Tagschläfchen

Ab wann kein Mittagsschlaf mehr?

Im Kleinkindalter stellt sich irgendwann die Frage: Braucht mein Kind seinen Mittagsschlaf überhaupt noch? Oder ist es schon reif für die ganze Portion Tag – ohne Schläfchen? Wir haben mit einer Expertin gesprochen.

Kaum ein Thema bewegt junge Eltern in den ersten Lebensjahren ihrer Kleinen mehr als der Schlaf. Ganz am Anfang freut man sich noch über die zahlreichen Schlummerstunden – und wartet sehnsüchtig auf die wenigen Wachminuten des Tages. Dann folgt schnell die Phase des "Warum schläft mein Baby NACHTS nicht?" Irgendwann wird auch das besser.

Ja und dann fragen sich Eltern, meist zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag, zum ersten Mal: Ab wann braucht mein Kind eigentlich keinen Mittagsschlaf mehr? Ist es schon soweit, den ganzen Tag durchzurocken? Geht es dann vielleicht wieder eher schlafen? Oder steht nicht mehr so früh auf? Oder schläft wieder durch?

Warum ist der Mittagsschlaf für Kinder so wichtig?

Schlaf ist essenziell – für uns alle. Ob jung oder alt. Aber vor allem Babys und Kleinkinder benötigen noch extrem viel Schlaf. Dr. Claudia Oberle, Diplompsychologin in der Sozialpädiatrie des Klinikums Stuttgart, berät in ihrer Babysprechstunde tagtäglich Eltern von null- bis zweijährigen Kindern. Sie weiß: "Der Mittagsschlaf ist ganz ganz wichtig für kleine Kinder. In ihren Wachzeiten nehmen sie viele Reize und Informationen auf, die sie nur mit einem Tagschlaf verarbeiten können." Anders als wir Erwachsenen brauchen die kleinen Gehirne also dringend eine Pause, um am Nachmittag wieder durchstarten zu können – zu lernen und abzuspeichern. Ansonsten droht der Overload! Und den haben wohl alle Eltern schon erlebt ...

Was sorgt für einen guten Mittagsschlaf?

Die meisten Kinder mögen keine großen Überraschungen. Sie lieben Routinen und Rituale. Mit ihnen kommen die meisten Familien stressfreier durch den Tag, so auch beim Thema Schlafen. Das bedeutet: Man sollte sein Kind möglichst jeden Tag zur gleichen Uhrzeit zu Bett bringen, auch mittags. Vorher ein leichter Lunch, damit das Magenknurren den Mittagsschlaf nicht unnötig verkürzt. Dr. Oberle empfiehlt, auch für mittags ein Einschlafritual einzuführen. Dann wissen die Kleinen: Jetzt wird gleich geschlummert. Und ganz wichtig: "Unbedingt für Ruhe sorgen und das Kinderzimmer abdunkeln! Nur so wird das Gehirn nicht weiter von Reizen abgelenkt", betont die Schlafexpertin. 

Soweit so gut ... aber woran merke ich nun, dass mein Kind eigentlich aus dem Alter heraus ist und mittags überhaupt nicht mehr schlafen muss? Oder andersherum gefragt, wie stelle ich fest, dass der Mittagsschlaf noch notwendig ist?

Ab wann braucht mein Kind keinen Mittagsschlaf mehr?

