Perspektivwechsel

"Habt ihr es vorher gewusst?" – Was Menas Mama an dieser Frage stört ...

Die fünfjährige Mena lebt mit dem Down-Syndrom. Diese eine Frage begegnet ihren Eltern seit der Geburt immer und immer wieder. Und sie tut weh ... Auf ihrem Instagram-Account erklärt ihre Mama Salomé sehr einfühlsam, warum sie die Frage: "Habt ihr es eigentlich schon vorher gewusst?" als so unpassend empfindet.

Mama Salomé hat zwei Kinder. Ihre Tochter Mena (s. Bild) wurde mit Trisomie 21 geboren.
© Foto: Instagram/@hope_on_the_road
Mama Salomé hat zwei Kinder. Ihre Tochter Mena (s. Bild) wurde mit Trisomie 21 geboren.

Mena ist jetzt fünf, fast sechs. Und eigentlich dachte ich, dass die immerwährende Frage "Habt ihr es eigentlich vorher gewusst?" irgendwann verstummt.
But guess what?
Allein in den letzten drei Wochen wurde sie mir drei Mal gestellt.
Obwohl ich sie jedes Mal in gewohnter Manier mit "Nein, wir wussten es nicht und sind zutiefst dankbar dafür." beantworte, lässt sie mich noch immer oft ratlos zurück.
Sobald irgendein Gespräch mit irgendwem zum ersten Mal auf Menas Behinderung kommt, kann ich mir zu 99,9 Prozent sicher sein, dass diese Frage eine der ersten sein wird. Sie scheint geradezu unter den Nägeln zu brennen.
Eine Frage, vermutlich aus Neugierde und Unbedarftheit gestellt.
Eine Frage, die dennoch piekst und zwickt.
Eine Frage, die weit mehr impliziert, als ein einfaches Ja oder Nein.
Eine Frage, die bereits jetzt (und zukünftig noch viel mehr) zu einer Rechtfertigung drängt.
Mena lebt. Sie ist glücklich. WIR sind glücklich.
Spielt es wirklich eine Rolle, ob wir "es" vorher wussten?
Wenn ja, welche?
Bekommen wir extra Respekt und Bewunderung gezollt, wenn wir es wussten und uns dennoch dafür entschieden haben?
Oder ist das Nicht-Wissen einfach eine befriedigende Erklärung, wie "so etwas" passieren konnte?
Ich will nicht unfair sein. Sicher geht es den allermeisten auch um ehrliches Interesse an unserer Geschichte.
Nur machen sich anscheinend viel zu wenige bewusst, dass da auch immer ein "Habt ihr denn die Tests nicht gemacht?" und somit ein "Das muss doch heutzutage nicht mehr sein." mitschwingt.
Und das schmerzt. Sich für die Existenz des geliebten Kindes rechtfertigen zu müssen, schmerzt.
Wie selbstverständlich das Aussortieren von Menschen mit DS geschieht, schmerzt.
Dass diese Frage nach dem Wissen oder Nichtwissen fast schon Smalltalk-Charakter hat, schmerzt.
Wenn ihr euch mit Eltern über die Behinderung ihres Kindes unterhaltet, gibt es massig gute Fragen, die ihr ihnen stellen könnt.
"Habt ihr es vorher gewusst?" gehört nicht dazu.

In den Kommentaren unter dem Original-Post wurden Fragen gesammelt, die Eltern von Kindern mit Down-Syndrom stattdessen gerne hören und beantworten:

Unsere Gastautorin: Salomé – @hope_on_the_road

Lade weitere Inhalte ...