Pro & Contra Debatte

Halloween feiern - schaurig schön oder der blanke Horror?

Für die einen ist Halloween das Highlight des Herbstes, während andere am 31. Oktober am liebsten die Türklingel abstellen würden. Die Gruselnacht wird immer aufwendiger gefeiert, allerdings nicht zur Freude aller. Wir haben Eltern gefragt, wie sie dazu stehen – und eine Expertin erklärt, wann der Spaß für Kinder aufhört.

Mareen (40), Chemielaborantin aus Frankfurt, zwei Söhne (6 und 10): "Unsere ganze Straße wird zum Halloween-Spektakel"

"Als Jugendliche habe ich gerne Horrorfilme geguckt – da gehört ein gruseliger Kürbis zum guten Ton! Von Jahr zu Jahr haben unsere Kindern nach mehr gruseligem Schmuck verlangt. Und der Papa hatte endlich ein Argument, sich Technik wie Nebelmaschine, Beamer, Lampen und Mischpult anzuschaffen. In unserer Straße steht sich die Nachbarschaft in Nichts nach, es ist mittlerweile so, dass Familien mit Autos von entfernteren Straßen kommen und sich das Spektakel angucken. Die Klingel steht an diesem Abend kaum still. Unser älterer Sohn geht mit Freunden auf die Straße. Der jüngere freut sich darüber, wie sein Papa die Kinder erschreckt, und reicht dann mit beruhigenden Worten, dass das Monster nur sein Papa sei, die Süßigkeiten. Weil wir so viel Spaß daran haben wird die Deko als Geburtstagsdeko umfunktioniert und eine Monster-Motto-Geburtstagsparty veranstaltet. Da darf ich mich dann mit Wackelpudding mit Glibberaugen, Käsekuchen mit abgehackten Marzipanfingern oder Muffin-Spinnen ausleben."

Dajana (41), Bloggerin aus Koblenz, eine Tochter (5) und ein Sohn (9): "Ich mag das Mystische und die herbstlichen Farben"

"Zu Halloween inspiriert haben mich meine vielen USA-Reisen. Ich mag einfach alles: das Sammeln der Süßigkeiten, die herbstlichen Farben bei der Deko, das Backen von Halloween-Keksen, das Mysti- sche ... Eine gute Abwechslung im oft so grauen Herbst. Schon seit Jahren feiern wir mit Freunden ein Halloween-Fest. Unser Haus ist innen und außen geschmückt. Riesige Spinnen weben das Wohnzimmer zu, überall stehen Kürbisse, Fleder- mäuse und Skelette. Draußen gibt es eine Lichtershow. Mit dem Essen geben wir uns beson- ders viel Mühe. So gab es in den letzten Jahren Kür- bissuppe mit Spinnen, einen Skelettkopf-Dip, einen blutigen Hackfleisch-Fuß, Glubschaugen-Bowle ... Unsere Kinder lieben das Verkleiden und Süßigkeiten-Sammeln. Bei den Kostümen achten wir auf altersgerechte Varianten. Horror-Clowns kommen uns nicht ins Haus. Bei uns sind es eher Hexen, Geister oder Elfen. Und auch ich und mein Mann verkleiden uns – das finden die Kinder großartig, dass wirklich alle mitmachen und das ganze Haus schaurig schön erstrahlt."

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Svenja (38), PR-Beraterin aus Erlangen, zwei Söhne (3 und 7): "Das Fest hat in Deutschland überhaupt keine Tradition"

"Skelette, abgetrennte Körperteile und Geister fand ich schon immer unheimlich. Halloween feiern hat eine Tradition, aber eben nicht bei uns hier in Deutschland. Wer von Haus zu Haus ziehen möchte, kann dies an Sankt Martin tun. Dazu muss ich nicht ein Fest mit amerika- nischem Overload übernehmen. Als Eltern versuchen wir das ganze Jahr über, gruselige Dinge, Tod, Geister und das alles von unseren Kindern fernzuhalten. Dann kommt Halloween – und schon gibt es düstere Dinge im Überfluss! Das ist ein Widerspruch, den ich nicht verstehen kann. Klar kommen die Kinder im Kindergarten mit Halloween in Berührung. Im Moment sind un- sere Jungs aber noch so klein, dass wir das Thema gut steuern können. Wir haben unserem Großen erklärt, warum wir Halloween nicht mögen, und das ist für ihn okay. Ich glaube fest, dass die Kinder es verstehen und akzeptieren. Wenn
man von klein auf manche Dinge in der Familie etabliert und verständlich erklärt, ist die Nachfrage nicht in dem Maße gegeben."

