Erste Hilfe

Fieberkrampf bei Babys und Kindern: Was im Notfall zu tun ist

Ein harmloser Infekt kann schon ausreichen und dazu führen, dass die Körpertemperatur beim Kind sprunghaft ansteigt. Die Folge: ein Fieberkrampf. Eine Notfallsituation. Das können Eltern tun.

Der Blick wird leer, der kleine Körper schlaff, die Muskeln zucken. Ein Fieberkrampf bei Babys oder Kindern sieht einfach furchtbar aus, aber: "Herzschlag, Atmung und alle Organe arbeiten die ganze Zeit normal weiter", beruhigt Dr. Gerhard Veits, Kinderarzt aus Wiesloch. Ein kleiner Infekt kann jedoch schon ausreichen, dass die Körpertemperatur bei Kindern sprunghaft ansteigt: Das Gehirn fährt für Minuten herunter, der Körper krampft.

Genauer erklärt: Was ist ein Fieberkrampf?

Bei einem Fieberkrampf handelt es sich um einen vom Gehirn ausgehenden Krampfanfall, der bei Babys und Kindern im Rahmen eines fieberhaften Infektes auftreten kann. Auslöser ist in den meisten Fällen ein plötzlicher, schneller Fieberanstieg. Je schneller der Temperaturanstieg ausfällt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Fieberkrampf kommt. Auslöser ist dementsprechend nicht bloß die Höhe des Fiebers, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der es steigt. 

Fieberkrämpfe betreffen circa drei bis fünf Prozent aller Kinder – vor allem Babys und Kleinkinder zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr. Besonders häufig treten die Krampfanfälle im Alter von ein bis drei Jahren auf. Kinder, die unter einem Fieberkrampf leiden, sind normal entwickelt. Und auch sonst gesund. Es liegen keine anderen Erkrankungen des Gehirns vor.

Fieberkrampf: Symptome und Anzeichen für den Kindernotfall

In den meisten Fällen kommt es zu einem sogenannten "einfachen Fieberkrampf", der nach wenigen Minuten wieder von selbst verschwindet. Für Eltern wirken die Anzeichen sehr dramatisch und schlimm, doch das Kind erholt sich schnell davon. Mögliche Symptome eines einfachen Fieberkrampfes sind: 

  • Bewusstseinsverlust, kein Reagieren auf Reize
  • Verdrehen der Augen
  • Blaufärbung im Bereich der Lippen (Zyanose)
  • Muskelverspannung
  • Muskelzucken (z. B. Arme, Beine oder im Gesicht)
  • Schlaffheit

Nur selten geht der Anfall nicht von selbst vorüber – dann kann er länger als 15 Minuten dauern. Gestoppt wird der Fieberkrampf dann durch Medikamente. Dann sprechen Mediziner von einem sogenannten "komplizierten Fieberkrampf".

Was tun bei einem Fieberkrampf? So reagieren Eltern richtig

Euer Kind hat zum ersten Mal einen Fieberkrampf? Dann erst mal Ruhe bewahren. Und auf die Uhr schauen. Wie lange dauert der Anfall eures Kindes genau? Lockert die Kleidung und zieht das Kind (wenn nötig) etwas aus. So kann es auch freier atmen. Wichtig: Niemals Getränke oder Lebensmittel in einer solchen Situation geben, das Kind kann daran ersticken. Auch wenn euer Kind im Fieberkrampf bewusstlos geworden ist, solltet ihr es unter keinen Umständen schütteln. Genauso wenig ist kaltes Wasser eine Hilfe. Verständigt lieber rasch einen Kinderarzt oder wählt den Notruf. Ist der Anfall vorbei, wird die Temperatur gemessen und das Fieber gegebenenfalls durch Fieberzäpfchen und kühle Wickel gesenkt. 

Gut zu wissen: Erleidet ein Kind zum wiederholten Male einen Fieberkrampf und dauert der Anfall länger als einige Minuten, ist die Gabe eines Notfallmedikaments sinnvoll. Befragt dazu bitte unbedingt euren Kinderarzt. 

Fieberkrampf: Was tun, wenn es zum Anfall kommt? Ein Kurzüberblick

  • Das Kind hinlegen: Auf eine Krabbeldecke auf dem Boden, der Hinterkopf soll weich liegen.
  • Den Mund frei machen: Schnuller herausnehmen, nichts zu trinken geben.
  • Fieber senken: Body oder Hemd hochschieben. Wenn möglich, warme Sachen ausziehen, bevor das Krampfen beginnt.
  • Auf die Uhr schauen: Nach zwei bis drei Minuten ebbt ein Fieberkrampf normalerweise ab. Das Kind ist zwar erschöpft, braucht aber keine Behandlung.
  • (Stabile) Seitenlage: Ist das Kind bewusstlos, bringt es in die stabile Seitenlage oder Seitenlage, damit der Speichel abfließen kann. 

Auch wenn ein Fieberkrampf meist harmlos ausgeht: Nach einem Fieberkrampf solltet ihr euer Kind dem Kinderarzt vorstellen, um eine Hirnhautentzündung oder andere schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Wichtig: Dauert ein Anfall länger als sechs Minuten (sehr selten), schnellstmöglich den Notarzt rufen. Zum Kinderarzt sollten Eltern mit einem Fieberkrampf, wenn das Kleinkind jünger als zwei Jahre ist oder zum ersten Mal krampft.

Der Fieberkrampf – eine Sache der Veranlagung?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. beruhen Fieberkrämpfe auf einer gewissen Veranlagung des Gehirns. Sie kann dazu führen, dass Kinder in einer bestimmten Entwicklungsphase mit Krampfanfällen auf Fieber reagieren. Diese Anfälle kommen in einigen Familien gleich bei mehreren Familienmitgliedern vor. Das Vorkommen kann also genetisch bedingt sein. 

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Bringt ein Fieberkrampf Folgen mit sich?

Die gute Nachricht: Fieberkrämpfe schädigen nicht das Gehirn. Kinder, die Fieberkrämpfe haben, entwickeln sich also genauso wie andere Kinder ohne Fieberkrämpfe. Allerdings kann es sein, dass ein Kind nach dem ersten Fieberkrampf auch weitere solcher Anfälle erleben wird. Es besteht also durchaus eine gewisse Neigung zu Fieberkrämpfen. Aber: Diese Neigung verschwindet spätestens im Schulalter.

Vorbeugung: Lässt sich ein Fieberkrampf bei Babys und Kleinkindern verhindern?

Leider lässt sich ein erneuter Fieberkrampf nicht wirklich verhindern. Auch nicht, wenn die Eltern konsequent und schnell das Fieber senken. Denn: Die Anfälle treten in der Regel im Fieberanstieg auf, weshalb sie schlecht vorherzusehen sind. Wichtig: Macht euch keine Vorwürfe, wenn es bei eurem Liebling zu einem weiteren Fieberkrampf kommt. 

Im Allgemeinen gilt: Bei fieberhaften Infekten kann hohes Fieber, unter dem das Kind zu leiden scheint, mit den vom Kinderarzt empfohlenen Medikamenten und Maßnahmen gesenkt werden. In speziellen Fällen raten Mediziner bei Kindern mit komplizierten oder wiederholten Fieberkrämpfen zu einer kurzzeitigen, vorbeugenden Gabe eines krampflösenden Medikaments. 

Text: Michelle Kröger

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