Corona-Lockdown ist Ländersache

Entweder Lockerungen für alle. Oder für keinen!

Ganz allmählich wird der Lockdown gelockert. Aber leider macht jedes Bundesland, was es will. Unsere Autorin findet das unglaublich ungerecht ...

Berlin macht ab dem 30. April 2020 seine Spielplätze wieder auf. Berlin erlaubt ab dem 27. April 2020 auch die Betreuung von Kleingruppen mit drei Kindern. Berlin überlegt auch, die Kitas nun doch weit vor August zu öffnen. In den anderen Bundesländern müssen Eltern sich hingegen noch gedulden. Mit allem!

Was soll das? Was genau ist in Berlin denn bitteschön anders als in Hamburg, Thüringen oder Baden-Württemberg? Auch hier sitzen Eltern seit Wochen mit ihren Kids zu Hause und warten sehnsüchtig darauf, dass die Spielplätze endlich wieder geöffnet werden. Dass ihre Kinder endlich wieder Freunde treffen können. Dass sie selbst durch die Betreuung ihrer Kinder zumindest stundenweise mal wieder entlastet werden. Kurzum: Dass ein klitzekleines Stück Normalität in ihr Leben zurückkehrt.

Alles macht auf. Nur die Kinder wurden vergessen!

Als ob das nicht schon unfair genug wäre, kommt noch hinzu, dass die Lockerungen auch noch ganz andere Bereiche bevorzugen: Geschäfte ab 800 Quadratmetern laden ab Montag endlich wieder zum Shoppen ein. Für Eltern nicht sonderlich reizvoll – mit Kindern wird man derzeit in der Öffentlichkeit ohnehin angeschaut, als würde man das Coronavirus mit bloßem Blick übertragen. Und da vermutlich die wenigsten Kinder artig ihren Mundschutz tragen werden, kann man das Betreten solcher Läden eh vergessen. In Nordrhein-Westfalen sind ab dem 1. Mai Gottesdienste wieder erlaubt – wo vermutlich hauptsächlich ältere Leute, also die Risikogruppe – auflaufen wird. In Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Brandenburg dürfen Golfplätze ab dem 20. April wieder bespielt werden – vermutlich auch von Menschen der etwas älteren Altersklasse. Und in den Parks und Grünanlagen joggen und sporteln Leute direkt neben Kindern, die von ihren Eltern beim täglichen Spazierengehen mal wieder ausgelüftet werden. Und das, obwohl bekannt ist, dass beim Joggen ausgeatmete Tröpfchen bis zu zehn Meter weit fliegen können, ehe sie zu Boden fallen. Dazu wurden Studien im Windkanal gemacht. Fand man sinnvoller als Studien, ob und wie Kinder das Coronavirus übertragen können.

Die Wut der Eltern wächst

Kein Wunder, dass der Unmut der Eltern von Tag zu Tag wächst! Und das ist gefährlich! Denn das Gefühl der Ungerechtigkeit wird dazu führen, dass Regeln gebrochen werden, nach dem Motto: "Wenn Kinder in Berlin auf den Spielplatz dürfen, gehe ich mit meinen eben auch", "Wenn in Berlin drei Kinder zusammen spielen dürfen, laden wir unsere Freunde jetzt auch wieder ein oder teilen uns die Betreuung untereinander auf" oder "Wenn der Spielplatz bei uns dicht ist, machen wir eben Ausflüge ins benachbarte Bundesland." 

Sogar Christian Drosten kritisierte in seinem Podcast des NDR die aktuellen Lockerungen der Politik. Er fürchte, dass Deutschland seinen Vorsprung bei der Eindämmung des Virus verspielen und die Situation entgleiten könne. Auch die "Einzelauslegungen" der jeweiligen Bundesländer sieht der Leiter der Virologie der Berliner Charité kritisch: "Wenn alle anfangen, sich die eigenen Interpretationsspielräume ganz frei auszulegen, dann starten an vielen Orten in Deutschland plötzlich neue Infektionsketten."

Und dann wären die letzten sechs Wochen Isolation für die Katz! Und der Besuch von Kita und Schule, Spielplätzen und Sportvereinen rückt in noch weitere Ferne.

Daher muss es eine einheitliche Regelung geben: Entweder lockern wir überall die Verbote und leben dann zusammen mit einer erneuten Welle und ihren Konsequenzen. Oder wir halten alle noch ein wenig länger durch und freuen uns dann zusammen auf das, was wir alle wollen: eine Welt ohne Corona, ohne Kontaktverbote und ohne Isolation.

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist freie Autorin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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