Jugendämter überfordert

Coronakrise: Angst vor Gewalt gegen Kinder steigt!

In der aktuellen Coronakrise beschloss Grönland nun ein weitreichendes Alkoholverbot bis mindestens 15. April. Die dortige Regierung möchte so verhindern, dass Kinder Opfer häuslicher Gewalt werden. Ein drastischer Schritt. Doch auch hierzulande wächst die Angst ...

Jugendämter stehen unter großem Druck

Schon vor Ausbruch des Coronavirus waren deutsche Jugendämter angesichts zahlreicher Fälle zum Teil deutlich überfordert. Die derzeitige Krise macht sie nun beinahe handlungsunfähig. Personalmangel, schlechte technische Strukturen, Kontaktverbot. Dazu steigende Fallzahlen. Täglich erreichen die Ämter Nachrichten von Betroffenen selbst, aufmerksamen Freunden oder besorgten Nachbarn. Ihnen allen akkurat nachzugehen – für die wenigen noch aktiven Sozialarbeiter kaum stemmbar.

Sozialministerium: Erweiterung der Corona-Verordnung

Um den aktuellen Umständen halbwegs gerecht werden zu können, hat das Sozialministerium nun in einem Beschluss festgelegt, dass in besonders schweren Fällen Kinder weiter in Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Kitas betreut werden dürfen. Die Entscheidung darüber liegt beim jeweils zuständigen Jugendamt.

Was die Situation allerdings sehr erschwert, ist die fehlende Systemrelevanz der Berufsgruppe Sozialarbeiter. Sprich: Die Jugendämter können in diesen Zeiten noch weniger Mitarbeiter für die Bearbeitung der zunehmenden Fälle abstellen. Die Sorge um betroffene Kinder wächst ebenso wie die Angst, etwas nicht mitzubekommen. Am Ende sind die Jugendämter nach wie vor gerichtlich verpflichtet, möglichen Schaden von Kindern abzuwenden.

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Häusliche Gewalt: Isolation könnte Aggression erhöhen

Die bundesweit verordnete Isolation zwingt Familien, lange Zeit auf engstem Raum miteinander auszukommen. Ohnehin gestresste Eltern, die nun auf einmal vor völlig neuen zusätzlichen Aufgaben stehen, könnten mit der Situation auf Dauer überfordert sein ...

Die Aufrechterhaltung eines normalen Arbeitstages von zu Hause aus, Ungewissheit bezüglich des Coronavirus, mögliche Existenzängste, Sorge um die Liebsten und nun auch die ganztägliche Betreuung der Kinder. Konflikte sind beinahe unumgänglich. All dies kann zu einem deutlich erhöhten Stresslevel der Eltern führen und die Hemmschwelle senken. Die Gefahr, dass Kinder zur Kanalisierung dieser Überforderung missbraucht werden, wächst.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Justizsenator Dirk Behrendt von den Grünen unterstreichen diese Befürchtungen. Griffey sehe bereits jetzt deutlich "erhöhtes Konfliktpotential". Justizsenator Behrendt verweist auf aussagekräftige Zahlen aus den vom Coronavirus besonders stark betroffenen Ländern China und Italien. Diese zeigten, dass die Isolation dort für einen deutlichen Anstieg häuslicher Gewalt sorge. 

Hier gibt es Hilfe:

"Nummer gegen Kummer":

Die Bundesregierung informiert auf Ihrer Website stets aktuell über die geltende Ausnahmesituation für Familien und möchte so präventiv arbeiten. Betroffene Kinder und Jugendliche können sich zudem über die sogenannte "Nummer gegen Kummer" von Montag bis Freitag zwischen 14 und 20 Uhr melden. Diese lautet: 116 111.

Jugend-Notmail:

"Wir verstärken die Beratungsangebote, die wir bereits fördern und bauen sie aus, wo es geht", so Giffey.  So soll es eine Erweiterung der sogenannten Jugend-Notmail geben, in der Kinder und Jugendliche von 10 bis 19 Jahren per E-Mail, im Gruppenchat oder auch in entsprechenden Foren austauschen und sich Rat einholen können. Weitere Angebote sollen folgen.

Elterntelefon:

Tipps für ge- und überforderte Eltern gibt es über das Elterntelefon: 0800 - 111 0550. Hier sind die zuständigen Experten montags bis freitags zwischen 9 und 11 Uhr sowie jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr erreichbar.

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Unser Autor

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiasmus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

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