Bye-bye Coronakilos!

Mama macht sich fit: So war die erste Woche Bootcamp

Seit dem Lockdown zeigt die Waage unserer Autorin einige Kilos mehr an. In einem achtwöchigen Bootcamp will sie den Grundstein legen, wieder fitter zu werden.

Bootcamp Woche 1

2. Oktober 2020: Aller Anfang ist schwer! Auf das Bootcamp trifft das auf jeden Fall zu, besonders, wenn man wie ich, seit Monaten keinen Sport gemacht hat. Am Montag hatten wir (ich und elf andere Fit-werden-Woller) die erste Trainingseinheit im Hamburger Volkspark. Unsere Trainerin Silvia ist klein, drahtig, sehr lustig und hat – wie sie selbst sagt – viel Spaß daran, uns zu quälen. Wir laufen erst eine kleine Runde und machen dann ein paar Aufwärmübungen. Mir ist danach nicht nur warm, mir ist heiß, ich schwitze. Tatsächlich hätte mir das für den Anfang schon gereicht. Danach geht es aber erst richtig los. Wir starten das Zirkeltraining in Zweiergruppen. Jeweils 60 Sekunden kämpfe ich mich zusammen mit meinem Partner durch die einzelnen Stationen, darunter Liegestütze, Kniebeugen, Burpees und Sit-ups. 30 Sekunden Pause, ehe es direkt weiter geht. Drei ganze Zirkel durchlaufen wir. Meine Beine oder besser gesagt meine Muskeln fangen direkt nach den ersten Stationen an zu zittern. Aber aufgeben ist keine Option. Alle machen weiter, so gut sie eben können. Die letzten zehn Sekunden spornt Silvia uns an, noch mal richtig Gas zu geben. Und tatsächlich: Ein bisschen mehr geht irgendwie immer noch! 

Während wir uns also völlig verausgaben, wird es um uns herum immer dunkler, bis es schließlich stockfinster ist. Nur der wolkenverhangene Himmel strahlt leicht orange und lässt erahnen, dass wir in der Großstadt sind. Der Boden, den wir bei unseren Aufgaben durchwühlen, auf dem wir knien und liegen, riecht nach frischer, feuchter Erde. Das erste Training ist sauanstrengend – und unglaublich befriedigend! 

Die anschließende Nacht und der darauffolgende Tag sind leider eine Katastrophe. Ich habe Muskelkater am gesamten Körper und brennende Kopfschmerzen. Wie genau ich den Dienstag überstehe, weiß ich nicht mehr genau. Mittwoch geht es dem Körper besser, dem Kopf nicht. Ich habe Stress bei der Arbeit und gegen Abend will ich einfach nur ins Bett. Aber das zweite Bootcamp steht an. Hätte ich ein Abo im Fitnessstudio oder würde nur für mich joggen gehen, hätten mich heute garantiert keine zehn Pferde aus dem Haus bekommen. So aber stehe ich um 19 Uhr im Volkspark stramm und absolviere meine zweite Trainingseinheit. Ich hatte ein wenig gehofft, dass Silvia zumindest ein klitzekleines bisschen Mitleid mit uns Muskelkater-geplagten Teilnehmern hat. Hat sie aber nicht! Schon die Aufwärmphase beginnt mit einer Mischung aus Planks und Mountain Climbern, der Zirkel danach quält wirklich jeden einzelnen Muskel im Körper. Aber die frische Luft ist auch an diesem herbstlichen Abend wieder herrlich. Sogar meine Kopfschmerzen verschwinden. Einzig der Salat mit rohen, roten Zwiebeln, den ich am Abend zuvor gegessen habe, war wirklich keine sonderlich gute Idee. Ich stinke wie ein Iltis! 

Fazit der ersten Woche: Das Bootcamp ist noch anstrengender, als ich es befürchtet hatte. Und auch mein sportlicher Zustand ist übler als gedacht. Dennoch bin ich stolz, dass ich nun endlich den Anfang gewagt habe. Ich habe mich aus Spaß gerade einmal auf die Waage gestellt. 73,9 statt 74,4 – ich weiß natürlich, dass das überhaupt nichts aussagt. Und dennoch kann ich mich insgeheim ein ganz kleines bisschen darüber freuen. Nächste Woche sind wir im Urlaub – das Bootcamp muss also pausieren. Die guten Vorsätze sind aber da: Ich werde meine Sportschuhe mitnehmen und anstatt nur mit dem Kind im Schwimmbad rumzuplantschen, auch die ein oder andere Bahn schwimmen. Ob ich mich wirklich daran halte? Davon berichte ich euch, wenn wir zurück sind. 

