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Muttermilch

Muttermilch ist das Beste fürs Baby - Aktuelles aus der Forschung

Warum ist Muttermilch so unglaublich gut für ein Baby? In einem riesigen Forschungszentrum in Utrecht gibt es einige wichtige Antworten.

 

Unglaublich, aber wahr. Der Organismus einer Mutter steuert automatisch die Zusammensetzung der anstehenden Stillmahlzeit: Ein Junge bekommt deshalb mehr und andere Muttermilch als ein Mädchen. Der Grund ist einfach: Jungs wachsen schneller, sodass der Fett- und damit Kalorienbedarf höher ist. Das „weiß” der Körper der Mutter und steuert wie ein allwissender Computer die Mahlzeit.

Faszinierend auch dies: Leidet ein Säugling an einem Erkältungsinfekt, die Mutter aber nicht, „erkennt” der Körper der Mama dies – das Baby bekommt mit Stillen die richtigen Antikörper, die die Mutter sonst nicht in sich tragen würde. Zwei von vielen Mysterien, die bisher kein Wissenschaftler erklären kann. Die Natur ist hier ein Buch mit sieben Siegeln – immer noch. 

 

Wesentlich fürs Baby – das richtige Essen in der Schwangerschaft

Muttermilch ist eines der sicher am – und doch sagen Experten, wie Bernd Stahl vom Milupa Nutricia-Zentrum, dass Muttermilch Wissenschaftlern immer noch viele Rätsel aufgibt. „Nur Bruchteile der Zusammensetzung, der Wirkungsweisen und der immuniologischen Geheimnisse kennen wir", gesteht der deutsche Biologe. Aber er und seine Teams kommen der Entschlüsselung der Zusammensetzung Stück für Stück näher. 

Neben diesem Kernthema beschäftigen sich die Forscher in dem 2013 gegründeten „Zentrum für Muttermilchforschung” im holländischen Utrecht mit der Ernährung in der Schwangerschaft oder Stillzeit, der Entwicklung des Gehirns und besonders mit dem Immunsystem der Säuglinge. Ganz wichtig ist naturgemäß der Zusammenhang zwischen Verdauung und Stoffwechsel.

 

Muttermilch ist für das Baby wie eine natürliche Impfung 

Nun ließe sich denken, dass die von dem Lebensmittelkonzern Milupa getragene Forschungseinrichtung primär ein, der Muttermilch ähnliches Milchersatzprodukt entwickeln will. Und davon so viel wie möglich verkaufen möchte. Doch so einfach ist es nicht. Forscher Bernd Stahl sieht die Muttermilch als „Goldstandard”. Sie sei das Maß aller Dinge. Und Milupa fördere sehr bewußt und gezielt das Stillen. Nicht als Marketingstrategie, sondern aus Überzeugung. 

„Muttermilch bietet dem Baby alles, was es für den optimalen Start ins Leben benötigt: essenzielle Nährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette und Vitamine. Dabei ist Stillen für das Baby wie eine natürliche Impfung: Die Muttermilch enthält u. a. Antikörper, die es vor Kinderkrankheiten wie Durchfall und Infektionen schützen. Sie stärkt sein Immunsystem und schützt es vor Allergien. Außerdem kann Stillen das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes reduzieren,” fasst der Direktor die Vorzüge zusammen. 

 

Die Stillrate muss auch in Deutschland erhöht werden 

Deshalb wollen die Milupa-Wissenschaftler auch helfen, die Stillrate möglichst signifikant zu erhöhen. Die offizielle Stillrate liegt bei 82 Prozent in Deutschland. Allerdings: Dies umfasst jeden, auch den einmailgen Stillversuch. Die Forscher in Utrecht schätzen, dass hierzulande rund 10 Prozent der Säuglinge bis zum 6. Lebensmonat durchgehend gestillt werden. Sie empfehlen vier Monate Muttermilch, erst ab der 17. Woche sollte Beikost zugefüttert werden – erst dann könnten die Kleinen das Kauen und Schlucken festerer Nahrung richtig lernen. 

Bestätigt wird in Utrecht, dass sicherlich auch der gesundheitliche Segen des Stillens stark auf der psychologisch postiven Wirkung der Körpernähe von Mutter und Kind beruht. Fakt ist aber auch: Je mehr ein Kind gestillt wird, um so geringer ist die Infektanfälligkeit. Der Schlüssel zu den Geheimnissen der guten Wirkung von Muttermilch liegt laut Forschung in der Konsistenz: „Sie passt sich den Bedürfnissen des Babys im jeweiligen Moment optimal an. So verändert sich die Muttermilch beispielsweise im Verlauf einer Mahlzeit, so dass das Baby gewissermaßen ein klassisches Drei-Gänge-Menü mit einer durststillenden Vorspeise, einer nahrhaften Haupt- und einer sättigenden Nachspeise serviert bekommt,” erläutert der wissenschaftliche Leiter der Muttermilchforschung.

