Fittere Mütter durch Corona

Weniger Stillprobleme dank Corona-Besuchsverbot

Seit Einführung der Coronavirus-Maßnahmen gelten auf Geburtenstationen strenge Besucherregelungen. Nun zeigt sich: Mütter und Babys erholen sich seither deutlich schneller, auch das Stillen klappt besser. Unsere Autorin wundert das nicht.

Selten sieht man beschissener aus als in den Tagen nach einer Geburt. Und selten fühlt man sich verletzlicher, emotional aufgewühlter, schlafloser und reizbarer.

Damit will ich nicht sagen, dass die Zeit nach einer Geburt nicht die wunderbarste, unvergesslichste und im wahrsten Sinne des Wortes Liebe-vollste überhaupt ist (denn das ist sie, keine Frage!). Es ist nur einfach auch die unpassendste Zeit, um Besuch zu empfangen – erst recht im Krankenhausbett liegend, mit fettigen Haaren, tiefen Augenringen und undichten Körperöffnungen.

Keine Besuche, weniger Stillprobleme

Zu viele und zu frühe Besuche stressen junge Mütter, das ist kein Geheimnis. Nun zeigen aber erste Zahlen aus Österreich die tatsächlichen positiven Effekte, wenn komplett auf Wochenbettbesuche im Krankenhaus verzichtet wird: Laut einem Bericht der Sendeanstalt ORF gab es bei den Müttern, die während der Corona-Krise ihre Kinder zur Welt brachten (und keinerlei Besuch empfangen durften), deutlich weniger Stillprobleme und auch einen bemerkenswerten Rückgang bei den sonst häufig auftretenden Brustentzündungen. Der Artikel zitiert Sprecher zweier Krankenhäuser; in beiden kam es in den vergangenen acht Wochen zu keiner einzigen Brustentzündung. Die Oberärztin einer Geburtenstation ergänzt zudem, dass alle Mütter, die stillen wollten, auch stillend nach Hause gegangen seien.

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Unsere Expertin

Franziska Luck

Unsere Autorin ist seit 2009 ausgebildete Hebamme. Sie arbeitet in der Metropolregion Hamburg und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern südlich der Elbe.

Aufgrund ihres Fachwissens und ihrer langjährigen Erfahrung als Hebamme schreibt sie für leben-und-erziehen.de vor allem Artikel rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Baby.

Für Hebamme Franziska Luck sind diese positiven Entwicklungen keine Überraschung: "Die Zahlen aus Österreich zeigen, wie wichtig es ist, dass man eine Mutter in ihrem 'Mamasein' erstmal ankommen lässt. Nicht jede packt gern vor der Schwiegermutter oder vor Freunden die Brüste aus. Es ist nur logisch, dass es mit dem Stillen schlechter klappt, wenn man ständig von Besuch belagert wird. Du bist als frischgebackene Mutter einfach viel, viel mehr auf dich und dein Baby bezogen, wenn du für dich bist. Nur du, das Baby und der Partner – und alle anderen sollten ihre Neugier erst einmal zurückschalten. Das Baby läuft nicht weg, selbst Oma und Opa können mit ihrem Antrittsbesuch ruhig ein paar Tage warten, wenn es der Mutter dadurch besser geht." Laut ORF-Artikel war genau das bei den "Corona-Müttern" der Fall: Sie (und ihre Babys!) schliefen zum Beispiel auch deutlich besser.

"Hol sie alle ins Krankenhaus, dann hast du es hinter dir!"

Ich wünschte, ich hätte mich mit Franziska früher über dieses Thema unterhalten. Habe ich aber nicht – und stattdessen den Rat aus der Geburtsvorbereitung befolgt: Eine Teilnehmerin fragte unsere kursleitende Hebamme, ab wann man denn Besuch empfangen sollte. Ihre Antwort: "Hol sie alle ins Krankenhaus, dann hast du es hinter dir und musst sie nicht mehr nach Hause einladen."

Es war meine erste Geburt, ich tat, was der Profi sagte – und bereute es. Heute würde ich jeder Mutter empfehlen, es anders zu machen. Und sich nicht verpflichtet zu fühlen, überhaupt während der Wochenbettzeit Besuch zu empfangen – weder im Krankenhaus noch zu Hause. Ich hoffe sehr, dass die Erkenntnisse aus der Corona-Zeit vielleicht diesen positiven Effekt mit sich bringen werden: Dass Mütter künftig ihre eigenen Bedürfnisse immer über die des neugierigen Besuches stellen – so lieb das Vorbeischauen im Wochenbett auch gemeint sein mag.

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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