Echte Eltern erzählen über ihre Corona-Zeit

"Das iPad ist unser dritter Erziehungsberechtigter"

Wir wollten wissen, wie Mütter und Väter den Stayhome-Alltag stemmen. Und haben nachgefragt. In unserer neuen Serie "Echte Eltern erzählen" packt jeden Tag ein Elternteil aus, erzählt von gebrochenen Regeln, Chaos, Sorgen, aber auch Freuden in dieser außergewöhnlichen Zeit. 12 Fragen, 12 superehrliche Antworten – heute von Patricia Platiel aus Berlin.

Name: Patricia Platiel (39), verheiratet mit Andreas (41)
Kinder: August (5), Mafalda und Cosima (beide 1)
Beruf: Journalistin
Wohnort: Berlin

Patricia lebt mit ihrem Mann, Sohn August und den Zwillingsmädchen Mafalda und Cosima mitten im Berliner Familienstadtteil Prenzlauer Berg. Die Journalistin ist wegen der Corona-Nachrichtenlage im Job gerade gefordert wie selten zuvor, steht häufig auch vor der Kamera – da kommt im Hintergrund das iPad für die Kids deutlich häufiger zum Einsatz als normalerweise. Was sie sonst noch für Regeln bricht und wonach sie sich dringend sehnt, das hat sie uns im Interview erzählt. 

1. Hand aufs Herz: Wie lange lieft ihr heute im Schlafanzug durch die Bude?

Ehrlich gesagt: bis ungefähr 14 Uhr.

2. Chips zum Frühstück, iPad zum Nachtisch: Welche Regel, die du sonst ernst nimmst, hast du heute ohne schlechtes Gewissen gebrochen?

Das iPad ist quasi unser dritter Erziehungsberechtigter. Auch hielt ich zum vierten Mal in Folge Nudeln mit Parmesan für eine ausgewogene Ernährung für die Kinder (hallo Vitamine??).

3. Was war der größte Fauxpas, das tiefste Tief seit Beginn der #Stayhome-Phase?

Wenn wir Eltern vor den Kindern streiten und uns anschreien – einfach, weil der Lagerkoller und die Diskussion, wer wann arbeiten "darf" zu viel wird.

4. …und der schönste, innigste, emotionalste Moment?

Als mein Sohn mitten in einen solchen Streit hinein sagte: "Mama, wusstest Du, die Liebe ist die größte Waffe. Und ihr streitet nur so, weil ihr euch so lieb habt." Ich fing vor Rührung an zu heulen wie ein Schlosshund!

5. Dein ultimativer Tipp für alle Eltern, die zwischen Homeoffice und Homeschooling mal 30 Minuten Ruhe wollen?

Nicht gegenseitig aufrechnen, sondern ehrlich sagen: ich kann nicht mehr, kannst du bitte die Kinder kurz beschäftigen, ich verziehe mich.

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6. Was treibt dich gerade so richtig in den Wahnsinn?

Die dünne Schicht aus Brei, Sabber, Sand, getrockneten Nudeln und Tomatensoße, die sich unter unserem Esstisch ausbreitet und bald die ganze Wohnung einnehmen wird.

7. Die größten Sorgen mache ich mir um…

Mein schlimmstes Szenario: Jemand in unserer Familie erkrankt und ich darf nicht zu meinen Kindern oder sie zu mir – um zu trösten, um in den Arm zu nehmen, um für sie zu sorgen.

8. Wäre ich Politiker, würde ich jetzt…

… Pflegekräften, Erziehern, Supermarkt-Verkäufern etc. sofort das Gehalt auf die Höhe eines CEOs erhöhen!

9. Was macht dir, euch, den Kindern – trotz Corona – gerade gute Laune?

Die gemeinsame Zeit ohne Termine. Das Zuhause-Einmuckeln. Die Dankbarkeit für unser Leben, unser Zuhause und unsere vergleichsweise kleinen Sorgen. Die tägliche Kita-Sportstunde auf YouTube von Alba Berlin. Und mir? Ein Glas Rotwein am Abend, dazu eine Zigarette und die Live-Konzerte von Pianist Igor Levit, jeden Abend um 19 Uhr auf Instagram.

10. Auf einer Skala: Wenn 1 total gelassen ist und 10 ultrapanisch – wo stehst du dann gefühlstechnisch, wenn du aktuell Nachrichten siehst?

Ich bewege mich generell, auch ohne Corona, täglich in allen Bereichen zwischen 1 und 10.

11. Wenn das alles vorbei ist, dann werden wir als erstes…

Nein, nicht wir. Davon hatte ich dann mehr als genug. Sorry, aber dann werde ICH mit meinen Freundinnen in einem sehr vollen Restaurant essen und danach in einer sehr vollen Bar versacken!

12. Zeitreise in den April 2021. Was glaubst du, wie unser Leben in genau einem Jahr aussieht?

Ich weiß es nicht. Wenn diese Krise uns eines gezeigt hat, dann, dass es Dinge gibt, die unvorhersehbar und unkontrollierbar sind.

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Unsere Autorin

Claudia Weingärtner

Jahrelang reiste sie als Reporterin um die Welt. 2014 aber begann ihr größtes Abenteuer: Sie wurde Mama von Zwillingen.

Seitdem übt sie täglich den Spagat zwischen Jobdingen und Kinderkram – und verarbeitet den Muskelkater und andere Konsequenzen u.a. in Briefen, die sie an ihre beiden Kinder schreibt und auf zwillimuddi.com veröffentlicht. Seit April 2020 ist sie Chefredakteurin von "Leben & erziehen".

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