Vor dem Bootcamp

28.09.2020: 74,4. Puh! Ich habe kurzfristig überlegt, diese Zahl vielleicht in 73,4 oder zumindest 73,9 umzuwandeln, aber das bringt mir auch nicht weniger Speck auf die Hüften. Es ist, wie es ist: Seit dem Lockdown habe ich ordentlich zugenommen. Überraschend ist das nicht wirklich – vormittags saß ich am Rechner, nachmittags mit Kind und Mann im Garten. Viel bewegt habe ich mich nicht. Und gesund gegessen schon mal gar nicht. Gefühlt haben wir den gesamten Sommer gegrillt, dazu natürlich das ein oder andere Glas Wein getrunken und viel Eis genascht.

Über 70 Kilo habe ich bislang nur in der Schwangerschaft gewogen. Davor waren es immer zwischen 65 und 67 Kilo. Ich habe also fast zehn Kilo mehr auf den Rippen! Ich war nie spindeldürr, immer eher der weibliche Typ mit Rundungen. Aber nun merke ich, dass meine Jeans am Bauch kneifen (oder gar nicht mehr zugehen), Pullover und Jacken alle ganz schön eng geworden sind. Die Zahl auf der Waage zeigt das, was ich seit vielen Wochen denke: Ich fühle mich so nicht mehr wohl in meinem Körper. Und das möchte ich ändern! 

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Diesen Sommer habe ich bei Facebook einen Post gelesen, bei dem eine Mutter in einer Gruppe schrieb: "Das Wetter ist so schön, geht mit euren Kindern schwimmen und schämt euch nicht für eure Körper." Darunter waren etliche Kommentare von Mamas zu finden, die sich weder im Bikini noch Badeanzug zeigen mögen und daher wirklich nicht mit ihren Kindern ins Freibad, an den See oder ans Meer fahren. Beziehungsweise dort dann bekleidet am Rand sitzen. Ich finde das ganz schrecklich! Vermutlich auch, weil ich mich diesen Sommer auch das erste Mal im Badeanzug dick gefühlt habe. Es gibt ein Bild von mir, sitzend auf einem Stand-up-Paddle-Board. Wenn ich es anschaue, denke ich nicht an den tollen Tag, den wir zusammen mit meinen Nichten und meiner Schwester an einer Talsperre verbracht haben. Stattdessen starre ich auf meinen Bauch und finde mich hässlich. Ich könnte auch im neunten Monat schwanger sein. Tatsächlich wollte eine Nachbarin mir kürzlich beim Einkaufen zum zweiten Kind gratulieren. Autsch!

Solche Bilder und Situationen rütteln an meinem Selbstwertgefühl. Gleichzeitig motivieren sie mich, denn ich möchte nicht die Mama sein, die nicht mehr mit ihrem Sohn ins Schwimmbad geht, weil sie Angst hat, sich öffentlich zu zeigen. Ich möchte auch nicht die Mama sein, die mit ihrem Sohn nicht um die Wette rennen kann, ohne dabei völlig außer Atem zu sein. Und ich möchte auch nicht die Mama sein, die mit ihrem Sohn kein Trampolin springen kann, weil ihr dabei die Knie wehtun.

Ich will wieder fitter werden! Ich will ein paar Pfunde verlieren! Ich will mich wieder wohl in meinem Körper fühlen! 

Motivation für Mama

Und deshalb mache ich jetzt bei einem Bootcamp mit. Acht Wochen lang werde ich jeden Montag- und Mittwochabend eine Stunde Sport machen. Genauer gesagt: Mich bei einem High-Intensive-Training vollkommen verausgaben. Draußen, bei jedem Wetter. Zusammen mit einer festen Gruppe, die mich hoffentlich motiviert, nicht aufzugeben.

Warum ich nicht einfach joggen gehe oder mir eine Matte im Wohnzimmer ausrolle und Yoga oder Fitnessübungen mache? Weil mein innerer Schweinehund verdammt groß ist. Und ich weiß natürlich, dass gerade die ersten Wochen schwer werden, weil ich überhaupt nicht fit bin. 

Ab sofort nehme ich euch hier auf Leben-und-erziehen.de auf meiner Reise mit und werde vermutlich viel von Muskelkater berichten. Und irgendwann hoffentlich auch von ein paar Kilos weniger und einem besseren Körpergefühl.

Ich zum Start des Bootcamps

Was ich an diesem Bild so mag? Außer, dass mein Sohn mich so herzlich umarmt? Er verdeckt dabei auch meinen Bauch und meine Hüften, die im Sitzen gerne über den Hosenbund lappen und sich in Form unhübscher Rollen unter Kleid oder Pullover abzeichnen. 

Beim Raussuchen eines geeigneten Fotos sind mir zwei Dinge aufgefallen: 
1. Ich mache viel mehr Bilder von meinem Mann und meinem Sohn als er von mir bzw. uns (kennt ihr vielleicht?).
2. Ich lösche alle Fotos von mir, die ich unvorteilhaft finde (kennt ihr vielleicht auch?).

An beiden Punkten sollte ich arbeiten ...

 

 

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