewogen, gemessen und Blut aus der Nabelschnur entnommen. Der so erhobene APGAR-Score richtet sich nach den allgemeinen Vitalzeichen des Kindes und gibt Hinweise auf den Gesundheitszustand des Neugeborenen beziehungsweise darauf, wie schnell es sich an die Umgebung außerhalb des Mutterleibs anpasst.. Beim APGAR-Test werden Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen und Reflexe beurteilt. 

U1: Nach der Entbindung

Im Rahmen der U1 überprüft der Arzt oder die Hebamme, ob dein Baby die Geburt gut überstanden hat. Außerdem werden erneut Gewicht und Größe bestimmt. Bei der umfangreichen Untersuchung hört der Arzt das Baby ab, um mögliche Herz- oder Lungenfehler rechtzeitig zu erkennen. Zudem tastet er das Kleine ab, untersucht den Kreislauf, die Muskelanspannung, die angeborenen Reflexe, den Bauch und bei Jungen die korrekte Lage der Hoden. Ist das Schlüsselbein des Kleinen heil geblieben? Als breiteste Stelle des Körpers ist es bei der Geburt besonders gefährdet. Der Arzt untersucht äußerlich erkennbare Fehlbildungen und gibt Vitamin-K-Tropfen zur Vorbeugung innerer Blutungen.

U2: 3. bis 10. Lebenstag

Einige Erkrankungen zeigen sich erst in den ersten Lebenstagen, wie etwa die Neugeborenengelbsucht. Falls die Blutuntersuchung auf Stoffwechselstörungen noch nicht erfolgt ist, steht sie spätestens jetzt an. Dazu pikst der Arzt das Neugeborene in die Ferse und nimmt ein paar Tropfen Blut ab. Mit diesem Test können schwerwiegende, aber gut behandelbare Stoffwechselstörungen erkannt bzw. ausgeschlossen werden. Neu seit 2016 ist das Screening auf Mukoviszidose. Außerdem wird seit einiger Zeit ein spezielles Neugeborenen- Hörscreening angeboten. So erkennen Mediziner frühzeitig viele Formen der Schwerhörigkeit. Mit einer kleinen Lampe checkt der Arzt außerdem, wie das Baby auf optische Reize reagiert. Mit einer Reihe verschiedener Reflex-Tests überprüft der Arzt, ob mit Babys Bewegungsapparat und Körperspannung alles in Ordnung ist. Beginnt es zu saugen, wenn man seine Lippen berührt? Greift es zu, wenn man seine Handinnenflächen streichelt? Der Arzt berät zudem über die Vitamin-D-Prophylaxe. Zudem ist die U2 ein guter Zeitpunkt, um alle Fragen loszuwerden, die in den letzten Tagen beziehungsweise ersten Tagen nach der Geburt aufgetaucht sind.

Meistens wird die U2 kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus durchgeführt. Hat die Mutter ambulant entbunden oder ist vor dem dritten Lebenstag nach Hause entlassen worden, ist der Kinderarzt vor Ort für die U2 zuständig. Eltern sollten sich am besten schon vorab eine Praxis suchen.

U3: 4. bis 5. Lebenswoche

Diese Kontrolle beim Kinderarzt konzentriert sich neben der Ganzkörperuntersuchung auf die korrekte Entwicklung der Sinne, um Entwicklungsauffälligkeiten möglichst frühzeitig zu erkennen. Per Ultraschall werden die Hüftgelenke des Babys überprüft. Eine rechtzeitig erkannte Hüftdysplasie lässt sich meist mit wenig Aufwand korrigieren und erspart den Kleinen so später schmerzhafte Behandlungen. Vorbeugende Maßnahmen, die den plötzlichen Kindstod verhindern sollen, sowie das Thema Stillen und Ernährung werden besprochen. Außerdem erfolgt eine erste Impfberatung.

U4: 3. - 4. Lebensmonat

Drei bis vier Monate nach der Geburt nimmt das Baby seine Umgebung sehr viel intensiver wahr, die Entwicklungsfortschritte sind enorm. Deshalb steht jetzt auch die vierte große Vorsorgeuntersuchung an. Der Arzt kontrolliert, ob das Kind sich angemessen entwickelt – sowohl geistig als auch körperlich. Er schaut, wie es sich bewegt, wie ausgeprägt die Reflexe sind und wie es auf direkte Kontaktaufnahme reagiert. Beim Motoriktest schaut der Arzt, ob das Baby in der Bauchlage sein Köpfchen schon halten kann und ob es sich dabei auf die Unterarme stützt. Auch die Fontanelle wird begutachtet – die Knochenlücke sorgt dafür, dass der Schädel des Kindes problemlos wachsen kann. 

