Mama macht jetzt ein Bootcamp

Ciao Ciao Coronakilos!

Seit dem Lockdown zeigt die Waage unserer Autorin einige Kilos mehr an. In einem achtwöchigen Bootcamp will sie den Kilos den Kampf ansagen. Doch dabei kommt ihr nicht nur der innere Schweinehund immer wieder in die Quere, sondern auch die anhaltende Pandemie ...

Vor dem Bootcamp

September 2020: Ein Sonntag im Herbst. Die Waage zeigt 74,4. Puh! Ich habe fast zehn Kilo mehr auf den Rippen! Wirklich überraschend ist das nicht – vormittags saß ich am Rechner, nachmittags mit Kind und Mann im Garten. Viel bewegt habe ich mich nicht. Und gesund gegessen schon mal gar nicht. Gefühlt haben wir den gesamten Sommer gegrillt, dazu Wein getrunken und sehr viel Eis gegessen. Wir haben eindeutig das Beste aus dem Lockdown gemacht ... nur meine Fitness hat dabei ordentlich gelitten. Ich war nie spindeldürr, immer eher der weibliche Typ mit Rundungen. Aber nun kneifen meine Jeans am Bauch oder gehen gar nicht mehr zu.

Die Zahl auf der Waage zeigt das, was ich seit vielen Wochen denke: Ich fühle mich nicht mehr wohl in meinem Körper. Und das möchte ich ändern! 

Genau deshalb habe ich mich bei einem Bootcamp angemeldet. Acht Wochen lang werde ich zwei Mal die Woche ein High-Intensive-Training absolvieren. Draußen bei jedem Wetter, zusammen mit einer festen Gruppe. Warum ich nicht einfach joggen gehe oder mir eine Matte im Wohnzimmer ausrolle? Weil mein innerer Schweinehund verdammt groß ist. Und weil die ersten Wochen bekanntlich die härtesten sind!

Woche 1

Los geht’s! Zusammen mit elf anderen "Booties" starten wir nach einer Aufwärmrunde das gefürchtete Zirkeltraining. Ich mache Liegestütze, Kniebeugen, Burpees und Sit-ups, stemme Gewichte, "sitze" mit zittrigen Beinen im 90-Grad-Winkel an einem Baum und schlage mit voller Wucht zwei dicke Seile auf den Boden. 60 Sekunden lang, dann 30 Sekunden Pause. Drei ganze, nicht enden wollende Runden. Aufgeben ist keine Option – alle machen weiter, so gut sie eben können. Die letzten zehn Sekunden spornt unsere Trainerin Silvi uns an, nochmal richtig Gas zu geben. Und tatsächlich: Ein bisschen mehr geht irgendwie immer noch! Am Ende bin ich völlig fertig – aber unglaublich zufrieden! Der Anfang ist geschafft!

Mein Körper bedankt sich für meine Bemühungen mit Muskelkater der schlimmsten Sorte und höllischen Kopfschmerzen. Am nächsten Tag habe ich erst Stress bei der Arbeit, bespaße dann ein bockiges Kleinkind will abends einfach nur auf die Couch. Stattdessen stehe ich für die zweite Trainingseinheit stramm. Silvi hat leider kein Mitleid mit uns mit uns Muskelkater-geplagten Teilnehmern. Schon die Aufwärmphase beginnt mit einer Mischung aus Planks und Mountain Climbern, der Zirkel danach triezt wirklich jeden einzelnen Muskel im Körper. Aber die frische Luft ist auch an diesem Abend wieder herrlich. Und sogar meine Kopfschmerzen verschwinden.

Woche 2

... und ich bin direkt im Urlaub. Die eingepackten Sportsachen bleiben zwar unangetastet im Koffer, ganz faul war ich dennoch nicht: Im Schwimmbad habe ich fleißig Bahnen geschwommen und nicht – wie sonst – nur mit meinem Sohn rumgeplanscht. Und da wir ohnehin den ganzen Tag unterwegs waren, gab es zusätzlich viel Bewegung an der frischen Luft.

Woche 3

Obwohl wir nach einer Nachtfahrt erst morgens zurück in Hamburg sind, lasse ich das Bootcamp nicht ausfallen (ja, der Gedanke war kurzfristig da …) Schon bei der Aufwärmrunde merke ich, wie gut mir der Urlaub getan hat. So entspannt und energiegeladen macht mir das Training heute richtig Spaß! 