 

Die Muttermilch ist perfekt zusammengesetzt

Stahl spricht von einem „echten Geniestreich der Natur”, wenn er über das Original doziert. „Es ist zusammengesetzt wie ein perfektes Sinfonieorchester”. Die optimale Kombination der besten Wirkstoffe: „Wir haben viele Inhaltsstoffe erforscht, die den Grundstein für die spätere positive Entwicklung und Gesundheit eines Menschen legen. Wir haben zum Beispiel die besondere Verteilung der LCP in der Muttermilch zu verschiedenen Stillzeitpunkten entdeckt”.

 

Die komplexeste biologische Struktur der Muttermilch begreifen 

LCP sind langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Sie sind deshalb so wichtig, weil das Baby sie in den ersten Monaten nicht in ausreichender Menge selbst bilden kann. „Und die langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäure DHA fördert beispielsweise die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns”, erläutert Bernd Stahl. Wie wichtig die beste Versorgung des Kindes in diesen ersten 1000 Tagen des Lebens sei, verdeutliche  allein ein Fakt: Jeden Tag wächst das Gehirn eines Kindes um ein Gramm – wenn es optimal versorgt wird. 

LCP ist eine der Erfolgsformeln, die die Milupa-Forschung in den letzten 30 Jahren an die Weltspitze gebracht hat: Heute wird die ungesättigte Fettsäure allen hochwertigen Ersatznahrungen zugesetzt. Weiter bahnbrechende Erkenntnisse seien die gelungene Bestimmung des Eiweißgehalts: „Der Gehalt der Muttermilch ist niedrig und die Eiweißbestandteile sind besonders gut verwertbar”, so lautet das wesentliche Ergebnis der Forschungen. Es führt dazu, dass Milupa in Zukunft den Eiweißgehalt in Nahrungsmilchen herabsetzen will. Aber: Wie genau funktionelle Eiweißstoffe ihre Vorteile in dieser komplexesten biologischen Struktur ausspielen, ist trotzdem noch ein Geheimnis. 

Prebiotika ist das weitere elementare Forschungsfeld der letzten Jahre. „Diese unverdaulichen Kohlenhydrate unterstützen die Darmflora, indem sie die Zahl und Aktivität der 'guten' Bakterien fördern und somit Krankheitskeime verdrängen. Darüber hinaus helfen sie den reifenden Immunzellen des Kindes“, erklärt Stahl die Funktion. Und das Ziel, wohin die Reise nun gehen soll.

 

Interview mit Dr. Bernd Stahl, Direktor des Muttermilch-Forschungszentrums

Über 200 Wissenschaftler analysieren anhand von zigtausend Milchtropfen in Utrecht die Konsistenz von Stillnahrung
Der Direktor des Zentrums erläutert, was dort genau passiert.

wirEltern.de: Sie erforschen Tag für Tag die Zusammensetzung von Muttermilch. Wie läuft das ab?

Dr. Bernd Stahl: In unseren Labors arbeiten wir mit modernsten Analysegeräten, die es uns erlauben, auch winzige Tropfen Muttermilch physikalisch, chemisch und mikrobiologisch zu untersuchen. Wir finden mit diesen Geräten nicht nur die berühmte Nadel im Heuhaufen, sondern können sie auch noch bis ins kleinste Detail beschreiben. Wir verwenden zum Beispiel ein künstliches Darmmodell, um Verdauungsprozesse zu simulieren. Ziel ist es dabei, die kindliche Verdauung einschließlich der für den Menschen so wichtigen Darmflora sowie die Rolle der Muttermilch bei deren Ausbildung besser zu verstehen. 

Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag in Utrecht vorstellen?

In den Bereichen Forschung und Entwicklung sind wir ein interdisziplinäres Team von 200 Mitarbeitern aus Medizinern, Biologen, Chemikern und Ernährungswissenschaftlern. Konkret prägt unsere Arbeit die Untersuchung von Muttermilchproben. Zum Beispiel analysieren wir so den Einfluss der Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft und der Stillzeit auf die Muttermilchzusammensetzung.

Was bringt einen Mann dazu, in die Muttermilchforschung zu gehen?

Ich habe mich persönlich direkt nach meiner Geburt mit Muttermilch beschäftigt, ich bin nämlich 8 Monate gestillt worden. Während meines Studiums mit Schwerpunkt in der biologischen Analytik war es dann nur eine Frage der Zeit, sich der komplexesten biologischen Struktur – nämlich der Muttermilch – zuzuwenden.

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