6 Tipps gegen dicke Luft

Coronazeit: Familienstreit

Wenn Menschen dauerhaft eng aufeinanderhocken – wie jetzt während der Coronakrise – birgt das Konfliktpotenzial. Die besten Tipps gegen Streit in der Familie.

Viele Menschen auf engem Raum – in Zeiten der Coronakrise rücken wir einerseits zusammen (in der Familie) und halten andererseits Abstand (auf der Straße). Doch was passiert eigentlich mit den Familien, wenn sich der Alltag auf die eigenen vier Wände beschränkt? Der Platz, der einem zur Verfügung steht, will sinnvoll aufgeteilt werden und auch der zeitliche Ablauf ist nun in vielen Familien ein komplett anderer. Gerade berufstätige Eltern von kleineren Kindern, die sonst in die Krippe oder Kita gehen, müssen jetzt ihren Alltag komplett neu strukturieren. Mit dem Arbeiten in Ruhe ist es erst einmal vorbei.

In vielen Familien kommen echte Existenzängste hinzu: "Kann ich meinen Job behalten, werde ich weiterhin Geld verdienen und meine Familie ernähren können?" Den Kindern ist langweilig, die Nachrichtenflut schürt Ängste. Kein Wunder, dass die Nerven blank liegen und man leichter aneinandergerät.

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SOS-Tipps aus den Kinderdörfern

"Die lange gemeinsame Zeit auf engem Raum und die Unsicherheit, wie es weitergeht, sind der beste Nährboden für Gefühlsausbrüche und dicke Luft", weiß Heidemarie Stuck, Pädagogische Leiterin im SOS-Kinderdorf Moosburg. "Streiten ist etwas völlig Normales. Sich in die Haare zu kriegen, wenn man unterschiedlicher Meinung ist oder die Emotionen hochgehen, muss einem keine Angst machen. Jedoch sollte ein gewisser Punkt nicht überschritten werden."

1. Absprachen treffen

Die derzeitige Situation ist für uns alle eine Herausforderung – für große und kleine Menschen. Jeder hat seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Hier ist es wichtig, im Austausch zu bleiben. Gefühle zu teilen kann sich schon entlastend anfühlen. Vielleicht kann man in der Familie auch ein kleines Ritual einführen. So spricht man beispielsweise beim Abendessen darüber, was heute schön war und was nicht. Wenn Eltern den Wünschen ihrer Kinder gegenüber Verständnis zeigen, ist schon viel gewonnen – auch wenn sich nicht alles umsetzen lässt.

2. Zeit für sich

Extreme Nähe kann auf Dauer nicht gut gehen. Das Bedürfnis, auch mal Zeit für sich zu haben, ist sehr individuell und kann ganz unterschiedlich aussehen. Kleine Auszeiten helfen dabei, wieder Kraft zu tanken und positivere Gedanken zu fassen. Einfach mal kurz mit einer Tasse Tee ans geöffnete Fenster stellen und tief durchatmen, sich für einige Minuten ins Bett verziehen, die Lieblingsmusik hören oder ganz in Ruhe duschen. Das kann schon Wunder wirken.

3. Weg mit dem Perfektionismus

Diese Situation ist für uns alle mit Einschränkungen verbunden. Da hilft es, etwas den Druck rauszunehmen, indem man nicht alles so perfekt machen will wie sonst. Wenn die Spülmaschine erst später ausgeräumt wird oder die Arbeit im Homeoffice etwas länger dauert, weil es mehr Unterbrechungen gibt – na und?! Keiner erwartet, dass Schulkinder zu Hause genauso viel arbeiten wie sonst in der Schule. Mit mehr Lockerheit ist allen geholfen.

4. Ehrlich und direkt sein

Konkrete Kritik sollte man sofort und direkt ansprechen, ohne dem anderen einen Vorwurf zu machen. Wenn man den Frust in sich hineinfrisst, kommt es später viel leichter zu einem unkontrollierten Gefühlsausbruch, den man hinterher möglicherweise bereut.

5. Streiten ohne zu verletzen

Jeder sollte den anderen ausreden lassen. Als Vorbild ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern auf Augenhöhe begegnen und sachlich bleiben. Vorwürfe und Beschimpfungen sind fehl am Platz. Lieber direkt sagen, was man sich wünscht und auch die andere Seite anhören. So lernen die Kinder ein gutes Streitverhalten.

6. Auch wieder versöhnen

Jeder kann Fehler machen. Wichtig ist, diese einzugestehen und sich – wenn angemessen – auch mal zu entschuldigen. Kinder müssen sich sicher sein, dass ein Streit keine Gefahr für die Beziehung untereinander darstellt. Wenn sich alle beruhigt haben, sollte man wieder aufeinander zu gehen und eventuell noch einmal sachlich besprechen, was die jeweiligen Seiten sich wünschen oder worüber man sich geärgert hat. Ein kleiner Gruß auf einem Zettel oder ein Bildchen stimmen versöhnlich. Alle fühlen sich besser, wenn man nach der Versöhnung etwas Schönes zusammen macht: kuscheln, ein Spiel spielen, ein Buch ansehen ...

Wir danken den SOS-Kinderdörfern für den wertvollen Input.

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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