Frühlingsfreuden

Frühling mit Kindern: Raus in die Natur!

Die Natur erwacht zu neuem Leben – und wir mit ihr! Gerade nach diesem düsteren Winter sollten wir uns mit allen Sinnen hineinstürzen. In diesem Text erfahrt ihr, wieso das so gesund ist und warum der Frühling uns und den Kids gerade 2021
unfassbar guttun wird.

Ein auf vielen Ebenen langer und anstrengender Winter neigt sich endlich dem Ende zu. Draußen beginnt die Natur, das kalte Grau mit leuchtendem Grün zu vertreiben. Endlich wieder frische Farbe im Leben – das haben nach den vergangenen Wochen viele von uns ziemlich dringend nötig. 

Warum aber tun uns die Veränderungen, die der Frühling mit sich bringt, so gut? Erstens: Es ist endlich wieder heller! Das Sonnenlicht aktiviert Botenstoffe im Gehirn, die Gefühle wie Lebensfreude und Wohlbefinden steigern. Zweitens: Der Anblick von sprießenden und wachsenden Pflanzen weckt auch im menschlichen Körper Lust auf Aktivität – die sogenannten Frühlingsgefühle werden wach. Drittens: Grün war schon immer die Farbe der Hoffnung. Die Farbe da draußen suggeriert unserem Gehirn demnach, dass sich (wie schon nach dem letzten Frühling) die Corona-Lage etwas beruhigt. Doch ganz unabhängig von Pandemie und Jahreszeiten – was immer gilt, ist: "Wir brauchen die Natur, um körperlich, geistig und emotional gesund zu bleiben", erklärt Prof. Norbert Jung. Der Umweltpädagoge und Ökopsychologe von der Hochschule Eberswalde ist Experte in dem Thema. Er sagt: "Die Natur tut uns tief in der Seele gut. Das belegen zahlreiche Studien seit mehr als 40 Jahren." Also, raus mit den Kindern in den erwachenden Wald und alles ist wieder gut? "Die Natur ist natürlich kein Allheilmittel", stellt Prof. Jung klar, "aber ein Ausflug ins Grüne hat immer einen meditativen Charakter. Denn im Gegensatz zur Stadt ermüdet die Natur nicht. Sie verlangt nichts von uns. Sie gibt uns nur Freiheit. Erwachsenen und Kindern gleichermaßen." Allerdings müsse der Mensch sich dafür auch auf die Natur einlassen. Und daran hapere es vor allem bei den Erwachsenen häufig.

Entspannung: hier und jetzt

Also: Handy aus. Oder es – noch besser – sogar ganz zu Hause lassen. Und den Blick heben, gen Himmel. Um die Weite der Welt mal wieder zu sehen und die ersten grünen Knospen zu entdecken. Ein Ausflug in den Wald, in die Berge oder ans Flussufer ist eine gute Gelegenheit, um neue Kraft zu tanken. "Unsere Aufmerksamkeit, unsere Gefühle und Gedanken geraten in Bewegung", beschreibt es der Ökopsychologe. Und das hat direkte Auswirkungen:

  • Nach nur fünf bis zehn Minuten in der Natur nimmt das Stressempfinden deutlich ab. Das zeigen Messungen von Blutdruck, Puls und Muskelspannung. 
  • Selbst für uns alltägliche und somit unspektakuläre Naturszenen wirken stimmungsaufhellend, beruhigend und entspannend.
  • Psychische Störungen wie Aggressivität und depressive Zustände nehmen durch den Aufenthalt an frischer Luft merklich ab.

Zudem stärkt zum Beispiel ein Waldspaziergang direkt die Immunabwehr. "Auch gegen Coronaviren", betont Prof. Jung. Dabei gelangen Hunderte unterschiedlichste Duftstoffe an unser Immunsystem, das dadurch seine Abwehrzellen verstärkt. 

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Kinder wollen die Natur intuitiv erleben

Wir Eltern können durch Ausflüge ins Grüne also viel gewinnen. Und unsere Kleinen? Noch viel mehr! "Wir sind in unserer Grundausstattung Naturwesen. Die Mutter ist für das Baby Natur. Kleinkinder werden von Tieren magisch angezogen. Kinder wissen intuitiv, was Leben ist. Wir müssen ihnen nur die Möglichkeit geben, die Natur auch zu erleben", so der Umweltpädagoge. Schon Säuglinge würden in der freien Natur ihre Entdeckungskraft maximal entfalten. Was sind Fühl-Bücher mit einer Handvoll verschiedener Strukturen im Vergleich zu der Vielfalt an Formen und Empfindungen draußen? "Kleinkinder entwickeln in der Natur große Kreativität, weil sie mit den Gegebenheiten spielen, statt auf Spielplätzen oder mit Spielsachen vorgegeben zu bekommen, was sie tun sollen", erklärt Prof. Jung. Und die Natur fördere noch mehr gute Eigenschaften unserer Kids zutage, so der Umweltpädagoge:

  • Sprache und Sprechfähigkeit werden gestärkt, weil Neues mitgeteilt werden will.
  • Das Spielverhalten wird sozialer, weil die Kinder auf unerwartete Gegebenheiten eingehen.
  • Die Komplexität der Natur fördert die Intelligenz der Kleinen auf natürliche Weise, weil sie logisch und differenziert denken müssen. 
  • Die Ich-Stabilisierung wird gestärkt, "weil 'ich bin auf einen Baum geklettert' für jedes Kind das Größte ist", meint Jung. 

Zudem hat die Natur psychologisch gesehen natürlich die gleichen Effekte auf Kinder wie auf Erwachsene: Stressabbau, Entspannung, Konzentration. Und keine Bange, dass die Natur dreckig und so gesundheitsschädlich sein könnte: "Kinder nehmen dort viele 'gute' Bakterien auf, das ist förderlich für die Gesundheit", so Jung. Über den Begriff "Waldbaden" lacht der Professor im Übrigen. Eine "Modeerscheinung", so sagt er. Aber vom Grundprinzip sei es genau richtig: Raus in die Natur, mit Kopf und Herz. "Lasst die Kinder laufen und macht Pause", rät Prof. Norbert Jung daher allen Eltern. "Das tut allen gut."

Waldbaden: der Anti-Stress-Trend aus Japan

Ein Trend, der seit einiger Zeit aus Japan nach Europa schwappt, heißt Shinrinyoku – zu Deutsch "Waldbaden". Seit Jahren schon fördert das japanische Gesundheitswesen das Waldbaden als eine anerkannte Stress-Management-Methode – denn Wissenschaftlern zufolge wirkt der achtsame, bewusste Aufenthalt in der Natur wie eine Art Aromatherapie. Also: Ab in den Wald, innehalten, genau hinschauen, nach innen und außen fühlen. Erwachsene und Kinder können dabei Ruhe und Entspannung finden – und ein starkes Band zu unserer Welt knüpfen, das in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und Pandemie erdend wirken und Halt geben kann. 

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Unser Experte

 

Prof. Dr. Norbert Jung ist Umweltpädagoge und Ökopsychologe an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde.

Autorin: Merle von Kuczkowski 

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