Der Familienalltag beginnt

So meistern Paare die ersten Wochen mit Baby

Durch das Baby verändert sich die Beziehung. Bis aus dem Paar mit Kind eine harmonische kleine Familie wird, kann es eine Weile dauern. So meistern Paare die ersten Wochen mit Baby.

Nach der Geburt steht euer Leben plötzlich auf dem Kopf. Ihr seid vielleicht erstaunt, wie viel Zeit und Energie die Versorgung eures Kindes verlangt. Über die ersten Wochen mit Baby erfahren junge Eltern vor der Geburt wenig, weiß die Professorin für Entwicklungspsychologie Barbara Reichle von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Die ersten Monate sind eine große Umstellung

Es gibt Einschnitte in vielen Bereichen – auch finanziell, betont die Expertin. In den meisten Fällen geben die Mütter zumindest vorübergehend ihre Berufstätigkeit auf. Damit stellen sie Bedürfnisse zurück, die damit verbunden waren, etwa finanzielle Unabhängigkeit vom Partner, Anerkennung für berufliche Leistungen und Erfolge, Kontakt zu Arbeitskollegen.

Es gibt eine ganze Reihe an Veränderungen, die junge Eltern erst einmal bewältigen müssen: Gerade für Paare, die bisher gern spontan etwas unternommen haben, sind die ersten Monate eine große Umstellung. Ob Theater oder Essengehen, ohne genaue Planung läuft nichts.

Verständnis für andere Sichtweisen

Die Interessen von Eltern und kinderlosen Freunden gehen meist weit auseinander. Tipp: Damit diese Freundschaften trotzdem funktionieren, ist es wichtig, dass beide Seiten an sich arbeiten. Schön, wenn kinderlose Freunde gerade in der Umbruchsphase Verständnis zeigen und die Eltern unterstützen. Umgekehrt freuen sich die Freunde, wenn Eltern nicht pausenlos übers Baby reden.

Rücksicht aufeinander nehmen

Die Partnerschaft kommt in den ersten Monaten mit dem Baby oft zu kurz. Da genügt oft ein falsches Wort und jeder fühlt sich unverstanden. "Das Baby bekommt alle Zärtlichkeit der Welt und ich bleibe auf der Strecke", beklagen sich junge Väter häufig. Viele Mütter dagegen fühlen sich von der Außenwelt abgeschnitten, beneiden ihren Mann um seine Freiheit. Gut, wenn Paare darüber reden und Verständnis zeigen. Dabei ist ein Wechsel der Perspektive hilfreich: Und beide dürfen dabei nicht nur die eigene Belastung sehen.

Die emeritierte Entwicklungspsychologin Dr. Gabriele Gloger-Tippelt vom Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Düsseldorf weiß, dass viel davon abhängt, wie vertraut zwei Menschen sind: Je länger und intensiver Paare sich kennen, desto mehr Erfahrung haben sie darin, Konflikte zu bewältigen. Sie haben Fragen der Arbeitsteilung in Beruf und Haushalt geklärt und sich bereits vor der Geburt ihres Kindes mit ihrer weiteren Lebensplanung auseinandergesetzt. Trotzdem bleibt viel seelische Feinarbeit. Viele Frauen belastet die Abhängigkeit vom Partner. Und so sehr sie ihr Baby lieben, sie vermissen anregende Kontakte mit Erwachsenen. Männer wiederum fühlen sich mitunter in der Rolle des Ernährers unsicher und fürchten, der Verantwortung für die Familie nicht gewachsen zu sein. In dieser Situation braucht jeder Partner die Rücksicht des anderen.

Ehrlich miteinander reden ist das Wichtigste

Erwarte nicht, dass dein Partner deine alle Gedanken und Gefühle von den Augen abliest. Gerade glückliche Paare zeichnen sich dadurch aus, dass sie einander häufig ihre Gedanken und Empfindungen mitteilen. Das ist besonders in Umbruchsituationen wichtig: Je mehr man sich austauscht, desto besser kann man sich aufeinander abstimmen und Enttäuschungen vermeiden, sagt Prof. Dr. Barbara Reichle. Lass deinen Partner wissen, was in dir vorgeht und worüber du dir Gedanken machst. Plane regelmäßige feste Zeiten für Gespräche ein. Auch beim Spazierengehen mit dem Baby können junge Eltern wunderbar reden.

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