Die Schlafbedürfnisse von Kindern sind extrem individuell. Deshalb wird in diesem Text keine Altersangabe zu finden sein, ab wann kein Mittagsschlaf mehr nötig ist. "So lange Kinder mittags schlafen wollen, sollte man sie auch lassen", rät Dr. Oberle grundsätzlich. Es gibt durchaus Kinder, die auch noch weit über das Kleinkindalter hinaus mittags schlafen möchten und es ihnen auch durchaus gut bekommt. Wenn also nach dem Kindergarten völlig erschöpft im Auto geschlummert wird, ist das absolut okay und sogar gesund so. Andere weigern sich schon mit nicht mal zwei Jahren gegen den Tagschlaf. Sobald der Nachwuchs tagsüber nicht mehr schlafen will, wendet sich das Blatt. Zwingen bringt dann nichts. Im Gegenteil. Dann sollte man es ruhig auch mal ohne ein Mittagsschläfchen probieren und schauen, wie es den Tag übersteht. "Wenn das Kind am Tag nicht schläft, aber trotzdem gut drauf ist und das abendliche Einschlafen genauso gut funktioniert, dann braucht es den Mittagsschlaf nicht mehr", stellt Dr. Oberle fest. Sind Kinder allerdings im Laufe des Nachmittages durch ihre Müdigkeit schlecht gelaunt, weinerlich und anhänglich und schlafen abends durch die Überreizung des Tages schlecht ein oder weit vor der regulären Zubettgehzeit, sind das eindeutige Zeichen: Euer Kleines braucht den Mittagsschlaf doch noch!

Wie lange darf der Mittagsschlaf dauern?

Länger als zwei Stunden? No Go! Dann krieg ich die Minis heute Abend nicht ins Bett. Ist das wirklich so? Kann man diese Rechnung anstellen? Und sollte man also sein Kind ruhig wecken, wenn man das Gefühl hat, es schläft zu lange? "Grundsätzlich sollte man sein Kind nie wecken", erklärt uns Dr. Oberele, denn: "Man könnte eine ungünstige Schlafphase erwischen, zum Beispiel die Traumphase oder den Tiefschlaf. Beides schwierig. Dann kann die Laune des Kindes auch schnell mal den Nachmittag verderben." Besser: Abwarten, Käffchen trinken und die Zeit mit dem schlafenden Bündel genießen. Außerdem: Einen gewissen Rhythmus hat jedes Kind. Den zu verändern ist sehr schwer, und für Kind und Eltern oft mit Stress und viel Mühe verbunden.

So klappt sanftes Aufwecken:

Da es auch immer mal Tage gibt, an denen man sein Kind doch wecken muss, kennt Dr. Oberle dafür einige gute Tipps.

  1. Langsam die Gardinen zurückschieben und Licht in das Zimmer lassen.
  2. Mit der flachen Hand sanft streicheln. Immer von unten nach oben. Beginnend bei den Füßen und den Beinen, hoch bis zum Kopf. Das wirkt anregend. (Andersrum, also von oben nach unten, würde es beruhigend wirken.)
  3. Leise mit dem Kind sprechen.
  4. Die Fingerkuppen benutzen, um den Körper etwas wach zu "kitzeln".

Ruhepausen statt Tagschlaf

Bei vielen Familien zieht sich die Phase recht lange, in der ein Mittagsschlaf eigentlich noch benötigt wird, aber das Kind nicht mehr recht will und sich oft lautstark wehrt. Manchmal kann diese Phase viele Monate lang gehen. Was nun? Nehmt euch trotzdem eine Auszeit! Es muss ja nicht immer der zweistündige Schlaf im Bettchen sein. Kuschelt euch mit euren Rabauken auf die Couch, lest die Lieblingsbücher, genießt Hörspiele oder ruhige Musik. Und ganz wichtig: "Kinder dürfen lernen, dass es diese Ruhephase am Tag gibt – auch für Mama und Papa. Sie sollten von nun an zum Tagesritual gehören", berät Dr. Oberle. Und wer weiß, vielleicht gibt der kleine Mensch ja doch noch auf und die Äuglein fallen bei Folge 11 von Conni endlich zu ...

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Unsere Autorin

Astrid Christians-Gege

Astrid Christians-Gege wird oft gefragt, wie man das als Mama von zweijährigen Zwillingsjungs und einem Vierjährigen so wuppt. Ihre Antwort: Mit starkem Kaffee, einem sehr langen Geduldsfaden und einer gesunden Work-Life-Balance.

Als Redakteurin bei Leben & erziehen lässt sie auch mal den ein oder anderen Tipp einer Dreifach-Jungsmama in ihre Artikel einfließen, aber bitte immer ohne erhobenen Zeigefinger. Denn nichts ist cooler als Mütter, die sich gegenseitig unterstützen. 

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