Ein Überblick über Milchnahrungen

Die richtige Babymilch fürs Fläschchen

Pre-Milch, 1-Nahrung oder HA? Das Angebot ist groß, aber welches Milchpulver ist am Anfang das Richtige? Wir klären auf, welche Babymilch was kann.

Beruhigend zu wissen: Wenn Mamas ihrem Baby die Brust nicht geben können oder möchten, sind die Kleinen auch mit gekaufter Milchnahrung bestens versorgt. Denn in Milchpulver steckt alles, was Babys in den ersten Lebensmonaten zum Wachsen brauchen – viele verschiedene Fette, Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Zusätzlich zu den Must-haves ist die Milch oft mit Extras angereichert, die sich positiv auf Babys Gesundheit auswirken sollen. Zu diesen Zutaten zählen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren: Sie tauchen häufig als LCP, LC-PUFA oder DHA auf den Packungen auf. Diese sind wichtig für Gehirnentwicklung, Nervensystem und Augen.

So seltsam es klingen mag: Auch Bakterien sind einigen Milchnahrungen zugesetzt. Probiotika sind lebende "gute" Keime (Laktobazillen und Bifidobakterien). Auch Muttermilch ist reich an Bifidobakterien, die sich im Darm des Kindes ansiedeln und sein Immunsystem stärken. Ein weiterer Zusatz in manchen Säuglingsmilchen sind Prebiotika. Das sind unverdauliche Ballaststoffe (auf der Packung steht meist GOS oder FOS), sozusagen das "Futter" für die guten Darmbakterien. Die Dritten im Bunde sind sogenannte Synbiotika, also eine Kombination aus Pro- und Prebiotika. In der Milch sind dann sowohl lebende Bakterien als auch das Futter für diese enthalten. Egal, ob Pro-, Pre- oder Synbiotika – der Effekt, den sich die Forscher erhoffen, ist der gleiche: über die Helfer im Darm Babys Gesundheit stärken.

Welche Babymilch ist die Beste?

Viele junge Eltern sind erstaunt, wenn sie im Drogeriemarkt zum ersten Mal vor einem Regal mit Milchnahrungen stehen. Nicht nur, dass sie sich zwischen Marken wie zum Beispiel Aptamil, Beba, Bebivita, Hipp, Humana, Milumil und anderen entscheiden müssen. Viel verwirrender wirken oft die Kürzel auf den einzelnen Verpackungen: Pre,1, 2, 3, HA, Kindermilch …

Für die Produktion von Babynahrungen gelten strenge Richtlinien, an die sich Hersteller halten müssen. Darin sind genaue Ober- oder Untergrenzen für die wichtigsten Inhaltsstoffe von Milchnahrung festgelegt. Die Qualität ist damit garantiert. Wenn Eltern also erst einmal herausgefunden haben, welcher Milchtyp sich für ihr Kind eignet, können sie beim Kauf nichts falsch machen.

Pre-Milch bzw. Pre-Nahrung: Die Babymilch ab Geburt

Anfangsmilch ist, wie der Name schon sagt, die richtige Milch für den Start. Babys dürfen sie ab Geburt trinken. Sie gibt es in zwei Varianten – als Pre-Milch oder 1-Nahrung. Beide Sorten sind gleich gut für Babys geeignet. Der Hauptbestandteil ist Eiweiß: Babys brauchen es, um gesund zu wachsen. Das Besondere an Pre-Nahrung: Ihr ist als einziges Kohlenhydrat Laktose zugesetzt. "Das ist der Milchzucker, der auch in Muttermilch enthalten ist", sagt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Annett Hilbig, die sich auf die Ernährung von Babys und Kleinkindern spezialisiert hat. Pre-Milch bzw. Anfangsmilch ist so dünnflüssig wie Muttermilch – und kommt von allen Säuglingsnahrungen dem Orignal am nächsten. Die ist fürs Baby besonders leicht verdaulich und auch zum Zufüttern oder gleich nach dem Abstillen eine gute Wahl. Wenn das Baby und die Eltern damit zufrieden sind, spricht übrigens gar nichts dagegen, das ganze erste Jahr bei Pre-Milch zu bleiben.