Jessica (40), Reiseverkehrskauffrau aus Moers, zwei Töchter (3 und 21) und zwei Söhne (1 und 16): "Ich öffne an diesem Abend nicht die Haustür"

"Wir feiern kein Halloween, da wir nicht hinter dem stehen, was das Fest präsentiert. Wir haben tatsächlich noch nie die Tür geöffnet, wenn jemand geklingelt hat. Unsere große Tochter fährt allerdings an diesem Tag gerne in den Movie Park. Wir sind ihr zuliebe einmal mitgefahren – aber dann schon am frühen Abend wieder gegangen, bevor die Verkleideten im Park ankamen. Unsere kleine Tochter merkt natürlich, dass an diesem Tag etwas gefeiert wird. Wir haben mit ihr einen Kürbis geschnitzt, Halloween-Donuts und -Muffins gegessen und dabei die Halloween-Folge von Paw Patrol gesehen. Das war okay für mich. Aber wir erklä- ren ihr, dass wir die Kostüme manchmal zu unheimlich finden und dass Gott es nicht gut findet, wenn man die Türen an Halloween für böse Geister und Zauber öffnet. Das versteht auch eine Dreijährige. Dafür feiern wir mit unseren Kindern Karneval – so haben sie eine Alternative zu Halloween, die ihnen wirklich Spaß bringt. Aber eben ohne gruselige Kostüme!

Halloween feiern: Wieviel Grusel darf es sein?

Verkleiden und Süßigkeiten – das sind Dinge, die den meisten Kindern Spaß bringen. Doch nicht alle finden es witzig, bluttriefenden Zombies oder klappernden Skeletten zu begegnen. Die Psychologin Annika Rötters rät dazu, besonders bei kleinen Kindern auf ihre Reaktion zu achten, denn Grusel ist ein subjektives Gefühl: "Wenn das Kind etwa die Hand fester greift, kann dies ein Zeichen sein, dass es sich noch einmal der Sicherheit versichert und gestärkt dem Grusel ins Auge sehen möchte – aber auch dafür, dass das Kind sich gerade verunsichert fühlt."
 

Sicherheit statt Druck beim Halloween feiern

Weint euer Kind, versteckt es sich, will es zurück nach Hause gehen oder erst gar nicht raus, ist es wichtig, seine Gefühle ernst zu nehmen. "Wenn Kinder ihre Angst überwinden, kann das zwar das Selbstbewusstsein stärken", sagt Annika Rötters. Aber: Eltern sollten ihre Kinder niemals drängen, wenn sie sich nicht trauen, den kostümierten Geistern gegenüberzutreten. "Eine Angst zu überwinden geschieht eher in einem Moment der gefühlten Sicherheit als unter Druck", erklärt die Psychologin.

Nicht Süßes von Fremden an Halloween?

Bei einem Punkt beschleicht selbst Halloween-Fans ein schlechtes Gefühl: Da erzählt man den Minis das ganze Jahr über, keine Süßigkeiten von Fremden anzunehmen – und am 31. Oktober dürfen sie plötzlich an fremden Türren klingeln? „Tatsächlich sind Kinder sehr sensibel für soziale Situationen. Schon Kleinkinder haben ein ziemlich gutes Verständnis davon“, beruhigt Annika Rötters. So wie Kinder verstehen, dass bei den Großeltern andere Regeln gelten als zu Hause, verstehen sie auch den Unterschied zu Halloween. Die Psychologin fügt hinzu: "Wenn eine fremde erwachsene Person einem Kind einfach so ein Bonbon gibt, unterscheidet sich die Situation komplett von diesem sozial eingebetteten Ereignis wie Halloween. Sie wird persönlich und damit seltsam." Am Ende bleibt aber vor allem wie schon 2020 die Frage, ob es in Pandemie-Zeiten eine gute Entscheidung ist, mit (ungeimpften) Kindern von Haus zu Haus zu ziehen ...

Annika Rötters ist Diplom-Psychologin und Dozentin für Entwicklungspsychologie. Auf ihrem Instagramkanal Psychotrainment teilt sie Impulse "für Eltern und andere Führungskräfte".

Text: Nathalie Klüver

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