"Different kind of family"

Das Twinteam: Endlich schwanger!

Die Zwillingsschwestern Nina und Lara aus Nordrhein-Westfalen leben mit Ninas Tochter Lea ihr ganz eigenes Modell. Und jetzt ist Lara schwanger! Wir haben mit den beiden über ihr buntes Familienleben gesprochen.

Update 13. September 2021: Lara ist endlich schwanger! Nach einem Wechselbad der Gefühle, da Ultraschallergebnis und Schwangerschaftswoche nicht zusammen passten, gibt es nun Entwarnung: Der HCG-Wert ist ordentlich gestiegen, die Schwangerschaft ist bestätigt. Wir drücken der kleinen Familie alle Daumen für die kommenden Monate!

Juni 2021: Schwanger mit 21. Mitten im Studium. Schon in der Schwangerschaft war klar, dass sich der Vater gegen eine gemeinsame Zukunft entschied. Mehr will Nina Piaskowy, inzwischen 29, nicht dazu sagen. Schließlich hat sie ihre Familie und vor allem ihre Zwillingsschwester Lara an ihrer Seite. Nina und Lara ziehen Ninas Tochter Lea gemeinsam groß.

Diese Familienkonstellation habe sich einfach so ergeben, erzählen die beiden. Geplant war das nicht. Und die Zwillingsschwestern leben auch nicht absichtlich ein bestimmtes "Modell". Wobei es ihnen wichtig ist, ihren Beitrag zu leisten für mehr Toleranz und für die Enttabuisierung von unkonventionellen Familienmodellen. "Für unsere Familie und Freunde war es genauso selbstverständlich wie für uns, dass wir uns gemeinsam um Ninas Kind kümmern", sagt Lara. "Wir haben beide noch bei unseren Eltern gewohnt, als Lea zur Welt kam." Und das war ein Glück, denn in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft hatte Nina mit heftigen Komplikationen zu kämpfen: Bei der ungeborenen Lea wurde eine Wachstumsretardierung festgestellt, Nina hatte schließlich eine Plazentaablösung. Ein ständiges Bangen begann, Klinikaufenthalte folgten. Nach einer dramatischen Geburt musste Lea noch einige Wochen in den Inkubator (Brutkasten) und über eine Sonde ernährt werden.

Schwerer Start ins Leben

"Lea wurde einfach in dieses Leben geschleudert, sie musste hier erst mal ankommen", sagt ihre Mutter Nina heute. "Das hat sich darin gezeigt, dass sie die Nahrungsaufnahme komplett verweigerte." Zwischendurch konnte Nina die Kleine auch stillen, aber die ersten zwei Lebensjahre waren aufgrund dieser Krankheitsgeschichte sehr mühsam. Für Lara und Nina stand die Lösung von Anfang an fest: Sie würden Lea mit Liebe überschütten. Und das taten sie. Am Ende gab es sogar Ärzte, die sagten, dass diese Liebe Lea habe gesunden lassen. Die inzwischen siebenjährige Lea ist nun schon seit Jahren topfit und gesund.

Auf eigenen Beinen stehen

Als Lea ungefähr zwei Jahre alt war, zog Nina mit ihr in eine eigene Wohnung. Lara wohnt ebenfalls in ihrer eigenen Wohnung. Lara und Nina sind Influencerinnen und verbringen quasi den ganzen Tag zusammen. Sie haben mehr als 400.000 Follower bei Instagram. "Wir machen die Kamera erst aus, wenn Lara abends nach Hause geht", so Nina. Fast täglich posten die beiden Storys aus ihrem Alltag. "Es nervt, wenn viele unserer Follower denken, wir würden kaum arbeiten, denn eigentlich arbeiten wir non-stop", sagt Lara. "Wir haben noch nicht mal ein freies Wochenende geschweige denn zwei Wochen Urlaub", ergänzt Nina. "Das ist auf die Dauer echt anstrengend." Tochter Lea ist selbstverständlicher Teil des Familienalltags, aber nur selten in den Stories präsent, ihr Gesicht zeigen die beiden nicht.

