Verhütungsmethoden

Stillpille: Verhütung nach der Geburt

Die geeignete Verhütungsmethode in der Stillzeit zu finden, kann eine Herausforderung sein. Eine Möglichkeit ist die sogenannte Stillpille. Wir fassen zusammen, was man darüber wissen sollte ...

Um kurz nach der Geburt eine weitere Schwangerschaft zu verhindern, greifen viele Frauen zu der sogenannten Stillpille. Diesen Namen trägt sie, weil sie bestimmte Kriterien erfüllt und damit – im Gegensatz zu der regulären Antibabypille – auch für stillende Frauen geeignet sein soll. Wir erklären, welche Kriterien das sind, wie die Stillpille als Verhütungsmittel wirkt und für wen sie sich eignet.

Verhütungsmittel in der Stillzeit

Es ist ganz unterschiedlich, wie schnell die Lust auf Sex nach einer Geburt zurückkommt. In jedem Fall ist es aber gut zu wissen, dass der erste Eisprung bereits vier bis sechs Wochen nach der Geburt kommen kann. Und mit ihm: die Möglichkeit einer erneuten Schwangerschaft. Wer in diesem Zeitraum verhüten möchte, sollte daher bereits drei bis vier Wochen nach der Entbindung beginnen. "Die meisten Frauen beginnen aber erst nach circa sechs Wochen nach Geburt mit der Einnahme der Pille, da dann die Kontrolle und somit auch das Verhütungsgespräch beim Frauenarzt oder der Frauenärztin stattfindet", sagt Experte Dr. med. Christopher Blanck.

Wer zuvor mit der regulären Antibabypille verhütet hat, stellt sich nun vermutlich die Frage nach der geeigneten Verhütungsmethode. Denn gerade in der Stillzeit ist es wichtig, mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen des Babys durch eine hormonelle Verhütung zu bedenken. Die reguläre Pille eignet sich beispielsweise nicht, da sie durch die enthaltenen Hormone sowohl die Milchbildung, als auch die Milchqualität negativ beeinträchtigen kann. Als Alternative wird daher gerne die sogenannte Stillpille empfohlen, die zwar hormonell wirkt, jedoch gering dosiert ist.

Die Wirkung der Stillpille

Bei dieser Pille handelt es sich um eine Minipille: Im Gegensatz zu Kombi-Präparaten enthält die Minipille lediglich das Hormon Gestagen und zwar in einer geringen Dosierung. Östrogen ist darin nicht enthalten. Deshalb wirkt sich die Minipille nicht negativ auf die Milchproduktion aus und eignet sich für die Einnahme in der Stillzeit.

Die Stillpille sorgt mit ihren Wirkstoffen dafür, dass sich der Gebärmutterhalsschleim verdickt. Den Spermien wird dadurch der Zugang zur Eizelle erschwert. Dazu kommt, dass sich die Gebärmutterinnenseite verändert, sodass die Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter verhindert wird.

Das sagt unser Experte:

Dr. med. Christopher Blanck: "Bei der sogenannten Stillpille handelt es sich um eine Pille mit Gestagen, von der es zwei verschiedene Arten gibt: das Desogestrel-Monopräparat und das Drospirenon-Monopräparat. Stillende Frauen können zu jedem Zeitpunkt eine solche Pille nehmen, die keine Estrogene (z. B. Ethinylestradiol) enthält."

Geeignete Stillpillen sind beispielsweise:

  • Slinda (Drospirenon) 
  • Desogestrel Aristo 75 μg (Desogestrel)

So wird die Stillpille eingenommen

Statt monatlich eine Pillen-Pause von sieben Tagen einzulegen, wie es bei der regulären Antibabypille üblich ist, wird die Stillpille durchgenommen. Bestenfalls beginnt die Einnahme mit dem ersten Tag des Zyklus, damit sie direkt ihre Wirksamkeit entfaltet.

Vergesst ihr die Minipille mal einen Tag, könnt ihr sie bis zu zwölf Stunden nachträglich einnehmen, ohne den Schutz zu verlieren.

Sind die zwölf Stunden überschritten, lasst ihr die Pille für den vergessenen Tag aus und nehmt sie anschließend regulär weiter –­ solltet aber sieben Tage lang eine zusätzliche Verhütungsmethode wählen.

Hat die Stillpille Nebenwirkungen?

Eine hormonelle Verhütung verarbeitet jeder Körper unterschiedlich. Dazu kommt, dass sich eure Hormone nach einer Geburt sowieso erst einmal neu einpendeln. Leichte Nebenwirkungen können also immer auftreten und ähneln denen einer regulären Antibabypille. Dazu kann folgendes zählen:

  • Hautunreinheiten
  • Übelkeit
  • verringerte Libido
  • Kopfschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Gewichtszunahme
  • Leichte Blutungen

Sobald die Nebenwirkungen zu stark werden oder auffällig lang anhalten, solltet ihr die Reaktion eures Körpers nicht ignorieren. Haltet Rücksprache mit eurem Frauenarzt oder eurer Frauenärztin. In diesem Fall kann es euch nämlich helfen, die Verhütungsmethode zu wechseln.

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Die Stillpille absetzen

Falls eine der zuvor genannten Nebenwirkungen stark auftritt, sollte die Stillpille abgesetzt werden. Andere Warnzeichen oder Gründe zum Absetzen der Pille sind folgende:

  • starke Unterleibschmerzen
  • Anzeichen einer Thrombose (Schmerzen beim Atmen und Atemnot, Schmerzen und Anschwellen der Beine, Druckgefühl in der Brust)
  • erneute Schwangerschaft
  • Vorgeschichte mit Diabetes
  • Bluthochdruck-Probleme
  • Vorgeschichte mit Thrombose oder einer Krebserkrankung
  • Epilepsie

Hinweis: In den Stillpillen ist oft Laktose enthalten. Wer eine Laktoseintoleranz hat, sollte darauf achten, eine Pille ohne Laktose zu bekommen.

Experten-Bild

Unser Experte

 

Dr. med. Christopher Blanck ist niedergelassener Arzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Straelen am Niederrhein. Er ist ausgebildeter Facharzt für (auch operative) Gynäkologie und Geburtshilfe.

Mehr Infos unter: frauenarzt-straelen.de

Autorin: Laura Wohlmuth

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