Bewusstsein für unser Klima

Umweltprobleme in Zeiten von Corona: Wo ist Greta?

Es ist still geworden um die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Die Pandemie scheint die Umweltprobleme zu überlagern. Doch tatsächlich haben sich die Aktivitäten nur verschoben.

Am 3. Januar 2021 wurde Greta Thunberg 18 Jahre alt. Doch warum hört man nichts mehr von ihren Aktionen zur Erhaltung unserer Erde? Es scheint, als ob die Corona-Pandemie die so wichtigen Impulse von Greta und "Fridays for Future" aus unserem Bewusstsein gedrängt hätte. Viele größere Kinder und Jugendliche waren mit ihr auf den Straßen – statt in der Schule.

Mit den Kontakteinschränkungen und dem Aussetzen des Präsenzunterrichts vielerorts sind ihre Stimmen und ihre Begeisterung für die grüne Sache sehr leise geworden. Die unmittelbare Angst vor der Ansteckung, vor einer Überlastung der Intensivstationen, vor schweren Verläufen, dem Tod überschattet alles. Fast so, als ob die weit weniger sichtbare Klimakatastrophe für die Dauer der Pandemie eine Pause einlegt hätte. Hat die soziale und schulische Entschleunigung auch den Klimawandel verlangsamt? War der "Friday for Future"-Aktivismus nur reiner Klima-Aktionismus? Gar nicht so wichtig im Vergleich zu der unmittelbaren Bedrohung, die uns gerade in Atem hält?

Die klare Antwort ist: NEIN

Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Welt steuert unverändert mit zunehmender Geschwindigkeit auf eine Klima-Katastrophe zu. Nicht so sichtbar, wie die Bilder aus den Krankenhäusern. Nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch unser Weltklima steht kurz vor dem Kollaps – ohne Aussicht auf schnelle Heilung oder wirksame Impfstrategien.

Fast schon exemplarisch dafür stehen die Berge von nur schwer abbaubaren Masken aus Polypropylen und Testabfällen. Und nur der erste Lockdown hat für autofreie Straßen gesorgt. Jetzt steigen die Menschen aus Angst vor Kontakten von den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder auf ihre Autos um – so wurden im Jahr 2020 bei vielen Herstellern sogar mehr Autos bestellt als im Jahr davor. Günstige Leasingverträge, Umweltkaufprämien (!?!) und Steuervorteile für Elektro- und Hybridfahrzeuge machen es möglich.

Die Produktionsrhythmen drehen immer schneller. Nicht nur bei den Autos. Wir schmeißen weg, was wir nicht brauchen. Reparaturen, selbst der Austausch der Batterien in unseren teuren Smartphones und -watches, wird industriell verhindert. Die Müllberge wachsen unverändert. Wir überdrehen auf Kosten dieser Erde und unserer Zukunft. Doch als Eltern stehen wir in der Verantwortung, die Welt für unsere Kinder lebenswert und reich an natürlichen Ressourcen zu hinterlassen. Das bedeutet, auf Nachhaltigkeit zu achten, dem Überfluss den Kampf anzusagen.

Wir brauchen Greta Thunberg auch in 2021!

Auch in Zeiten der Pandemie. Denn sie hat bei unseren Kindern das so wichtige Bewusstsein für unser Klima geschaffen. Wir brauchen ihr Engagement, das unserer Kinder und unser eigenes für die Rettung dieses Planeten. Gut, dass viele Aktionen jetzt wenigstens noch online stattfinden.

Globaler Klimastreik #allefürsklima

Am Earth Day, dem 22. April 2021, sprach Greta vor dem US- Kongress. Kürzlich wurde bekannt, dass sie 100.000 Euro aus ihrer Stiftung für eine weltweit gerechte Impfverteilung spendete. Pandemiebedingt gibt es aktuell viele Aktionen virtuell. Infos: fridaysforfuture.de

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Unser Kolumnist

Jan Wickmann

... ist Vater von drei Kindern und Geschäftsführer von Junior Medien, dem Verlag, in dem Leben & erziehen green erscheint.

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