Väter sind auch gute Mütter

Ein Plädoyer, Papa mehr zuzutrauen

Väter verbringen heute viel mehr Zeit mit ihren Kindern als früher. Sie engagieren sich für die Erziehung und kümmern sich mit um den Haushalt. Das Bild vom leicht trotteligen, überforderten Papa hält sich dennoch wacker – selbst in Kinderserien wie "Peppa Wutz" ...

Manche Mütter trauen ihren Männern die Aufgaben rund ums Kind nicht wirklich zu. Sie denken, ihnen läge die Mutterrolle von Natur aus im Blut. Auch die Medien, sogar Kinderserien wie "Peppa Wutz" stützen dieses Bild. Das erschwert es Vätern, sich genauso um den Nachwuchs zu kümmern wie die Mutter.

Wichtig ist, dass jeder der Elternteile seinen eigenen Umgang mit dem Kind findet. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Gesteht eurem Mann den Unterschied zu, denn euer Baby kann das sehr gut unterscheiden und hat überhaupt kein Problem damit.

Man weiß heute sehr viel mehr als noch vor 20 Jahren darüber, wie wichtig Väter für ihre Kinder sind. Wie wichtig es für deren Rollenfindung ist, dass sie Vater und Mutter erleben. Man weiß inzwischen auch: Engagierte Väter sind viel glücklicher in ihrem Leben. Sie haben eine wesentlich niedrigere Scheidungsquote als Männer, die das traditionelle Modell wählen.

Vaterwerden beginnt schon in der Schwangerschaft. Die größten Veränderungen finden im Kopf statt, denn eine Schwangerschaft ist für jeden Mann eine Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung. Damit ihnen das leichter fällt, sollten sie von Anfang an eng an allem teilnehmen – und von der werdenden Mutter einbezogen werden.

Männer und Frauen machen aufgrund der körperlichen Gegebenheiten sehr unterschiedliche Erfahrungen in der Schwangerschaft. Deshalb müssen Paare viel miteinander reden. Auch Besuche beim Frauenarzt und Geburtsvorbereitungskurs sollten gemeinsam stattfinden. So bleibt er auf demselben Wissenstand wie die Frau.

Dass Männer die Schwangerschaft körperlich nicht miterleben, ist ein Vorurteil. Manche leiden ebenfalls unter Verstimmungen, Appetitlosigkeit und Depressionen. Immerhin 90 Prozent der Väter sind heute im Kreißsaal mit dabei. Und: empfinden das Erleben der Geburt als einzigartiges, überwältigendes Erlebnis.

Je mehr Zeit der Vater direkt nach der Geburt für Frau und Baby investiert, desto besser geht es der Familie in den nächsten Jahren. Das zeigen etliche Untersuchungen. Das A und O ist dabei: Die Mutter muss abgeben können. Studien belegen, dass der Vater gern Verantwortung übernimmt, wenn die Frau es zulässt. Kümmert sie sich ausschließlich um das Baby, kann der Mann keinen Kontakt zu ihm aufnehmen und keine Bindung aufbauen.

Tipps für Väter: So findet ihr eure Rolle

  • Seid ab der Schwangerschaft aktiv mit dabei.
  • Väterzentren bieten "Start-Kurse" an. Es gibt auch Selbsterfahrungsgruppen und Foren für Väter. Später gibt es Väter-Kind-Gruppen, in denen ein Austausch mit anderen Papas möglich ist.
  • Der Austausch mit Männern, die schon länger Väter sind, hilft weiter.
  • Versucht, eure eigene Rolle zu finden. Ihr müsst nicht alles genauso machen wie die Mutter – ein Austausch lohnt sich aber dennoch, denn ihr macht unterschiedliche Beobachtungen an eurem Kind.
  • Ihr dürft eurer Partnerin ruhig zeigen: "Auch ich habe Unsicherheiten."
  • Ihr seid genervt von gut gemeinten Ratschlägen? Auch das zu sagen, ist okay. 
  • Verbringe auf jeden Fall regelmäßig alleine Zeit mit eurem Kind. Nur so entsteht eine einzigartige, intensive Bindung.

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