Kinderbilder im Netz

Dürfen Eltern Fotos von ihren Kindern posten?

Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich. Das gilt im Straßenverkehr und auf dem Spielplatz ebenso wie im Internet. Und genau wie im realen Leben ist es auch online gut, die Spielregeln zu kennen, damit es nicht zu bösen Überraschungen oder gar Unfällen kommt.

Achtung bei Veröffentlichung von Fotos ohne Zustimmung

Das Recht am eigenen Bild ist den meisten von uns ziemlich wichtig. Jede Privatperson darf selbst entscheiden, ob eine Aufnahme von ihr veröffentlicht wird. "Dieses Recht besitzen Kinder im Grunde ganz genauso", erklärt Sophie Pohle vom Deutschen Kinderhilfswerk. "Bei Minderjährigen aber nehmen Eltern das Recht stellvertretend wahr, deshalb dürfen sie laut Gesetz Aufnahmen von ihrem Nachwuchs ins Netz stellen." Seien fremde Kinder zu sehen, müssten deren Eltern ihr Einverständnis geben. "Ist das Paar geschieden, entscheidet der Elternteil mit dem Sorgerecht. Ist das Sorgerecht geteilt, müssen beide zustimmen", erklärt die Medienexpertin. 

Laut UN-Kinderrechtskonvention haben auch die Kleinen ein Anrecht auf Privatsphäre und Mitbestimmung. "Höchstpersönliche Momente gehören nicht ins Netz", stellt Sophie Pohle klar. "Was Eltern niedlich finden, ist für Kinder manchmal peinlich oder fühlt sich ungut an. Bilder von nicht voll bekleideten Kindern oder sehr emotionale Momente sollten deshalb nicht veröffentlicht werden." Spätestens ab dem Vorschulalter könnten Kinder schon gut einschätzen, wie sie sich zeigen möchten. "Ich empfehle, den Kindern die Bilder zu zeigen und mit ihnen darüber zu sprechen – und zwar vor der Veröffentlichung." Dann sei es wichtig, ihre Meinung auch zu respektieren.

Soziale Netzwerke nicht verteufeln – lieber die Sichtbarkeit begrenzen

Mit den richtigen Umgangsformen sind soziale Netzwerke in der heutigen Zeit wichtig und wertvoll. "In einer unsicheren Welt schafft Social Media ein starkes Band. Das ist positiv und stärkt die Bindung ins private Beziehungsnetz", erläuterte Mediencoach Dr. Iren Schulz von der BundesInitiative "Schau hin!". Die Kommunikationswissenschaftlerin plädiert beim Posten dafür, die Sichtbarkeit der Aufnahmen einzugrenzen: "Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, Momente zu teilen. Damit Eltern aber die Kontrolle darüber haben, wer ihre Kinder sieht, sollte das Social-Media-Profil privat eingestellt sein. Wo das nicht geht, etwa bei Profilbildern in Chat-Apps, ist es sicherer, die Kinder nur unkenntlich, zum Beispiel von hinten, zu zeigen." Das gelte im Übrigen für alle Familienmitglieder, auch Geschwister und Großeltern.  

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Auch in Hinblick auf Cyberkriminalität ist es ratsam, Aufnahmen nicht aller Welt zur Verfügung zu stellen. "Es gibt Menschen und Server, die das Netz systematisch nach Kinderfotos abgrasen, um diese für ihre Zwecke zu benutzen. Dessen sollte man sich bewusst sein", so Dr. Iren Schulz. "Und niemand weiß, was etwa in 20 Jahren mit unseren Daten aus dem Internet passiert", ergänzt Sophie Pohle. Keiner kann wollen, dass sein Kind später Opfer von Cybermobbing in der Schule wird – z. B. wegen der alten Klo- und Töpfchen-Fotos aus der Kindheit.

Selbstreflexion: Warum poste ich?

Social Media ist schnell, unser Leben im Netz groß. Deshalb ist das entzückende Mini-Me-Foto manchmal unüberlegt schnell gepostet. Dabei sollten wir uns vorher unbedingt kurz Zeit zum Nachdenken nehmen. "Eltern sind stolz auf ihren Nachwuchs, wollen positives Feedback – das ist völlig normal und auch schön. Aber die Kindheit ist eine schützenswerte und sensible Phase und das Internet in seiner Komplexität nicht immer der richtige Kanal. Ebenso wie bei vertraulichen Gesprächen ist der direkte Kontakt, die persönliche Nachricht hier oft angemessener", so Dr. Iren Schulz. 

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Unsere Expertin

Sophie Pohle

ist Referentin für Medienbildung bei der Koordinationsstelle Kinderrechte am Deutschen Kinderhilfswerk e. V.

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Unsere Expertin

Dr. Iren Schulz

ist Kommunikationswissenschaftlerin, Medienpädagogin und Dozentin an der Universität Erfurt.

 

Autorin: Merle von Kuczkowski

Zeigt ihr eure Kinder im Netz?

Kaum ein Thema sorgt unter Eltern für so viel Zoff wie die Frage, ob es okay ist, Kinderfotos in sozialen Netzwerken zu posten. Wir haben vier Meinungen eingesammelt.