Bei der U4 kann die erste Schutzimpfung verabreicht werden. Für gewöhnlich haben Eltern bei der U3 eine Broschüre erhalten, um sich zu Hause ausreichend zu informieren. Hier findest du eine Übersicht aller wichtigen Impfungen für Kinder

U5: 6. - 7. Lebensmonat

Neben den Routine-Untersuchungen – wie groß ist das Baby, wie viel wiegt ist und welchen Umfang hat das Köpfchen – steht bei der U5 die körperliche Entwicklung im Vordergrund. Der Arzt testet die Reflexe und Bewegungsabläufe: Kann sich das Baby schon auf den Bauch drehen, den Kopf heben und sich abstützen, nach Dingen greifen und sie weitergeben?

Auch die Ohren und die Augen werden untersucht, um zu sehen ob das Baby richtig hören und sehen kann. Bei der U5 schaut der Arzt auch, ob das Baby schielt. Und er kontrolliert, ob es brabbeln kann und dabei verschiedene Laute machen kann.

U6: 10. - 12. Lebensmonat

Bei der U6 geht es vorrangig um neu erlente Fähigkeiten: Kann das Baby selbstständig stehen? Oder vielleicht sogar schon laufen? Klappt der Pinzettengriff? Auch das Sprachvermögen prüft der Arzt – zweisilbige Wörter wie Mama oder Papa können die meisten Kinder in diesem Alter sagen. Bei der U6 stehen zudem, wenn gewünscht, weitere Impfungen an.

U7: 21. bis 24. Lebensmonat

Es steht ein standardisierter Sehtest an, die sprachliche Entwicklung wird kontrolliert. Fehlende Impfungen werden nachgeholt. Der Arzt berät zu Ernährung und Kariesprophylaxe.

U7a: 34. - 36. Lebensmonat

Spätestens jetzt kommt das Kind in die Kita – jetzt finden wichtige Entwicklungsprozesse statt. Der Arzt überprüft die körperliche und geistige Entwicklung und macht einen Sehtest. Außerdem schaut er nach, ob Zähne und Kiefer gut entwickelt sind. Wie sieht das Sprachvermögen des Kindes aus? Er berät zu Impfungen und Kariesprohylaxe.

U8: 46. bis 48. Lebensmonat

Neben der körperlichen Entwicklung liegt bei der U8 der Schwerpunkt auf der geistigen Entwicklung, der Sprache und der Feinmotorik. Kann sich das Kind schon verständlich ausdrücken? Entwickelt es sich altersgerecht? Wie verhält sich das Kind innerhalb der Familie und unter anderen Kindern? Auch ein apparativer Hörtest wird vorgenommen.

U9: 60. - 64. Lebensmonat

Die U9 ist besonders wichtig, da sie im Jahr vor der Einschulung erfolgt. Der Kinderarzt prüft, ob die Feinmotorik altersentsprechend ist. Beweglichkeit und Geschicklichkeit werden überprüft. Außerdem im Fokus: Wie sind die sozialen Fähigkeiten, Sprachverständnis, Hör- und Sehvermögen? Die U9 erfolgt allerdings unabhängig von der Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamtes.

U10: 7. - 8. Lebensjahr

Die U10 ist eine freiwillige Vorsorgeuntersuhung. Neben dem körperlichen Check untersucht der Arzt auch die schulische Entwicklung. Mithilfe eines Fragebogens und eines persönlichen Gesprächs klärt der Kinderarzt mögliche Schulleistungs- und Entwicklungsstörungen wie z. B. Legasthenie und Dyskalkulie, aber auch Verhaltensauffälligkeiten, die z. B. auf das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) hinweisen können. 

Die U10 ist ebenso wie die U11 eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung, die die große Lücke zwischen der U9 für Fünfjährige und der J1 für Jugendliche im Alter von 13 bis 14 Jahren schließen soll. Die Kosten für diese Untersuchungen werden noch nicht von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sie belaufen sich nach Angaben des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte auf etwa 50 Euro. Am besten erkundigt ihr euch bei eurer Krankenkasse, ob die Kosten für die U10 und U11 übernommen werden.  

U11: 9.-10. Lebensjahr

Die U11 ist ein Check-up für Dritt- und Viertklässler. Neben der körperlichen Untersuchung geht es wie bei der U10 ebenfalls um die schulische Entwicklung. Der Arzt klärt mögliche Probleme, die auf eine Lese-und Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche hindeuten könnten. Auch fragt er nach Verhaltensauffälligkeiten, die ein Zeichen für ADHS sein könnten. Zusätzlich stehen die Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten des Kindes auf dem Prüfstand.

Teile diesen Artikel: