Wenn die Muttermilch nicht reicht

Zwiemilch: Stillen und Zufüttern

Stillen wollen fast alle Mütter, aber was kann man tun, wenn die Muttermilch nicht ausreicht und zugefüttert werden muss? Unsere Hebamme Franziska Luck klärt die wichtigen Fragen beim Thema: zufüttern.

Nicht immer klappt das Stillen so, wie Mamas es sich wünschen. Es kann zum Beispiel sein, dass die Menge der Muttermilch nicht ausreicht, um das Kind satt zu bekommen. In diesem Fall gibt es manchmal die Möglichkeit, die Milchmenge zu steigern, sodass nur kurze Zeit zugefüttert werden muss. Es kann aber auch passieren, dass die Milch nicht ausreicht und das Baby nicht satt wird. Wenn das Baby Muttermilch und Pulvermilch bekommen soll, wirft das bei Eltern häufig viele Fragen auf, die wir hier klären möchten.  

Eines aber noch vorab: Es ist egal, warum das Baby neben der Muttermilch noch Pulvermilch bekommt, die guten Eigenschaften der Muttermilch, wie zum Beispiel die Antikörper, bekommt es trotzdem. Es kann jedoch sehr anstrengend sein, sowohl zu stillen als auch Pre-Milch dazuzugeben. Mamas sollten diese Doppelbelastung nur so lange durchhalten, wie es für sie machbar ist. Pulvermilch zu geben ist völlig in Ordnung und macht keine Frau zu einer schlechteren Mama. 

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Was bedeutet Zwiemilch?

Zwiemilch ist der Begriff für das kombinierte Füttern von Muttermilch und Ersatzmilch. 

Welche Pulvermilch ist die richtige?

Die Regale sind übervoll mit verschiedensten Milchpulvern. Wie findet man da die Richtige? Im Wesentlichen gibt es zwei verschiedene Grundsorten: PRE und HA. Die Pre-Nahrung ist der Muttermilch am ähnlichsten und sollte für Neugeborene immer die erste Wahl sein. Leidet die Mutter und/oder der Vater an Allergien, solltet ihr eine Pulvermilch mit dem Zusatz HA (Hypoallergen) füttern. Es ist quasi einen Pre-Milch, aber mit einem kleinen Unterschied: die Eiweiße sind stark aufgespalten. Dadurch können die Allergierisiken für das Baby gesenkt werden. Tipp: Nicht immer ist die teuerste Milch die Beste. Informiert euch am besten über die aktuellen Testsieger der Stiftung Warentest. 

Kann das Baby durch Zwiemilch überfüttert werden?

Nein, sowohl Pre- als auch HA-Milch kann wie Muttermilch nach Bedarf gefüttert werden. Überfüttern könnt ihr euer Baby also nicht. Die Pulvermilch mit den Aufschriften 1, 2 oder 3, auch Folgemilch genannt, muss genau nach Anleitung dosiert werden, da hier eine Überfütterung möglich ist. 

Wie gebe ich meinem Baby die Milch?

Am einfachsten geht es mit der Flasche – achtet beim Kauf unbedingt auf die Form und Beschaffenheit des Saugers. Am besten ist der Sauger ganz weich und gerade geformt, sodass er der Brustwarze ähnelt. Hebammen oder Stillberaterinnen empfehlen manchmal auch, die Milch aus einem kleinen Becher zu füttern. Oder mit einer kleinen Spritze, während das Baby am Finger der Mutter nuckelt (Fingerfeeding). Diese Varianten sind gerade am Anfang eine gute Idee, da es sonst schnell zur Saugverwirrung kommen kann. Fragt am besten bei eurer Hebamme nach, welche Option sich für euch und euer Baby am besten eignet.  

Müssen das Wasser und die Fläschchen abgekocht werden?

Das Wasser sollte die ersten sechs Monate für das Baby abgekocht werden. Ebenso wie die Flaschen und das Zubehör, damit sie frei von Bakterien sind. Tipp: Extra Babywasser braucht ihr nicht zu kaufen. Es ist meistens recht teuer und belastet durch den Verpackungsmüll die Umwelt. Wenn du schwanger bist oder ein Baby im Haushalt wohnt, könnt ihr das Leitungswasser kostenlos auf seine Reinheit überprüfen lassen. 

Kommt es durch Zwiemilch zu Bauchweh oder Verstopfung?

Die unterschiedlichen "Milcharten" können leider vermehrt zu Bauchweh führen. Wenn das Baby nicht nur Muttermilch bekommt, sollte darauf geachtet werden, dass es regelmäßig Stuhlgang hat. Beim Anrühren der Pulvermilch bitte nicht schütteln – so könnt ihr Milchschaum vermeiden, der unweigerlich zu Luft im Bauch und somit Blähungen führt. 

Kann das Zufüttern wieder beendet werden?

Generell ist es möglich, das Baby wieder ausschließlich zu stillen. Wenn der Grund des Zufütterns jedoch an einer zu geringen Menge der Muttermilch liegt und diese nicht erhöht werden kann, muss die Pulvermilch natürlich langfristig zusätzlich gegeben werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass euer Baby ausreichend Milch zum Wachsen und Gedeihen bekommt. 

Unsere Autorin

Franziska Luck ist Hebamme in Hamburg. Sie hat selbst drei Kinder und kennt sich daher mit Themen rund um die Schwangerschaft und Babys bestens aus. 

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