Schlafexpertin sagt:

"Euer Baby schläft (noch) nicht durch? Gut so!"

Wie gern würdet ihr mal wieder durchschlafen!? Aber euer Mini lässt euch nicht? Erinnert euch dann, mit müden Augen, an diesen Artikel. Denn: Dass Babys in der Nacht wach werden, hat sehr gute Gründe, das weiß auch Schlafexpertin Lauren Heffernan.

"Mein Baby wacht nachts immer wieder auf. Es ist so ein schlechter Schläfer." Streicht diesen Satz aus eurem Kopf! Denn: Babys, die nicht durchschlafen sind eigentlich extrem gute Schläfer! Wie jetzt? Die Schlafexpertin Laura Heffernan aus Kanada erklärt es uns in einem ihrer Instagram-Posts ... 

"Mein Baby wacht nachts auf. Was für ein toller kleiner Schläfer!"

Der Baby-Durchschlaf-Druck ist selbst gemacht

"Diese Vorstellung, dass kleine Babys lange am Stück schlafen sollen, als ob dies der Goldstandard für Babyschlaf wäre, hat nichts mit der biologischen Norm eines Babys zu tun, sondern nur mit unseren kulturellen Erwartungen an Kinder, unabhängig zu werden und an Eltern zu schlafen, damit sie so schnell wie möglich wieder arbeiten können", beschreibt Lauren die Problematik an dem Baby-Durchschlaf-Druck unserer westlichen Gesellschaft. 

Aber warum hat die Natur es denn so eingerichtet, dass Babys nachts ständig wach werden? 

"Kleine Babys sollen nachts SEHR VIEL aufwachen, um zu essen, sich wohlzufühlen und sich sicher zu fühlen", beschreibt Lauren weiter in ihrem Posting und zitiert Professor James McKenna, einen der weltweit renommiertesten Experten, wenn es um das Thema Babyschlaf geht: "Es ist bekannt, dass Babys, die am Plötzlichen Kindstod sterben, wahrscheinlich eine Art Aufmerksamkeitsmangel hatten (nicht ausreichend stimuliert wurden)." Aufwachen kann also Leben retten! Schläft ein Säugling beispielsweise neben seiner Mutter, wird seine "Aufwachfähigkeit" automatisch verbessert. Und das ist wichtig! Zum Beispiel deshalb, weiß der Professor: "Kindliche Herz-Lungen-Störungen werden korrigiert, indem das Kind aus dem Schlaf erwacht, da es zu einer Sauerstoffversorgung führt. Aufwachen ist die beste Verteidigung eines Säuglings gegen eine Reihe potenzieller physiologischer Herausforderungen." 

"Unsere Babys tun das, was sie immer getan haben"

Lauren kritisiert den Aufwand und die Jahre, die wir damit verbracht haben, den eigentlich gesunden und so wichtigen Aufwachrythmus aus Säuglingen förmlich herauszutrainieren: "Ich finde es interessant, dass dieselben Leute, die Eltern sagen, dass sie nicht in der Nähe ihrer Babys schlafen sollen, um das Risiko vom Plötzlichem Kindstod zu verringern, auch den Tiefschlaf und das Nichtaufwachen als Goldstandard des Säuglingsschlafs vorantreiben und fördern. Die Realität ist, dass unsere Babys das tun, was sie immer getan haben."

Babys wissen schließlich nicht, dass ihre Eltern vielleicht schon nach kurzer Zeit wieder arbeiten müssen, dass sie keine Unterstützung bei der Kinderbetreuung haben und dass die Erwartungen an uns Eltern im Jahre 2022 höher denn je sind.

Also: "Das nächtliche Aufwachen ist kein Problem für Babys, es ist ein Problem für Eltern, weil Eltern jeglichen Support verloren haben", betont die Schlafcoachin. Ganz wichtig ist es ihr aber, noch zu erwähnen, dass es durchaus Babys gibt, die schon früh durchschlafen – auch ganz ohne Schlaftraining! Man nennt diese Babys "Selbstberuhiger". Aber sie sind eben eher die Ausnahme als die Regel. 

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