Ursachen, Symptome, Behandlung

Wasserkopf bei Baby und Kind

Haben Babys oder kleine Kinder einen vergrößerten Kopfumfang, kann dies auf ein Zuviel an Hirnwasser im Schädel hindeuten. Die Medizin nennt dieses Phänomen "Hydrocephalus", was umgangssprachlich so viel wie "Wasserkopf" bedeutet. Je früher die Störung diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung und eine altersgerechte Entwicklung.

Definition Wasserkopf: Was ist ein Hydrocephalus?

Der menschliche Körper produziert ständig Hirnwasser (Liquor). Das Gehirn wird dadurch zum Beispiel vor Stößen geschützt, gereinigt und genährt. Normalerweise steht die Produktion und der Abtransport der Körperflüssigkeit im Gleichgewicht. Ist dieses gestört, kommt es zu einer zunehmenden Erweiterung der ansonsten schmalen, mit Liquor gefüllten Hirnkammern. Das Gehirn gerät wortwörtlich unter Druck. Da die Knochen bei Babys noch nicht fest sind, führt der Platzmangel dazu, dass sich der Schädel stark ausdehnt. Erfolgt eine Behandlung zu spät, kann das Gehirn nachhaltig geschädigt werden. Aber so weit muss es nicht kommen.

Die Ursachen für einen Wasserkopf

"Die Ursachen des Hydrocephalus sind vielfältig, gerade bei Kindern", sagt Prof. Martina Messing-Jünger. Die Chefärztin der Abteilung für Kinderneurochirurgie in der Asklepios-Klinik Sankt Augustin erklärt: "Der Hydrocephalus kann angeboren oder erworben sein. In einigen Fällen ist der Wasserkopf auch genetisch bedingt. Die Störung selbst ist keine eigenständige Krankheit, sondern eher als Symptom zu sehen."

Dahinterstecken kann zum Beispiel eine Hirnblutung, wie sie bei neugeborenen Frühchen in den ersten Lebenstagen manchmal auftritt, eine Meningitis-Infektion des Säuglings oder in der Schwangerschaft. Ursache kann aber auch ein Tumor im Kopf sein. "Hirntumore sind nach Leukämie die häufigste Krebserkrankung bei Kindern", so Messing-Jünger.

"Auch Unfälle und Kindesmisshandlungen können zu einem Hydrocephalus führen. Bei Babys kann die Störung durch ein Schütteltrauma ausgelöst werden", berichtet die Professorin. Da die Kindesmisshandlungen seit Beginn der Pandemie zunehmen, wächst auch die Zahl der zu behandelnden Fälle in der Neurochirurgie.

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Unsere Expertin

Prof. Dr. med. Martina Messing-Jünger ist Chefärztin der Abteilung für Kinderneurochirurgie in der Asklepios Klinik Sankt Augustin. Sie gehört zu den renommiertesten und erfahrensten Ärztinnen auf dem Gebiet der Kinder-Neurochirurgie, die für die Behandlung eines Hydrocephalus zuständig ist. Prof. Messing-Jünger ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Vollständige Statistiken über die Häufigkeit des Hydrocephalus gibt es nicht. Prof. Martina Messing-Jünger: "In Deutschland kommen pro Jahr zwei bis drei Babys je 1.000 Lebendgeborene mit einem angeborenen Hydrocephalus zur Welt. Etwa nach einer Infektion in der Schwangerschaft oder aufgrund einer Hirnfehlbildung. Hinzu kommen jährlich bis zu fünf Fälle gemessen an 100.000 Einwohnern, die behandelt werden müssen. Insgesamt ist die Zahl der Hydrocephalus-Störungen in den westlichen Industrienationen aber im Vergleich zu den Entwicklungsländern – wo die Kinder unter anderem an viel mehr Infektionen leiden – eher selten."

Symptome und Diagnose

Dennoch sollten Eltern laut der Chefärztin sensibel für das Thema sein, denn eine frühe Diagnose und Behandlung ist besonders wichtig, um langfristige Schäden zu vermeiden. "Bei den U-Untersuchungen sollte immer darauf geachtet werden, dass der Kopfumfang gemessen und ins Gelbe Heft eingetragen wird. Ist dieser Wert zu hoch, dürfen Eltern das nicht als irrelevant abtun, sondern sollten einen Radiologen aufsuchen", rät Martina Messing-Jünger. Mithilfe von Ultraschall können aufgeblähte Hirnwasserkammern erkannt werden. Eine Kernspintomografie (MRT) des Gehirns gibt anschließend Aufschluss über die genaue Ursache. Computertomografien sollten bei kleinen Kindern aufgrund der Strahlenbelastung vermieden werden.

Weitere Symptome eines Hydrocephalus sind eine stark vorgewölbte Fontanelle und – bei Kindern ab zwei Jahren – unter anderem Kopfschmerzen, Erbrechen, Sehstörungen, Bewegungsstörungen und Krampfanfälle.

In der Schwangerschaft wird im Rahmen der pränatalen Diagnostik festgestellt, ob beim Fötus eine Hirnkammererweiterung vorliegt. Ist dies der Fall, wird eine Beratung durch eine kinderneurochirurgische Fachabteilung empfohlen. Mit einer Behandlung sofort nach der Geburt erzielt man oft gute Erfolge.

Behandlung und Prognose

Wurde ein Wasserkopf diagnostiziert, ist das oberste Behandlungsziel zunächst, den erhöhten Hirndruck zu vermeiden. "Der Abfluss des Hirnwassers kann reguliert werden, indem eine Ableitung, ein sogenannter Shunt, implantiert wird. Möglicherweise wird es weitere Operationen geben müssen, weil der Shunt mehrmals erneuert werden muss", erklärt Prof. Messing-Jünger. In bestimmten Fällen können auch endoskopische Eingriffe ohne Shuntimplantation zu einer Heilung führen. "Ein Hydrocephalus kann heutzutage gut kontrolliert oder beseitigt werden. Danach haben die Kinder die Chance auf eine normale Entwicklung", so die Chefärztin.

Neben der Störung des Hirnwasservolumens muss aber natürlich auch die Ursache des Wasserkopfes behandelt werden. Je nach Krankheitsbild kann dies sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt betroffene Kinder, die sich völlig normal entwickeln, andere haben jedoch zugrundeliegende Hirnschädigungen und dadurch bedingte Behinderungen.

"Entscheidend ist in jedem Fall der frühzeitige Beginn der Therapie. Wenn der Hydrocephalus rechtzeitig behandelt wird, kann sich ein Säugling mit Wasserkopf normal weiterentwickeln", betont die Professorin. "Wird die Störung nicht behandelt, kann es sein, dass das Kind noch jahrelang unauffällig ist und erst im Schulalter kognitive Beeinträchtigungen zeigt", so die Expertin.

Bei Fragen, Unsicherheiten oder Klärungsbedarf sollten sich Eltern an ihren Kinderarzt und/oder an eine spezialisierte Abteilung für Kinderneurochirurgie wenden. Es gibt auch Selbsthilfeorganisationen, die Informationsmaterial und Beratungen anbieten, wie zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Spina Bifida und Hydrocephalus.

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