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Kinder, Kinder

Als wäre ihr Leben nicht schon turbulent genug, war Lara etwa zwei Jahre lang Bereitschaftspflegemutter. Das heißt, spontan kommt vom Jugendamt ein Anruf, ob sie ein Kind aufnehmen könne, bei dem nicht gewiss ist, wie lange es bleibt. In der Herkunftsfamilie gibt es Probleme, aufgrund derer das Kind schnell aus der Familie genommen werden muss. Elfmal haben Lara und damit auch Nina ein Pflegekind auf Zeit gehabt. Der längste Aufenthalt dauerte etwa drei Monate, der kürzeste 30 Stunden. Die Kinder waren alle zwischen null und einem Jahr. Wie es Lea damit ging? "Sie ist immer richtig gut damit umgegangen", erzählt Lara. "Natürlich haben wir ihr nicht die wahre Geschichte erzählt, warum das Baby nicht bei seiner Mama sein konnte, sondern eine kindgerechte Variante". Zum Beispiel, dass die Mutter ins Krankenhaus müsse und es auch keine anderen Familienmitglieder gäbe, die sich kümmern können. 

Aber dass das Baby wieder zu ihr könne, wenn die Mama wieder gesund ist. "Das haben wir dann jedes Mal gefeiert, weil wir Lea vermitteln wollten, dass es etwas Tolles ist, wenn das Kind wieder nach Hause kommt", sagt Lara weiter. Dabei war das emotional ein großes Auf und Ab, da Lara und Nina die Entscheidung des Jugendamtes, das Kind zurück in seine Ursprungsfamilie zu geben, oft nicht geteilt haben. Die Umstände dort waren dort mitunter nicht zufriedenstellend geklärt, sodass sich die beiden um ihre Pflegekinder häufig sorgten, wenn sie zurück mussten.

Belastungsgrenze erreicht

Letztes Jahr litt Lara an einer Erschöpfungsdepression und war auch in einer Klinik. Dadurch wurde klar, dass sich in ihrem Leben etwas ändern musste. Ihre wohlverdienten Auszeiten vom Immer-präsent-Sein haben sich die beiden hart erarbeitet. Aus Laras Depression zogen sie ihre Konsequenzen: "Wir haben angefangen, uns zwischendurch einfach mal Offline-Tage zu nehmen", erzählt Lara. Einige Fans machen sich sofort Sorgen und fragen, was los sei. "Aber das muss doch einfach drin sein", sind sich die Zwillinge einig. "Wir gehen jetzt viel achtsamer miteinander um", ergänzt Nina, "wir nehmen uns regelmäßig Momente, in denen wir zurücktreten und uns gegenseitig fragen, ob es uns gerade gut geht.“ "Das ist enorm wichtig und vor allem in diesen fordernden Coronazeiten nicht einfach", bestätigt Lara. "Ich weiß jetzt, dass jeder seine eigene Belastungsgrenze hat. Das ist okay so, und darauf muss man achten. Heute genieße ich das Leben viel mehr als vorher und bin jeden Tag dankbar, dass es mir gut geht." Laras Fazit: "Keinem ist damit geholfen, wenn wir nicht mehr können."

Die Familienplanung geht weiter

Seit anderthalb Jahren haben die beiden kein Pflegekind mehr aufgenommen. Die eigene Familienplanung ist aber noch längst nicht abgeschlossen, denn auch Lara wünscht sich ein leibliches Kind. Doch da der Traumprinz noch nicht dahergekommen ist, versucht Lara seit etwa einem Jahr durch künstliche Befruchtung, schwanger zu werden. Und auch Nina zieht diese Möglichkeit für ein weiteres Kind in Betracht. Noch toller wäre es natürlich, wenn plötzlich Mr. Right vor der Tür stehen würde. Ja, die beiden sind NATÜRLICH offen für Männer und sind sich auch sicher, dass das gut klappen würde. Schließlich sehen sie sich als Familienteam, das gut und gerne erweitert werden kann. Und trotz der engen Beziehung zwischen den Schwestern und der vielen Arbeit sind beide überzeugt: "Für Liebe ist immer Platz".

Buch-Tipp: "Hashtag Doppelleben"

Ihr wollt mehr über Ninas und Laras Leben erfahren und die ungeschminkte Wahrheit lesen? Gerade ist ihr Buch "Hashtag Doppelleben. Eine Zwillingsgeschichte zwischen Familie, Followern und Vorurteilen" (Mindfulbooks, 22,95 Euro) erschienen, erhältlich z. B. über Amazon.de*

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Autorin: Irlana Nörtemann

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