Großes Konfliktpotenzial

Wenn Großeltern sich in die Erziehung einmischen

Oma und Opa sind für uns Eltern meist Gold wert. Sie betreuen die Kleinen und entlasten unseren Alltag. Doch was passiert, wenn sie in Erziehungsfragen alles besser wissen wollen? Eine US-Umfrage legt die Folgen offen.

"Habt ihr denn keine festen Essenszeiten?“, "Ben sollte weniger fernsehen", "Das Kind muss längst ins Bett!" und "Pia sollte lernen, sich alleine zu beschäftigen." Solche oder ähnliche Sätze kennen wir doch alle. Meist sind es harmlose, gutgemeinte Ratschläge für Mamas und Papas von ihren eigenen Eltern – also von den Großeltern, die natürlich aus langjähriger Erfahrung besser wissen wollen, wie es heutzutage mit den Kleinen läuft.

Für die meisten Eltern sind Großeltern eine große Stütze in Sachen Betreuung und Erziehung ihrer Kinder. Und auch die Enkel genießen die Zeit mit Oma und Opa. Was sie sagen, findet zwar Gehör, kann jedoch auch ganz schön nerven und zu unnötigem Streit führen.

US-Studie enthüllt Generationenkonflikte

Einer aktuellen US-Umfrage der "University of Michigan" zufolge ergeben sich regelrechte Generationenkonflikte durch abweichende Ansichten der Großeltern. Wenn sich Oma und Opa einmischen, können Themen wie die richtige Schlafenszeit, gesunde Ernährung oder was erlaubt sein sollte und was nicht hartnäckig und grundsätzlich werden.

Befragt wurden 2016 Eltern von Kindern unter 18 Jahren zu ihren Erfahrungen. Das Ergebnis zeigt, dass etwa die Hälfte der Mamas und Papas schon einmal wegen Erziehungsangelegenheiten mit den eigenen Eltern in Streit geraten sind. Bei etwa 280 Elternpaaren ging die Auseinandersetzung so weit, dass sie ihren eigenen Eltern die gemeinsame Zeit mit den Enkeln kürzen mussten. 

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Worüber gestritten wird

Interessant ist, dass die Streitthemen sich wiederholen. Genereller Knackpunkt ist mit 57 Prozent das Thema Disziplin, gefolgt von Mahlzeiten (44 Prozent) sowie Fernsehen und Smartphone (36 Prozent). Zudem bieten Benehmen, Sicherheit und Gesundheit der Kinder Konfliktpotenzial. Neu, aber umso brisanter: wenn Eltern Fotos und Infos der Kinder in sozialen Netzwerken teilen, fördert das die Kritik bei den Hütern der letzten Generation.

Andere Ansichten – mehr Belastung

Kinderärztin und Co-Leiterin der Studie Sarah Clark betont die große Rolle, die Großeltern in der Erziehung der Enkel und Unterstützung der Eltern spielen. Allerdings können "andere Ideen" auch zu "Spannungen" führen und die "Beziehung zwischen Eltern und Großeltern belasten". Wenn Großeltern Dinge erlauben, die die Eltern verbieten oder wenn sie etwas untersagen, was eigentlich für die Familie okay ist, kann es zu Problemen und Verunsicherungen hinsichtlich der Kindererziehung kommen. Oft stecken auch einfache Missverständnisse dahinter. Oma und Opa berufen sich gerne auf Maßnahmen aus ihrer eigenen Erfahrung als Erziehungsberechtigte und die latente Erfolgsgarantie "weil man es eben schon immer so gemacht hat". Zeitgemäße Vorstellungen und Regeln wie etwa eine Sitzerhöhung fürs Auto sind für Großeltern oft einfach nicht nachvollziehbar.

Großer Streit – wenig Kooperation

Nur bei etwa der Hälfte der Befragten kommen die Großeltern dem eingeforderten Respekt für den Erziehungsstil ihrer Kinder gegenüber nach. 17 Prozent der Omas und Opas lehnen es hingegen ab, sich an die Regeln in den Familien ihrer Kinder zu halten.

Die Studie zeigt: Je intensiver der Streit, desto weniger kooperativ die Großeltern. Die Auseinandersetzungen gipfelten den Befragten zufolge dann häufig in der Einschränkung der Besuchszeit. In jedem Fall belastet der Streit über Erziehungsfragen die Beziehung zwischen Großeltern und ihren Kindern wie auch ihren Enkeln.

Respekt gegenüber den Erziehungsberechtigten

Unser Tipp: Um Mama und Papa bei der Herausforderung der Kindererziehung zu unterstützen, ist es sinnvoll, wenn die Großeltern den Erziehungsstil der Erziehungsberechtigten respektieren. Die Einsicht, dass vieles in der heutigen Zeit einfach anders läuft, sorgt für Harmonie. Von einer Eskalation hat niemand etwas: sie führt nur zu Unfrieden, Streit und im Zweifel zu weniger gemeinsamer Zeit mit der Familie.  Also, liebe Großeltern, besser mal ein Auge zudrücken!

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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