1-Milch oder 1-Nahrung: Wie Pre-Milch, aber mit Stärke

Auch 1-Nahrung dürfen Eltern ab Geburt füttern (und wenn sie wollen, dabei bleiben). 1er-Nahrungen unterscheiden sich von Pre-Nahrungen vor allem in einem: Sie enthalten auch andere Kohlenhydrate, besonders Stärke. Die Milch wirkt dadurch sämiger und Babys verdauen sie länger. Manche Eltern geben ihrem Kind deshalb 1-Nahrung gern am Abend zu trinken. "Einen wissenschaftlichen Beweis für einen längeren Sättigungseffekt gibt es aber nicht", sagt Dr. Hilbig. Das Fläschchen, ganz gleich ob mit Pre- oder 1-Nahrung gefüllt, gibt es genau wie die Brust nach Bedarf. 

Pre oder 1? Diese Frage stellen sich viele Eltern. Am besten ausprobieren, womit das Kind besser klar kommt. Wichtig zu wissen: Pre-Milch darf neben Milchzucker (Laktose) keine anderen Kohlenhydrate enthalten. In 1-Nahrung hingegen finden sich manchmal neben Milchzucker und Stärke auch noch andere Zuckerzusätze. 

Folgenahrung bzw. Folgemilch (2 + 3): Die Milch ab dem Beikostalter

Folgenahrungen (mit den Kennziffern 2 und 3) sind für Babys im zweiten Halbjahr, die schon Brei essen. Die meisten Hersteller bieten Folgenahrung 2 für Babys ab dem sechsten Monat und Folgenahrung 3 für Babys ab dem zehnten Monat an.

Wer die Zutatenlisten von Folgemilch liest, merkt schnell: Neben Laktose und Stärke tauchen darin oft auch noch andere Kohlenhydrate auf. Wie etwa Maltodextrin, ein Gemisch aus verschiedenen Kohlenhydraten. Es schmeckt je nach Zusammensetzung mal mehr, mal weniger süß. Weil die Hersteller es nur in geringen Mengen zusetzen, fällt diese Wirkung kaum ins Gewicht. Einen klaren Minuspunkt verpassen Ernährungswissenschaftler hingegen allen Milchnahrungen, die Glukose (Traubenzucker), Saccharose (Haushaltszucker) oder andere Zuckerarten enthalten, weil sich die Kleinen damit zu sehr an den süßen Geschmack gewöhnen könnten.

Wenn Babys bzw. Kleinkinder genüpgend Kalorien über die Beikost aufnehmen, kann auf Folgemilch verzichtet werden. Stattdessen kann auch Pre- oder 1-Milch gefüttert werden.  

HA-Milch bzw. HA-Nahrung: Zur Vorbeugung von Allergien

Kinder, deren Eltern oder Geschwister an Heuschnupfen oder Neurodermitis leiden, haben ein höheres Risiko, selbst eine Allergie zu bekommen. Die beste Vorbeugung ist Stillen. Ist das nicht möglich, empfehlen Experten eine HA-Anfangsnahrung. HA steht für hypoallergen; das heißt, dass die Eiweiße dieser Milch aufgespalten sind. So kann sie das Baby leichter verdauen – und das Immunsystem erkennt sie seltener als fremd. HA-Nahrung kann kann helfen, die Entstehung einer Allergie zu verhindern oder zu verzögern. "Die Voraussetzung dafür ist, dass das Baby in den ersten vier Monaten ausschließlich mit HA-Nahrung gefüttert wird", weiß Hilbig. Vor allem im Hinblick auf Neurodermitis zeigt sich der schützende Effekt deutlich. Am besten sprechen Eltern mit ihrem Kinderarzt, ehe sie eine HA-Nahrung kaufen.

Wenn bereits eine Allergie gegen Kuhmilcheiweiß nachgewiesen wurde, braucht das Kind eine laktosefreie Babymilch. Diese Spezialnahrungen, die es auch bei Blähungen, Aufstoßen, Reflux oder für Frühgeborene gibt, werden vom Kinderarzt verordnet. 

