Achtsam wach werden

Aufwachbegleitung: Muss das sein?

Dass der Schlaf von Babys und Kleinkinder ein großes Thema wird, ist allgemein bekannt. Über Ein- und Durchschlafbegleitung liest man viel. Doch als unsere Autorin merkte, dass ihr Kind ebenso viel Zuwendung beim Aufwachen braucht, war sie lange verunsichert.

Bis vor Kurzem kannte ich den Begriff Aufwachbegleitung nicht. Dabei mache ich das seit über zwei Jahren fast jeden Morgen. Denn meine zweijährige Tochter fordert diese Begleitung in den Morgenstunden von mir ein. Weil ich davon noch nie gehört hatte und es auch nicht wirklich benennen konnte, bin ich in eine klassische Elternfalle getappt: Ich dachte, ich wäre alleine damit. Ich habe es nicht mal gegoogelt. Klar kannte ich Einschlaf- und ebenso Durchschlafbegleitung. Und darauf war ich auch vorbereitet. Die Abende gehörten nicht mehr mir. Na gut … Aber auch die Morgen? Das war so nicht vereinbart!

Knapp an der Vorstellung vorbei 

So hatte ich mir das ausgemalt, bevor meine Tochter auf der Welt war: Ich schleiche mich zwischen 6.00 und 6.30 Uhr leise aus dem gemeinsamen Bett, Tochter und Mann schlafen noch ein Stündchen weiter. Und ich habe Zeit für mich! Jaha! Ich mache Yoga, bringe meine Gedanken zu Papier, trinke in Ruhe meinen Kaffee. Halt so eine richtig schöne Morgenroutine. Oder, vielleicht etwas realistischer: Ich arbeite einfach schon eine Stunde, bevor alle aufstehen. Wäre in Zeiten von Kitaschließungen sicherlich ganz praktisch gewesen. 

Aber meinte Tochter hatte andere Pläne: Sie wird wach, sobald ich mich Richtung Bettende bewegte. Manchmal schaffe ich es bis zur Tür. Doch selten weiter. Mila wacht auf, wenn ich den Schlafplatz verlasse. Einfach wieder einschlafen? Mit Papa kuscheln? Nix da. Ich muss wieder ins Bett und mich dazulegen. Sonst weint sie bitterlich. Manchmal braucht sie mich zum Weiterschlafen, manchmal einfach, um langsam wirklich wach zu werden und bereit für den Tag zu sein. Da sie abends auch oft erst gegen 21.00 Uhr schläft, bekommt sie einfach auch nicht genügend Schlaf, wenn ich zu früh aufstehe und nicht mehr neben ihr liege. 

Warum brauchen manche Kinder eine Aufwachbegleitung?

Gerade, als ich mal wieder ziemlich genervt von diesem Umstand war, bin ich über einen Instagram-Post von Dr. Eliane Retz gestoßen, Doktorin der Pädagogik und Psychologie. Dort stand es, was ich nicht benennen konnte: Aufwachbegleitung! Dr. Retz schreibt, dass das Aufwachen morgens und nach dem Mittagsschlaf für viele Kinder eine besondere Situation ist, in der sie die Begleitung der Eltern benötigen. Des Weiteren heißt es: "Viele Kinder brauchen einige Zeit, um wach zu werden. Sie möchten getragen werden, wollen kuscheln und sind sehr anschmiegsam. Andere Kinder sind schlecht gelaunt, sie weinen und brauchen einige Zeit, um wieder 'in die Gänge' zu kommen." Es tat so gut, das zu lesen.

Und was jetzt?

Schläft meine Tochter inzwischen alleine morgens? Nein. Braucht sie auch nach dem Aufwachen – egal ob am Morgen oder zum Mittagsschlaf – Kuschelzeit mit mir? Ja. Ich bin immer noch ihr Schlafanker und ihre Aufwachbegleiterin. Doch alleine das Wissen, dass ich nicht die einzige Mama mit diesem "Problem" bin, hat mir enorm geholfen und den Druck genommen, dass das mit dem Aufwachen doch jetzt auch mal alleine klappen muss. Manchmal müssen wir Situationen einfach annehmen. Das Einschlafen abends üben wir übrigens gerade mit dem Papa. Klappt mal so, mal so. Aber ich bin frohen Mutes, dass mir ganz bald wieder der ein oder andere Abend gehört. Yoga kann man ja zum Glück auch abends machen.

Autorin: Katharina Looks

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