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Der Trick mit der Sanduhr

Freiburger Methode: Eine Sanduhr als Einschlafhilfe

Damit die Nächte wieder ruhiger werden, muss ein Baby alleine einschlafen und durchschlafen. Eltern können selbst etwas dafür tun, mit einem simplen Hilfsgerät.

Erfinder der Methode ist der Kinder- und Jugend-Psychiater Dr. Ulrich Rabenschlag. Er leitete an der Uniklinik Freiburg die Forschungsgruppe Kinderschlaf und weiß aus jahrelanger Beratungspraxis, wie sehr dieses Thema Eltern bewegt: Schlafentzug auf Dauer ist Folter.
In diesem Wissen hat der Kinder-Schlafforscher die Freiburger Sanduhr-Methode entwickelt, mit der man Schlafstörungen ab dem Ende des ersten Lebensjahres wirkungsvoll beheben kann. Der Name der Methode weist auf ein wichtiges Hilfsmittel hin: Eine Sanduhr soll den Eltern helfen, die vorgegebenen Wartezeiten (Anleitung siehe unten) einzuhalten und besser zu überstehen.

Entlastung suchen

Dr. Rabenschlag betont die Belange der Mütter: Die meisten glauben, sie müssten den nächtlichen Zirkus mitmachen. Sie fürchten, energisches Durchgreifen könne ihrem Kind schaden. Dabei schaden sich die Mütter in erster Linie selbst! Denn längerer Schlafentzug macht krank, kann zu schwerer Erschöpfung und zu Depressionen führen. Nur wenn es der Mutter gut geht, kann sie sich liebevoll um das Kleine kümmern und auf seine Bedürfnisse eingehen.
Schritt eins der Therapie ist deshalb: Entlastung für die Mutter. Der Psychologe rät: Du musst sofort für Schlaf und Entspannung sorgen. Am besten wechselst du dich mit deinem Partner ab. Er sollte sich jede Woche mindestens zwei, besser drei Nächte lang um das Kind kümmern, damit du ungestört schlafen und sich erholen kannst. Falls du auch dann nicht zur Ruhe kommst, lässt du dir von deinem Arzt zur Unterstützung ein Präparat mit konzentriertem Johanniskrautextrakt oder Baldrian verschreiben.
Wichtig ist auch, sich regelmäßig eine Aus-Zeit zu gönnen: ein paar Stunden oder ein fester Nachmittag pro Woche, an dem du etwas allein oder mit einer Freundin unternehmen kannst, während die Oma oder ein Babysitter das Kleine betreut. Dr. Rabenschlag: Heutzutage sind Mütter oft isoliert. Sie bleiben mit ihrem Kind zu Hause, während der Partner arbeitet, haben kaum Ansprache. Das kann sehr belastend sein und zu Hass- und Schuldgefühlen führen. Mit etwas Entlastung lassen sich Schlafprobleme und Machtkämpfe mit dem Kind besser ertragen.

Ursachen herausfinden

Schritt zwei ist herauszufinden, wie und warum die Schlafstörungen entstanden sind. Kinder wollen ihre Eltern nicht quälen, wenn sie abends partout nicht ins Bett gehen möchten. Im Gegenteil: Meist leiden sie gerade selbst unter Ängsten. Ganz typisch ist das beispielsweise bei Babys, sobald sie mobil werden, anfangen zu krabbeln oder zu laufen. Die neue Möglichkeit, eigene Wege zu gehen, fasziniert und ängstigt sie zugleich. Abends und nachts neigen sie deshalb verstärkt zum Klammern. Eltern, die darauf liebevoll eingehen und ihren Kindern tagsüber eine Extraportion Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, helfen ihnen, die Angst zu überwinden.

Trennungsangst bewältigen

Schritt drei der Therapie: Das Kind muss lernen, seine Trennungsangst auch nachts zu bewältigen. Die Eltern tragen dazu bei, indem sie unter anderem auf eine angeborene Fähigkeit vertrauen. Dein Kleines hat nämlich die Gabe, sich selbst zu beruhigen und ohne fremde Hilfe (wieder) einzuschlafen. Wer dem Weinen seines Kindes vorschnell nachgibt, es nachts zu sich ins Bett holt, mag zwar die momentane Situation entkrampfen und schneller wieder in den Schlaf finden. Das löst das Problem aber nicht, weil sich das Kleine schnell daran gewöhnt und künftig immer an Mamas Seite schlafen will. Besser ist: Das Kind lernt, auf Dauer allein in seinem Bettchen einzuschlafen.

Die Freiburger Methode

Die Eltern legen das Kind zum Einschlafen in sein Bett. Nach einem ruhigen und harmonischen Ritual mit Reden, Singen, Vorlesen, Schmusen (maximal 30 Minuten) verlassen sie das Zimmer. Selbst wenn das Kleine jetzt alle Register zieht, weint, schreit und jammert, kommen Mutter oder Vater erst nach einer vorher festgelegten Wartezeit zurück: am Anfang drei Minuten, dann sechs Minuten, äußerstenfalls neun Minuten. Der Experte: Eine längere Wartezeit ist für Kinder wie Eltern nicht zumutbar. Kehren die Eltern zu ihrem Kleinen zurück, bleiben sie nur kurz, um es zu beruhigen (maximal drei Minuten). Auf keinen Fall dürfen sie es aus dem Bett nehmen, sonst baut das Kind neue Ängste vor einer Trennung auf oder glaubt, die Eltern singen wie früher stundenlang, schaukeln oder halten Händchen.

Das klingt einfach, kann aber schwierig werden, wenn sich das Kind gegen die neue Einschlafprozedur wehrt. Besonders wichtig ist deshalb, dass der Elternteil, der das Kind zu Bett bringt, sich in der Wartezeit entspannen kann. Eine Sanduhr, nach der Dr. Rabenschlags Methode benannt wurde, soll dabei helfen: Das langsame Rinnen des Sandes (einmal Durchrieseln dauert drei Minuten) hilft, die Wartezeit zu überstehen. Der Partner, eine Freundin, bewusst für diesen Abend eingeladen, oder gezielte Entspannungsübungen geben Kraft zum Durchhalten.

Die Sanduhr-Methode eignet sich für gesunde Kinder ab einem Jahr - frühestens! Dann sind sie in ihrer Entwicklung so weit, dass sie wissen: Die Mama kommt wieder. Und: Für Eltern, die bereit sind, durchzuhalten. Es kann nämlich zwei bis drei Wochen dauern, bis die Methode wirkt.

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