"Unsere Kinder sehen jedes Bild vor der Veröffentlichung"

"Meine Oma war Schneiderin, und ich habe dank ihr schon immer genäht. Natürlich auch Sachen für meine Kinder. Vor fünf Jahren habe ich angefangen, handgefertigte Kinderkleidung online unter dem Label ,NordkidZ‘ zu vermarkten. Jetzt habe ich zwölf Mitarbeiter – und unsere Kinder sind die Produkttester für neue Schnittmuster. Wir produzieren robuste Mode aus z.B. Wollwalk, die bequem und langlebig ist. Ich poste Bilder meiner Kinder mit neuen Outfits öffentlich auf unserem Instagram-Kanal. Mir ist bewusst, dass die Fotos weltweit sichtbar sind, deshalb achte ich sehr darauf, dass die Bilder ihnen keine Nachteile bringen können. Peinliche oder intime Momente gibt es bei uns nicht. Meine Kinder sehen außerdem jedes Bild und jede Story vor der Veröffentlichung. Wir sprechen zudem regelmäßig und ausführlich darüber, was im Netz okay ist und was nicht. Meine beiden Großen sind schließlich auch schon allein online unterwegs. Negatives Feedback haben wir fast noch nie bekommen. Wir sind ein Familienunternehmen, und das sieht man auf unserem Profil."

Nadine Sy (34) aus Trittau ist selbstständig und hat vier Kinder: Sophie (15), Tom (11) Niklas (7) und Hannah (4)

"Kinder sind überall: Wieso nicht auch in sozialen Medien?"

"Als Profi-Fußballer steht Dennis im öffentlichen Leben –und wir, seine Familie, mit ihm. Als er noch beim HSV spielte, wurden wir oft von Fans fotografiert, im Restaurant oder im Stadion zum Beispiel. Das konnten wir gar nicht verhindern, und da haben wir uns gedacht: Dann zeigen wir uns lieber selbst. Die Kinder sind es gewohnt, erkannt zu werden. Auch jetzt beim SV Sandhausen. Das ist für uns normal. Das Feedback auf meinen Instagram-Kanal ist fast immer positiv, und die Großen sehen die Aufnahmen, bevor ich sie veröffentliche. Natürlich achte ich darauf, dass die Bilder nicht intim sind, und erkläre meine Kindern, was ich dort tue und warum. Delani hat schon selbst ein Handy und auch ein Instagram-Profil. Allerdings erst mal nur zum Gucken, nicht zum Posten. Kinder sind überall in unserem Leben: Im Fernsehen, in der Musik, in der Werbung – warum sollten sie dann nicht auch in den sozialen Medien sein? Uns wurde die Entscheidung abgenommen, und die Kinder müssen sich ab einem gewissen Alter damit auseinandersetzen, dass sie bekannter sind als andere. So ist unser Leben nun mal."

Spielerfrau, Mama und Influencerin: Dana Diekmeier (35) lebt mit Ehemann Dennis (31) und Delani (10), Dion (6), Dalina (4) und Divia (3) bei Heidelberg

"Ich möchte die Privatsphäre meiner Tochter schützen"

"Bereits in der Schwangerschaft habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich mit Kinderbildern im Netz umgehen will. Das Ergebnis: Ich möchte die Privatsphäre meiner Tochter schützen, deshalb ist weder ihr Gesicht noch ihr Name im Internet zu finden. Ich habe mich über die Nutzungsbedingungen der großen Plattformen informiert. Auf Facebook poste ich gar keine Kinderfotos, da ich dort die Distributionsrechte für meine Bilder komplett abgebe. Bei Instagram ist es zwar genauso, hier zeige ich meine Tochter aber dennoch – allerdings nur auf meinem privaten Account. Und ohne Details preiszugeben: Ich mache sie unkenntlich. Beruhigend finde ich, dass die Nutzungslizenz des Unternehmens für meine Fotos erlischt, wenn ich meinen Account lösche. Im Übrigen dürfen auch meine Familie und Freunde keine Bilder meiner Tochter posten, das gilt auch für andere Kanäle wie zum Beispiel das Whatsapp-Profilbild."

Marthe Goergen-Vasatko (37) ist Unternehmerin aus Hamburg und Mutter einer 4-jährigen Tochter

"Die kleinen Wunder mit Poldi behalten wir für uns"

"Poldilove – das ist mein Hashtag zu allem, was ich von meinem Sohn poste und teile. Doch: Ich zeige sein Gesicht nicht. Macht das Sinn? Warum zeigt man überhaupt sein Kind? Warum zeige ich mein Kind, das Kostbarste auf der Welt, und streue diese Bilder in die digitale Welt? Ist es Eitelkeit oder Liebe? Ist es Corona oder einfach nur Zeitgeist? Eine Antwort auf all das habe ich nicht und ergebe mich dieser zu großen Freude daran, besondere Momente festzuhalten. Warum aber ohne Gesicht? Sein erstes Engelslächeln, die ersten Blicke, sein jetzt so breites bewusstes Anlachen – diese Wunder behalten wir für uns. Aus Ehrfurcht und Dankbarkeit über dieses noch immer unbegreifliche Glück, ein Kind zu haben. Und aus dem simplen Grund, dass einfach jeder – und sei es auch ein privater Account – Screenshots von meinem Kind machen und diese weiterschicken kann, ohne dass ich ansatzweise wüsste, wohin. Liebe kann man teilen, denn dann verdoppelt sie sich. Aber das geht auch offline."

Franziska Underberg (40) ist Eigentümerin der PR-Beratung "Wille Kommunikation" in Berlin. Ihr Sohn Poldi kam im Mai 2020 zur Welt

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