Echte Eltern erzählen über ihre Corona-Zeit

"Als ich in mein leeres Studio kam, brach ich unter Tränen zusammen"

Wir wollten wissen, wie Mütter und Väter den Stayhome-Alltag stemmen. Und haben nachgefragt. In unserer neuen Serie "Echte Eltern erzählen" packt jeden Tag ein Elternteil aus, erzählt von gebrochenen Regeln, Chaos, Sorgen, aber auch Freuden in dieser außergewöhnlichen Zeit. 12 Fragen, 12 superehrliche Antworten – heute von Sonja Kröll aus Lohmar.

Name: Sonja Kröll (36), verheiratet mit Andreas (39)
Kinder: Maximilian (3)
Beruf: Illustratorin, Graphic Recorderin 
Wohnort: Lohmar (NRW)

Sonja hatte nach 13 Jahren ihren Marketingjob gekündigt, um ihr Hobby zum Beruf zu machen: Am Valentinstag 2020 eröffnete die Mutter eines dreijährigen Jungen ihr eigenes Studio, das sie auch als Coworkingspace auf dem Land vermarkten wollte – durch die Corona-Krise aber kann sie es nicht wie geplant nutzen. Wie sie unter Tränen zusammenbrach, als sie es kürzlich besuchte, und was sie trotz allem gerade glücklich macht, hat sie uns im Interview erzählt. 

1. Hand aufs Herz: Wie lange lieft ihr heute im Schlafanzug durch die Bude?

Gar nicht so lange. Ich versuche, jeden Morgen zu duschen und meinen Sohn und mich – zumindest in der Woche – noch vorm Frühstück anzuziehen. Das hilft uns irgendwie, in die Pötte zu kommen.

2. Chips zum Frühstück, iPad zum Nachtisch: Welche Regel, die du sonst ernst nimmst, hast du heute ohne schlechtes Gewissen gebrochen?

Wir haben momentan einen ziemlich schlechten Esser zu Hause. Da ist es mir gerade ganz egal, dass er wieder mit den Fingern isst – Hauptsache er isst.

3. Was war der größte Fauxpas, das tiefste Tief seit Beginn der #Stayhome-Phase?

Als ich das erste Mal in mein leeres Studio gefahren bin, um dort etwas fürs Home Office zu holen – die ersten 30 Minuten alleine und ich bin direkt in Tränen zusammengebrochen. Ich hatte gerade erst eröffnet und jetzt steht es leer. 

4. …und der schönste, innigste, emotionalste Moment?

Mein Sohn sieht mich an, nimmt mich in den Arm und sagt plötzlich "Mama, wir sind ein gutes Team".

5. Dein ultimativer Tipp für alle Eltern, die zwischen Homeoffice und Homeschooling mal 30 Minuten Ruhe wollen?

Max ist 3, kein Homeschooling. Aber für ne Pause vom Homekindergardening: Sockenmemory oder Bügelperlen gehen einfach immer. 

6. Was treibt dich gerade so richtig in den Wahnsinn?

Keine Minute alleine zu haben. Punkt. 

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7. Die größten Sorgen mache ich mir um…

Unsere Gesundheit. Und die Blicke der Erzieherinnen, wenn ich meinen Sohn als unterernährten Alleinherrscher wieder in die Kita bringe. Irgendwann.

8. Wäre ich Politiker, würde ich jetzt…

... lieber ich sein wollen.

9. Was macht dir, euch, den Kindern – trotz Corona – gerade gute Laune?

Regenbogen zählen, Sofakonzerte abends im TV schauen.

10. Auf einer Skala: Wenn 1 total gelassen ist und 10 ultrapanisch – wo stehst du dann gefühlstechnisch, wenn du aktuell Nachrichten siehst?

7

11. Wenn das alles vorbei ist, dann werden wir als erstes…

... alle Geburtstage nachfeiern, Oma und Opa besuchen und zusammen Marmorkuchen essen.

12. Zeitreise in den April 2021. Was glaubst du, wie unser Leben in genau einem Jahr aussieht?

Besser als im April 2019. Ich hoffe sehr, dass wir alle ganz viel aus dieser Corona-Sache mitnehmen werden. Das, was wir haben, wieder zu schätzen wissen. Berufsgruppen, die gerade den Laden am Laufen halten, endlich für ihre Arbeit wertschätzen. Nicht mehr über Home Office diskutieren. Das Vereinbarkeit Job/ Familie besser funktioniert. Rollenbilder sowas von 2020 sind.

Und zum Schluss: Kennst du jemanden in deinem Umfeld, der an Corona erkrankt ist? 

In einer Videokonferenz mit einer Kundin aus Heinsberg habe ich erfahren, dass sie sich so lange nicht gemeldet hatte, da sie und ihr Mann an Corona erkrankt sind.

Mehr von Sonja gibt es hier instagram.com/sonja.kroell

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