Am Mittwoch machen wir statt des Zirkels mit drei Runden schnellere Durchgänge und insgesamt sechs Runden. Es geht also noch härter! Der anschließende Muskelkater tut richtig weh – und fühlt sich doch gut an.

Woche 4

Am Montag muss ich wegen Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen leider absagen. Mitte der Woche geht es mir besser: Silvi legt den Fokus auf den Oberkörper und die Arme. Für jemanden wie mich mit "Puddingarmen" eine echte Qual! Ich weiß nicht, wie viele Übungen ich an diesem Abend in der Liegestützposition gemacht habe. Ich weiß nur, dass mir meine Arme direkt nach dem Training so weh tun, dass ich nicht einmal Lust habe zu duschen. Die "Mietzekatze", wie Silvi Muskelkater nennt, begleitet mich die ganze Woche.  

Woche 5

Kurz vor Trainingsbeginn bekomme ich die Info, dass ich Kontakt mit einer auf Corona positiv getesteten Person hatte und begebe mich in freiwillige Quarantäne. Die Woche zu Hause nervt: Viel Arbeit, Homeoffice mit Kleinkind, Sorge um die infizierte Person und kein Kopf-frei-kriegen an der frischen Luft. Noch während wir zu Hause festsitzen, wird der "Lockdown Light" verhängt. Damit kann das Training in den nächsten vier Wochen nicht mehr wie gewohnt stattfinden. So hatte ich mir meinen Corona-Kilo-Kampf eindeutig nicht vorgestellt!

Woche 6

Die Einheiten gehen online weiter – nicht für mich! Ich habe keine Lust, vor dem Rechner rumzuhüpfen. Ich will raus! Daher schnappe ich mir meine Sportsachen und laufe los. Nach sechs Kilometern bin ich zu Hause, klitschnass vom Regen, aber zufrieden, dass ich den Hintern auch ohne meine "Booties" hochbekommen habe. Am Mittwoch mache ich weiter und schaffe noch einmal fünf Kilometer.

Woche 7

Viele Menschen gehen gerne joggen. Ich nicht. Mir fehlt das Training in der Gruppe. 60 Sekunden Hampelmann ziehe ich im Team locker durch, beim Joggen klopft der innere Schweinehund schon nach einem Kilometer an. Als eine "Bootie"-Mitstreiterin mir vorschlägt, mit ihr in einer offenen Garage zu trainieren, bin ich sofort am Start.

Aber das Online-Training hat Tücken: Die Verbindung hakt ständig, ein anderer "Bootie" stöhnt so laut, dass es wie in einem schlechten Porno klingt und die mit Wasser gefüllten 1,5 Liter-Flaschen, die wir als Hanteln nutzen, bescheren mir die schlimmsten Nackenverspannungen seit langem. Am Mittwoch liege ich daher nicht in der Garage, sondern stattdessen bei einer Osteopathin auf der Matte.  

Woche 8

´Letzte Woche! Ich bin hochmotiviert … doch dann ist erst der Hund der Trainerin krank, dann meine Mitstreiterin. Alleine in einer kalten Garage vor dem Tablet trainieren? So hatte ich mir mein Bootcamp-Finale nicht vorgestellt. Enttäuscht beschließe ich, einfach so Schluss zu machen und laufe an diesem Abend zumindest noch eine Runde um den Block. Auf einem Baustellenschild entdecke ich ein beschmiertes Schild: FCKCORONA steht da in großen Buchstaben. Besser hätte ich es nicht sagen können.

Fazit

Zugegeben: Ich hatte mir mehr erhofft! Mehr absolvierte Trainingseinheiten und mehr geschmolzene Pfunde (zwei Kilo sind es immerhin geworden). Also hoffe ich nun auf das Ende des Lockdowns, damit ich zusammen mit meinen anderen "Booties" draußen wieder durchstarten kann!

Infos zum Bootcamp

Bootcamps gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Für gewöhnlich wird in einem kleinen Team mit einem festen Coach trainiert. Die Einheiten dauern meistens acht bis zwölf Wochen – perfekt für alle, die keinen Vertrag im Fitnessstudio abschließen und an der frischen Luft trainieren wollen.. Die Kosten variieren je nach Anbieter. Unsere Autorin hat beim "Original Bootcamp" für 16 Einheiten 175 Euro bezahlt.

Mehr Infos unter: www.original-bootcamp.de

 

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