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Für eine ruhige Nacht

Wann schlafen Babys durch?

Sehnlichst wünschen sich junge Eltern die Nacht herbei, in der sie wieder Ruhe finden und durchschlafen können. Keine Sorge: Sie wird kommen!

Eben noch hat die kleine Clara sanft schlummernd in ihrer Wiege gelegen: die Augen geschlossen, die Wangen leicht gerötet, die Händchen geballt, den Kuschelteddy umschlungen. Friedlich wie ein Engel sieht das drei Monate alte Mädchen aus. Doch kaum haben sich Claras Eltern ebenfalls schlafen gelegt, schrecken sie wieder hoch. Es ist ein Uhr morgens und die kleine Clara weint herzerweichend. Was hat sie nur?, fragen sich die Eltern. Hat sie Hunger? Plagt sie Bauchweh? Oder einfach nur Langeweile? Eine Viertelstunde dauert es, bis sie ihre Kleine so weit beruhigt haben, dass sie sich wieder hinlegen lässt. Gegen Morgen wiederholt sich dieses Spiel.

Babys schlafen anders als Erwachsene

Claras Mutter ist schon ganz verzweifelt: Was mache ich nur falsch? Warum schläft mein Kind nicht durch wie andere Babys? Schlafforscher können sie beruhigen: Sie hat keinerlei Grund, an sich selbst zu zweifeln, denn Mütter können in dieser Situation gar nichts falsch machen. Babys schlafen einfach anders als Erwachsene. In den ersten Lebenswochen und Monaten weicht die innere Uhr der Kleinen erheblich von der der restlichen Familienmitglieder ab. Nur wird diese Tatsache meistens verkannt. 

Wie die gern zitierte Redewendung "Er/sie schläft wie ein Baby" zeigt, glauben viele, dass sich der neue Erdenbürger so bald wie möglich an den Lebensstil und Tagesablauf seiner Eltern anpasst und jede Nacht mindestens seine zehn, zwölf Stunden schläft. Vor allem junge Mütter werden immer wieder von ihren Bekannten, Verwandten oder Arbeitskollegen mit diesem Klischee konfrontiert. Es setzt sie allzuoft unter einen beträchtlichen und ungerechtfertigten Leistungs- und Rechtfertigungszwang.

Schuld sind hormonelle Veränderungen

Das Problem bei der Sache ist: Die Wirklichkeit kleiner Babys sieht ganz anders aus. Eine Ahnung davon erhalten werdende Mütter in den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft. Die meisten Frauen wachen in dieser Zeit nachts mehrmals auf. Häufig liegen sie eine Stunde oder länger im Bett und finden nicht in den Schlaf zurück. Der Grund: In den letzten Wochen vor der Geburt richtet sich das Schlafmuster der Frau nach dem des Ungeborenen. Ausgelöst wird das von tiefgreifenden hormonellen Veränderungen. Bis zur Geburt geht das so. Danach stellt sich der Organismus der Frau sofort wieder auf den vertrauten Rhythmus von Tag und Nacht um. Das Baby allerdings behält den Zyklus aus der Zeit im Mutterleib erst einmal bei. In den ersten Lebenswochen macht es keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht, es hat einen Drei- bis Vier-Stunden-Rhythmus (im Einzelfall kann er kürzer oder länger sein).

Erst ab der sechsten Lebenswoche wird seine nächtliche Schlafphase länger, in ganz kleinen Schritten.Tagsüber bleibt für die nächsten Monate der gewohnte Rhythmus erhalten, das Baby schlummert zwei- bis dreimal etwa drei bis vier Stunden lang. Gegen Ende des ersten Lebensjahres dann schlafen die meisten Kinder nachts sechs bis zehn Stunden durch.

Der sensible Punkt

Grundsätzlich sind die Schlafphasen bei Erwachsenen und Babys gleich: Nach dem Einschlafen sinken wir vom aktiven Schlaf in Tiefschlaf. Im aktiven Schlaf atmen wir oberflächlich, die Augenlider bewegen sich, im Tiefschlaf geht der Atem kaum spürbar, der Körper ist regungslos. Dieser Zyklus wiederholt sich die ganze Nacht immer wieder. Bei Erwachsenen dauert er allerdings wesentlich länger als bei Babys. Wie die Messung elektronischer Hirnströme zeigt, dauert der Zyklus bei Erwachsenen zwei Stunden, während es bei Kindern gerade mal 45 bis 50 Minuten sind. Und während Erwachsene vier Fünftel ihrer Schlafzeit im Tiefschlaf und lediglich ein Fünftel in leichtem Schlaf verbringen, machen bei Babys aktiver Schlaf und Tiefschlaf etwa jeweils die Hälfte aus. Die Leichtschlafphase, in der sich die Kleinen also sehr häufig befinden, ist der sensible Punkt.

Eltern kennen das Phänomen: Schläft ihr Kind tief, liegt es reglos und ist schier durch nichts aufzuwecken. Befindet es sich in der Leichtschlafphase, kann es schon von leichten Störungen – Husten, Niesen oder einer Berührung – aufgeweckt werden. Aber natürlich auch davon, dass Mama oder Papa es hochnehmen. Das ist – mit gewissen Abweichungen – bei allen Neugeborenen und Säuglingen gleich. Mütter sollten sich deshalb von den Erzählungen anderer (Meine Simone schläft schon seit Wochen durch!) nicht irritieren lassen. Sicherlich gibt es immer wieder Babys, die über viele Stunden hinweg friedlich schlummern. Doch meist gehören diese Geschichten ins Reich der Fantasie!

Vertrauen lässt gut schlafen

Auf eines hingegen kannst du bauen: Der Schlafzyklus deines Babys wird sich mit zunehmendem Alter dem Deinigen anpassen. Wann es so weit ist, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Manche Säuglinge schlafen mit drei Monaten nachts durch, andere brauchen sechs Monate dazu. Durchschlafen heißt in diesem Fall: Das Baby schläft etwa fünf, sechs Stunden am Stück. Eine Gewähr, dass es auf Dauer dabei bleibt, gibt es natürlich nicht. Eltern mit kleinen Kindern müssen sich in der Regel darauf einstellen, dass ihre Nächte in den ersten drei, vier Lebensjahren häufig unterbrochen sind, dass sie in dieser Zeit mit weniger Schlaf auskommen müssen. Sie haben es allerdings selbst in der Hand, den Schlaf ihres Kindes positiv zu beeinflussen: Indem sie die Schlafenszeiten an das jeweilige Schlafbedürfnis ihres Kleinen anpassen. Das Kleine nicht sofort bei jedem Weinen aus dem Bettchen holen, sondern ihm erst einmal die Möglichkeit geben, sich selbst zu beruhigen und wieder einzuschlafen. Ihm einen möglichst ruhigen und zärtlichen Übergang vom Tag in die Nacht ermöglichen. Ihrem Kind tagsüber ausreichend Sicherheit und Vertrauen vermitteln, so dass es abends ruhig und zufrieden einschlafen kann.

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