Kindermilch: Eine Alternative zur Kuhmilch

Mit etwa einem Jahr dürfen Kinder zum ersten Mal Kuhmilch trinken. Eine Alternative ist Kindermilch. Sie ist mit zusätzlichen Vitaminen und Nährstoffen angereichert. Zudem enthält sie weniger Eiweiß – eine hohe Eiweißzufuhr gilt als Dickmacher. Sie ist daher praktisch für Kinder, die zu diesem Zeitpunkt noch viel Milch trinken.

Kindermilch sollte nicht im Fläschen gefüttert werden. Milch sollten Kinder mit einem Jahr bestenfalls nur noch im Becher bekommen, um Nuckelflaschenkaries vorzubeugen. 

Babymilch zubereiten: Worauf sollte man achten?

Säuglingsmilch enthält genau die Nährstoffe, die das Baby braucht. Voraussetzung ist aber, dass sich Eltern bei der Zubereitung exakt an die Vorgaben des Herstellers halten. Denn mit zu wenig Wasser bzw. zu viel Pulver im Fläschchen wird die Milch zu dickflüssig. Davon kann das Kind Bauchweh bekommen. Mit zu wenig Pulver nimmt es dagegen zu wenig Kalorien und Nährstoffe auf. Deshalb bei jeder Fläschchenmahlzeit die Wasser- und Pulvermenge laut der Anleitung genau abmessen.

Die Trinkmengen, die auf der Verpackung stehen, sind hingegen nur Orientierungshilfen. Es gibt bessere und weniger gute "Futterverwerter" und Babys Appetit schwankt oft von Mahlzeit zu Mahlzeit. Eltern können Anfangs- wie auch Folgenahrungen nach Bedarf füttern.

Das Milchpulver wird in abgekochtes Wasser eingerührt – aber bitte erst, wenn es auf ca. 40 Grad abgekühlt ist. Ansonsten gehen wichtige Nährstoffe verloren. Am einfachsten ist es, eine Thermoskanne mit abgekochtem heißem Wasser und eine Flasche mit abgekochtem, bereits abgekühltem Wasser bereitzustellen. So kann man das Wasser schnell mischen und die Milch anrühren. Mittlerweile bieten viele Hersteller auch Maschinen, sogenannte Babymilch-Zubereiter an, die die Milch per Knopfdruck frisch herstellen. Solche Maschinen sind nicht ganz günstig, praktisch aber allemal. 

Babymilch wechseln: Was muss man bei der Umstellung beachten?

Wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Baby von einer Nahrung nicht satt wird oder davon vielleicht Bauchweh bekommt, kann das Milchpulver problemlos gewechselt werden. Auch eine Umstellung von Pre- zu 1-Milch oder zu einer Folgemilch ist natürlich möglich. Voraussetzung ist, dass die Altersangaben und Fütterungsempfehlungen eingehalten werden. 

Da jede Milch ein wenig anders schmeckt, sollte das Baby langsam an die neue Nahrung herangeführt werden, sprich am Anfang gibt es zwischendurch immer mal ein Fläschchen mit neuer Milch, nach und nach wird die Menge dann erhöht. So kann sich auch die Verdauung an die neue Zusammensetzung gewöhnen. Ganz wichtig: Bitte keine unterschiedlichen Milchpulver mischen!

Darf man Babymilch aufwärmen?

Nein, Flaschenmilch sollte immer frisch zubereitet werden. Beim Anrühren der Milch können Bakterien in die Flasche gelangen (was ganz normal ist, weil keine Küche keimfrei ist). Auch durch das Nuckeln am Sauger wird die Milch "verunreinigt". Beim Aufwärmen können sich die Bakterien in der Milch  vermehren, die beim Baby dann zu Bauchweh oder anderen Infektionen führen können. Rührt das Pulver also am besten immer frisch an – so könnt ihr euch sicher sein, dass sich keine Keime im Fläschchen befinden. 

Für Flaschenwärmer gilt: Angerührte Babymilch sollte nicht länger als zwei Stunden auf Trinktemperatur gehalten werden. Anschließend besser entsorgen. Das gilt auch für fertige Milch, die bei Raumtemperatur stehengelassen wird. Nach zwei Stunden bitte nicht mehr benutzen. 

Auch wichtig: Fläschchen und Sauger nach jedem Gebrauch gründlich auswaschen

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