Stillprobleme

Brustsoor erkennen und richtig behandeln

Brustsoor in der Stillzeit kann heftige Schmerzen auslösen. Wir haben mit einer erfahrenen Stillberaterin gesprochen. Sie erklärt hier, woran ihr die unangenehme Pilzinfektion erkennt und wie ihr sie am besten behandelt.

Experten-Bild

Unsere Stillexpertin:

Lina Mazzoni ist freiberufliche Sprachtherapeutin und IBCLC-Stillberaterin aus Hamburg. Hierbei handelt es sich um den einzigen international geschützten Titel für examinierte Still- und Laktationsberaterinnen.

Mehr zu Lina findet ihr auf ihrer Website stillbar-hamburg.de und auf ihrem Instagram-Account, auf dem sie auch regelmäßig interessante Fragestellungen rund ums Thema Stillen beantwortet.

Schmerzen beim Stillen, die kennen viele Mamas. Und sie können soooo viele Gründe haben: das falsche Anliegen, ein verkürztes Zungenbändchen beim Baby, ein Milchstau .... oder eine Brustsoor-Infektion. Zum Glück ist Letztere recht selten. Denn wenn sie eintritt, dann wird es meist richtig schmerzhaft. Wir haben uns von der Stillberaterin Lina Mazzoni erklären lassen, was es mit diesem Still-Problem auf sich hat. 

Was ist Brustsoor?

Bei Brustsoor handelt es sich um eine nicht häufig auftretende, aber dafür recht unangenehme Hefepilzinfektion. Genauer gesagt um eine Infektion durch den Pilz Candida albicans. "Diesen haben wir generell alle auf der Haut. Und das ist auch nicht dramatisch", beruhigt uns Stillberaterin Lina Mazzoni aus Hamburg und ergänzt: "Aber wenn das Immunsystem runterfährt, dann können diese Pilze überhandnehmen und krank machen. Das kann auch mal durch die Hormonumstellung passieren bei stillenden Frauen." Weitere Auslöser für Brustsoor: 

  • übermäßige Müdigkeit
  • Stress 
  • falsche Hygiene (z. B. zu feuchte Stilleinlagen)

Woran erkenne ich Brustsoor? Wie äußern sich die Symptome?

Brustsoor lässt sich in der Regel am besten über eine Ausschlussdiagnose feststellen – und zwar immer von Expert:innen. Es gibt deutschlandweit zwar mittlerweile einige Labor, die diesen Hefepilz eindeutig nachweisen können, aber "was häufig nicht passiert, ist, dass die Probe von der Brustwarze oder der Muttermilch richtig behandelt wird, damit die Labore es auch richtig nachweisen können", erläutert uns Lina Mazzoni die Problematik der Diagnostik rund um Brustsoor. Zusätzlich erschwerend: "Viele der Symptome bzw. einzelne Symptome können auch andere Ursachen haben, welche immer vorher abgeklärt und ausgeschlossen werden müssen." In der Vergangenheit wurden viele Still-Probleme vorschnell auf "Soor" geschoben. Hinweis: Wenn die Symptomatik nach zwei bis drei Tagen nicht besser wird, trotz Anti-Pilz-Behandlung, muss spätestens dann nach weiteren Ursachen geforscht werden. 

Die von Brustsoor betroffenen Frauen leiden meist unter sehr starken Schmerzen, die manchmal auch mit einem Brennen einhergehen. Diese Empfindungen sitzen direkt in den Milchgängen. "Es fühlt sich an, als wenn jemand ein Messer in die Brust rammen würde. So beschreiben es Betroffene häufig", weiß Lina Mazzoni. Außerdem erkennen Frauen eine Brustsoor-Infektion an diesen Symptomen:

  • schuppige Haut
  • glänzende Haut, wie Perlmutt
  • gerötete Haut, ggf. rote Bläschen
  • juckende Brustwarzen
  • kleine Hautrisse an Brustwarze oder Warzenhof

Beim gestillten Baby tritt häufig der korrespondierende Mundsoor auf, der sich schmerzhaft auf das Trinken auswirken kann. Checkt also auch den Mund eures Kindes auf einen weiß-gräulichen, krümeligen Belag.

Kann man trotzdem weiterstillen?

"Prinzipiell kein Problem", sagt die Stillberaterin. Aber bitte nicht unter Druck setzen! "Lieber Muttermilch abumpen, wenn es nicht mehr geht und die Schmerzen zu belastend werden. Und dann stillfreundlich zufüttern." Lasst euch hierzu von eurer Hebamme oder Stillberaterin individuell beraten. Es muss nicht mal ein Fläschen gegeben werden für diese Phase: "Jedes Baby kann aus einem Becher trinken", so Lina Mazzoni.

Wie wird Brustsoor richtig behandelt?

Brustsoor wird normalerweise nur lokal behandelt, und zwar immer bei Mutter und Kind. Auch wenn der eine oder andere keine Symptome hat. "Es handelt sich sonst um einen Ping-Pong-Effekt" erklärt uns die Stillexpertin. In der Apotheke werden Salben für die Brust und Gele für den Kindermund frei verkauft. Wichtig: Lasst euch trotzdem trotzdem professionell untersuchen und kauft nicht sofort das erstbeste Anti-Pilz-Mittel, sonst riskiert ihr am Ende noch unötige Resistenzen. Die Hebamme, ein Frauen- oder Hautarzt sollte eine Soor-Diagnostik stellen. Besprecht euch auch mit einem Arzt oder Apotheker zur Einnahme von Schmerzmitteln, die stilltauglich sind. Die App Embryotox kann einen schnellen Überblick über stillfreundliche Medikamente geben, ersetzt aber nicht den ärztlichen Rat. 

Verschlimmert sich eine Brustsoor-Infektion, reicht die lokale Behandlung nicht mehr und muss durch eine oral-systemische Medikamentengabe ersetzt werden. Die Stillexpertin erklärt weiter: "Meist liegt dann eine Infektion durch eine Mischung aus Candica albicanis und einem Biofilm aus Bakterien in den Milchgängen vor, die diese Problematik verursachen. Es kann also individuell eine antibiotische Behandlung (zusätzlich) notwendig sein. Dann ist der Hefepilz nicht mehr die primäre Ursache. Etwa zehn Prozent der stillenden Frauen sind laut neuesten Erkenntnissen zeitweise von dieser Symptomatik betroffen."

In den seltensten Fällen müssen Patientinnen ins Krankenhaus. Lina Mazzoni hat in ihrer Laufbahn als Stillberaterin bisher erst eine Brustsoor-Patientin gehabt, die in einer Klinik behandelt werden musste.

Wann und wie verschwindet Brustsoor wieder?

Nach ein paar Tagen sollte sich eine Linderung der Beschwerden ergeben. Wichtig: Die Behandlung mit den Anti-Pilz-Salben sollte bis zu 14 Tage über das Ende der Symptome hinausgehen. "Hefepilzsporen sind hartnäckig und fies", verdeutlicht Lina Mazzoni und kennt folgende Tipps:

  1. Nutzt nur Einmal-Stilleinlagen oder kocht eure Mehrfachstilleinlagen aus.
  2. Lasst viel Luft an die Brustwarzen. Feuchtigkeit finden die Pilze super.
  3. Bitte keine Muttermilch auf die Brustwarzen. Lieber wegwischen. 
  4. Hände sehr regelmäßig waschen.
  5. Schnuller und Spielzeuge, die im Mund landen, auskochen – oder unter Umständen wegwerfen.

Mehr zum Thema Schnuller auskochen findet ihr hier. 

Profilbild

Teile diesen Artikel: