Vor allem für Frühchen

Muttermilchbanken: Warum Milchspenden wichtig sind

Mit dem Stillen erhalten Neugeborene die Nahrung, die sie am besten versorgt. Doch nicht bei allen Neu-Mamas klappt es mit dem Stillen. Wir fassen die wichtigsten Punkte zu Muttermilchbanken zusammen und zeigen auf, warum gespendete Muttermilch ganz besonders für Frühchen wichtig ist.

Die Muttermilch gilt nach wie vor als die optimalste Nahrung für Neugeborene, da sie das Baby mit allen Nährstoffen versorgt, die es braucht. Ganz besonders Frühchen benötigen für ihre Entwicklung die bestmögliche Versorgung. Daher wird Müttern dazu geraten, nach Möglichkeit zu stillen. Jedoch können nicht alle Mamas ihr Baby selbst stillen, beispielsweise weil sie keine oder zu wenig Milch produzieren. Für diesen Fall gibt es Muttermilchbanken.

Warum ist es so wichtig, Muttermilch für Frühchen zu spenden?

Es kann viele Gründe geben, warum es mit dem Stillen nicht klappt. Kommt das Baby zu früh auf die Welt, kann beispielsweise psychischer Stress dazu führen, dass die Mutter nicht ausreichend eigene Milch produziert. Auch falls die Mutter selbst medikamentöse Unterstützung benötigt, kann sie gegebenenfalls nicht stillen.

Künstliche Frühgeborenennahrung orientiert sich zwar stark an der Muttermilch, kann diese aber nicht gänzlich imitieren. Muttermilch gilt auch deshalb als die beste Nahrung für Frühchen, weil sie das Immunsystem der Neugebornen unterstützt und dabei hilft, die Darmflora zu schützen. Muttermilch kann somit helfen, Darmerkrankungen, wie die lebensbedrohliche Nekrotisierende Enterokolitis (Verletzung der Darmschleimhaut, kommt mitunter bei Frühchen vor), vorzubeugen. 

Muttermilchbanken in Deutschland

Viele Frauen empfinden es als befremdlich, ihre Muttermilch einem fremden Baby zu überlassen. Ebenso, wie viele es ablehnen, dem eigenen Kind fremde Muttermilch zu füttern. Dabei wird meist nicht bedacht: Bereits das Ammenstillen war früher eine gängige Praxis, die vielen Neugeborenen das Leben gerettet hat.

Bisher gibt es in Deutschland eine sehr geringe Anzahl solcher Muttermilch- oder auch Frauenmilchbanken. Eine davon befindet sich im Universitätsklinikum in Eppendorf, Hamburg. Frühchen und Neugeborene, die dort im Krankenhaus eine Weile auf der Intensivstation betreut werden, sollen möglichst mit Muttermilch versorgt werden. Dafür sind sie mitunter auf Milchspenden angewiesen. Dass diese Spenden wichtig sind, bestätigt auch die Weltgesundheitsorganisation: Gespendete Muttermilch wird nämlich als gesünder für Babys eingestuft als künstliche Säuglingsnahrung (Quelle: BMEL).

Fremde Muttermilch: strenge Vorlagen und Kriterien

Heutige Muttermilchbanken, wie die im Universitätsklinikum Eppendorf, unterliegen scharfen Richtlinien und Hygiene-Vorgaben. Mütter mit Tattoos, chronischen Erkrankungen, Infektionen oder unter medikamentöser Behandlung werden in den Kliniken beispielsweise aus mögliche Spenderinnen ausgeschlossen.

In dieser Universitätsklinik kommen die Muttermilchspenden von Mamas, die selbst auf der Frühchen-Station liegen und überschüssige Milch zur Verfügung stellen. Es wird immer geprüft, ob die Frauen gesund sind. Die Fachleute untersuchen die Milch auf bakteriologische Verunreinigungen. Außerdem sind die Kriterien, wer sich als Muttermilchspenderin eignet, strenger als bei einer Blutspende. Haltbar ist die eingefrorene Milch dann bis zu sechs Monate.  

Von privaten Muttermilchbörsen, wie sie zum Beispiel über das Internet angeboten werden, raten Fachleute dagegen ab. Denn im Gegensatz zu den offiziellen Muttermilchbanken in Kliniken, können hier keine gesundheitsschädlichen Faktoren bei den Spenderinnen ausgeschlossen werden. 

Initiativen fordern mehr Milchbanken

Das Konzept von Muttermilchbanken ist nicht neu. Jedoch setzt sich erst jetzt wieder zunehmend die Erkenntnis durch, dass industrielle Säuglingsnahrung die Muttermilch nicht 100-prozentig ersetzen kann. Und auch die Bereitschaft von Spenderinnen nimmt zu.

Vermehrt setzen sich Initiativen und Projekte dafür ein, auf den hohen Bedarf von Muttermilchspenden zu reagieren. Darunter die Frauenmilchbank-Initiative (FMBI), die sich zum Ziel gesetzt hat, allen Frühchen und kranken Neugeborenen den Zugang zu Muttermilch zu ermöglichen. Bisher stehen in Deutschland jedoch nur 34 Muttermilchbanken 200 Kliniken gegenüber, die Frühchen versorgen.

Das Projekt Neo-MILK der Universität Köln möchte ebenso dazu beitragen, dass es mehr Muttermilchbanken geben wird. Dafür setzt das öffentlich geförderte Projekt bei der Unterstützung von Krankenhäusern an, um diesen bei der Erarbeitung der nötigen Vorgaben zu helfen. Bundesweit sollen ab 2022 bereits 15 weitere Kliniken Frauenmilchbanken bekommen.

Kontakt zu Muttermilchbanken

In welchen Kliniken es bisher offizielle Muttermilchbanken gibt, könnt ihr hier nachlesen: Frauenmilchbanken in Deutschland.

Autorin: Laura Wohlmuth

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